Alles mit Goldrand

Geschirr mit Goldrand

(c) Elfie Siegel

Als meine Großmutter väterlicherseits ihre künftige Schwiegertochter kennenlernte, soll sie vor Freude geweint haben.

Die Tränen kamen ihr beim Anblick der umfangreichen Aussteuer. Dass ihr Ältester ein solches Glück hatte mit seiner Braut! Es war 1937 und die Braut wurde meine Mutter. Außer Stapeln mit Handtüchern, Küchentüchern und Bettwäsche (alle mit selbst gesticktem Monogramm) hatte sie sich von ihrem Lohn als Schneiderin ein umfangreiches Essgeschirr zusammengespart.

Wenn ich heutzutage für Freunde koche, essen sie von diesem nun 80 Jahre alten Geschirr.

Dabei kann ich nur einen Bruchteil davon auftischen. Denn die Teller gibt es jeweils zwölfmal: Suppenteller, große Essteller, kleine Essteller, dazu drei Platten, zwei Soßenkännchen, drei Schüsseln. Alles mit Goldrand. „Hutschenreuther, Abt. Paul Müller, Selb“ steht auf der Rückseite eines jeden Stückes. Ich weiß nicht den Wert. Mir ist es viel wert. Und es kommt mir nicht in den Geschirrspüler. Viel Arbeit nach jeder Essenseinladung! Neulich fiel mir ein großer Essteller auf die Küchenfliesen. Da waren es nur noch elf…

Elfie Siegel   

  3 comments for “Alles mit Goldrand

  1. Sophie Mory
    1. Februar 2016 at 4:14 pm

    Klar, das Geschirr mit Goldrand kenne ich auch noch von meiner Oma. Es war wirklich das „gute Geschirr“ für Taufen, Konfirmationen, Hochzeitsfeiern und vielleicht auch für Beerdigungen.

    • Joschi
      2. Februar 2016 at 7:33 pm

      Ich (Jahrgang 1953) habe das edle Goldrandgeschirr von meiner
      Großmutter geerbt und nutze eigentlich nur
      gelegentlich mal ein paar Tassen und_ Kuchenteller. Gezählt habe ich die Sammlung
      noch nie! Gigantisch. Der gesamte ebenfalls von meiner Großmutter geerbte Schrank von 1927 ist mit den schönen Stücken gefüllt.
      Neu ist: Ich überlege, ob ich etwas dringender brauche als die Sammlung. Sie loslassen?
      Will ich das? Mal sehen…

      • Erna
        3. Februar 2016 at 9:20 am

        Sie sollten die schönen Stücke nicht weggeben, dafür aber benutzen; auch auf die Gefahr hin, dass mal was kaputt geht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.