Älter werden – was wir gewinnen

(c)Monika Sattelberg

Freie Zeit

Viele Veränderungen, die wir in unserem Leben durchmachen, fragen nicht, ob wir sie wollen oder ob sie uns willkommen sind. Sie geschehen einfach – wie auch das Älterwerden. Dann fragt sich so mancher unter uns: Das kann doch nicht alles gewesen sein? Nein, ist es nicht, lautet die Antwort! Nachlassende körperliche Kräfte lassen sich auffangen (es gibt diverse Hilfsmittel), geistige Kräfte können zunehmen (Interesse und Neugierde vorausgesetzt). Einige von uns packen sogar etwas ganz Neues an. Das Älterwerden bringt ungeahnte Freiheiten und die freie Zeit ist uns geschenkt.

Machen wir was daraus!

  • Die Sonne scheint. Herrlich! Gestern vormittag eine Stunde auf der Bank im Park gesessen. War die erste, doch später war die Bank voll besetzt. Wir kamen ins Gespräch.
  • Neulich beim Konzert: Hab mich dazu aufgerafft. Leider war “etwas tun”, keine Garantie für das, was ich erwartete. Kann passieren, muss aber nicht.
  • Donnerstag: Spielenachmittag mit Freunden …
  • Freitag: Mal schauen, Garten oder Hausarbeit?
  • Und am Wochenende? Bis dahin wird mir was einfallen.
  • Aber ab nächste Woche gehe ich wieder regelmässig zum Schwimmen

Gelasssenheit – Lebenskunst

Nicht allein die freie Zeit, die wir haben sind ein Gewinn, auch die Gelassenheit in bestimmten Situationen: Irgendwann ändern sich nicht die Dinge, sondern die Bedeutung, die wir ihnen geben. Die kleinen Freuden empfinden wir bewusster, wertvoller als früher: Das Lied der Amsel im Frühling, der Duft von frisch geschnittenem Gras oder die heimelige Wärme drinnen, wenn es draussen stürmt und kalt ist. Oder auch am Espresso zu nippen, der Körper und Seele wärmt und den Geist beflügelt. Die Zeit lehrt uns, Dinge mit Abstand neu zu betrachten, gelassener zu sein. “Lebenskunst ist die Kunst des richtigen Weglassens – Coco Chanel –

(c)Monika Sattelberg

Gewohnheiten

Am Anfang jeder Gewohnheit steht die Veränderung, hab ich mal gelesen. Aber wer will das? Es fällt im Alter schwerer sich umzugewöhnen. Es heisst zwar, Menschen gewöhnen sich an alles. Aber sie brauchen Zeit dafür – und Kraft, über die wir beim Älterwerden nicht mehr beliebig verfügen. Wir hängen an unseren Gewohnheiten. Es gibt Menschen, die sogar auf sie angewiesen sind. Sie wollen oder können den Tag, die Woche nicht immer neu struktuieren. Die Jungen finden das langweilig: Immer das Gleiche, keine Abwechslung, nichts Neues. Die Älteren finden Gewohnheiten nützlich. Sie sind zum festen Bestandteil ihres Lebens geworden. Was mich betrifft: Ich lege grossen Wert auf mein Äusseres. Nicht, dass ich immer toll aussehe, aber es ist mir eine morgendliche Pflicht, etwas dafür zu tun. Es ist mir ein Bedürfnis, was zur Gewohnheit wurde. Und es wird sich auf gar keinen Fall ändern, solange ich es beeinflussen kann.

Neue Horizonte

Ich kenne Senioren*innen, die noch eine Menge von Dingen tun wollen, bevor “nichts mehr geht”, mich eingeschlossen. Zum Beispiel Reisen, nochmal mehr von der Welt sehen. Für die Einen mit dem Wohnmobil ein halbes Jahr durch’s warme Spanien. Für die Anderen die Kreuzfahrt, sich von der Schönheit der norwegischen Fjorde verzaubern lassen. Hierzu Franz Kafka: “Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.” Die freie Zeit nach einem arbeitsreichen Leben und wer es hat, ein finanzielles Polster, machen möglich, was früher unmöglich war. Wandern, Fahrradtouren, Malen, Schreiben oder noch einmal die Schulbank drücken als Gast – alles geht, sofern die Gesundheit nicht im Wege steht. Auch wenn wir nicht immer wissen, was wir wollen, wir wissen jetzt was wir nicht mehr wollen. Die Entscheidung liegt allein bei uns.

Weisheit

Erfahrung zahlt sich aus. Obwohl wir auch im Alter Fehler machen, sie werden weniger! Wir lassen uns nicht mehr so sehr von unseren Gefühlen beherrschen wie früher. Was auch geschieht, es geht vorüber, in guten wie in schlechten Zeiten. Weil Sorgen und Leid zum Leben gehören, haben wir uns damit abgefunden:

  • Wir kennen den Unterschied zwischen verliebt sein und lieben
  • Das Leben ist zu kurz, um sich zu streiten.
  • Wir können leichter verzeihen, Gott sei Dank, auch uns selbst.

Anmerkung: Es gibt Dinge, die wir nicht beeinflussen können und so gesehen, ist das Glück und der Gewinn des Älterwerdens ganz individuell. Mein Anliegen ist es Mut zu machen, zu motivieren, aus dem Rest des Lebens etwas zu machen, das es bejahenswert erscheint, so weit dies möglich ist.

Monika Sattelberg

  3 comments for “Älter werden – was wir gewinnen

  1. Eine Achtzigjährige sagt:

    Danke, Monika Sattelberg! So lebe ich auch. Es ist schön, die Bestätigung zu bekommen und es mit Ihren Worten zu lesen.

  2. Barbara sagt:

    genau !
    reich an Zeit,
    reich an Freiheit
    reich an Erfahrungswissen,
    reich an Ideen und Freude an dem was wir noch können
    und neugierig auf Neues das entsteht !

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