Zehn Jahre „Universität der 3. Generation“

Frauenkopf

(c)Elfie Siegel

In dem in Deutschland einmaligen Modellprojekt der AWO Bremen referieren die Dozentinnen und Dozenten im Ruhestand ehrenamtlich über ihr Wissen und ihre Erfahrungen.

Wer leben will muss älter werden

Zum zehnjährigen Jubiläum der „Universität der 3. Generation“  spricht die Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Annelie Keil. Der Titel ihres Vortrags: „Wer leben will muss älter werden“. Schon eine halbe Stunde vorher ist der Wall-Saal der Zentralbibliothek voll besetzt. AWO-Projektleiter Bruno Steinmann muss Dutzende Interessierte abweisen.

Sie bekommt die Senatsmedaille

Brausenden Beifall bekommt Annelie Keil schon vor Beginn ihres Vortrags. Eva-Maria Lemke-Schulte, Präsidentin der AWO  Bremen, gibt bekannt, dass die achtzigjährige Professorin demnächst die Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft erhalten wird. Das ist die höchste Ehrung, die die Freie Hansestadt Bremen zu vergeben hat. Denn Orden gibt es nicht. Die passen nicht zum hanseatischen Understatement.

Frau am Rednerpult

(c)Elfie Siegel

Lernen ist der Rhythmus des Lebens

Und furios wie immer beginnt sie, und zwar mit der Geburt: Das Leben ist eine harte Arbeit. Und zwar von Anfang an. Schon für das kleine befruchtete Ei geht die Schufterei los. Es muss die Eileiter durchqueren. Es muss sich einnisten in die Gebärmutter, seinen Platz behalten und diesen wieder verlassen. Es muss kämpfen und lernen. Lernen und Kämpfen ist der Rhythmus des Lebens. Seine Bedingungen können wir uns nicht aussuchen. Aber wir haben Werkzeuge zum Leben und zum Lernen: Unsere Augen, unsere Ohren, unseren Mund. Wir müssen immer wieder integrieren was ist. Wir hören nie auf zu lernen.

Mal eine Woche nicht meckern

„Ich studiere Katholische Theologie“, sagt sie und grinst verschmitzt – sie die einstmals jüngste Professorin an der „linken Kaderschmiede“, Uni Bremen. Lachsalven im Publikum. Sie meint es ernst: Hauptsache Lernen und Unterwegssein ist ihr Programm. Den Satz „Hauptsache gesund“ hasst sie. Und sie sagt weiter: Viele kämpfen für ein gesundes Leben und merken gar nicht, dass sie nicht mehr leben, dass sie das Leben verpassen. Sie hält überhaupt nichts von Gesundheitsdogmen, zum Beispiel vegetarische oder gar vegane Ernährung, keine Kohlehydrate undsoweiter. Sie macht einen Vorschlag zum Fasten: „Mal eine Woche nicht meckern!“  Klatschen und Lachen der Zuhörerinnen. Sie meint es ernst:  „Sich selber auf die Spur kommen, mal nachdenken.“

Erkennen was wir haben

Wir sollten den Abschied leben lernen. Wir sollten erkennen was wir hatten, was wir erworben haben und was wir „in unserem Schatzkästlein haben“.  Wir können uns entscheiden glücklich zu sein. Oder: Wir können damit hadern, was nicht mehr ist. Denn: „Das Leben hat uns nichts versprochen. Aber es hält Vieles.“ Und wir sollten das schätzen was geht und nicht darüber jammern was nicht mehr geht.

Beispiel Rollator

Wir können immer was tun, wenn was nicht mehr geht. Zum Beispiel, wenn das Gehen nicht mehr so geht. Statt: „Ich geh doch nicht mit dem Rollator!“ könnten wir den Rollator als Kampfwaffe sehen. „Endlich kann ich mal jemanden über die Hacken fahren und so tun als habe ich es nicht bemerkt.“ Lautes Gelächter und tosender Beifall!

Sie ist schon eine Granate, eine achtzigjährige Granate, meine ehemalige Professorin Annelie Keil.

weitere Informationen: www.awo-bremen.de/universitaet-der-dritten-generation

Elfie Siegel

  4 comments for “Zehn Jahre „Universität der 3. Generation“

  1. Bruno Steinmann sagt:

    Eine Korrektur möchte ich gerne anfügen: Das Projekt „Uni der 3. Generation“ wird erst in 2020 10 Jahre alt!
    Vielen Dank für den tollen Text über unsere Auftaktveranstaltung Frau Siegel. Bruno Steinmann (Projektleiter)

  2. Bruno Steinmann sagt:

    Mit dem Jubiläum der „Uni der 3. Generation“ dauert es noch ein wenig. 2020 feiern wir das 10-jährige Bestehen. Vielen Dank für den schönen Artikel! Bruno Steinmann (Projektleiter)

  3. Bettina Stiller sagt:

    Ich bin jedes Halbjahr wieder gespannt auf das neue Programm der „Universität der 3. Generation „, das breit gefächert viele interessante Veranstaltungen für die interessierten 60+ler anbietet. Getragen von der AWO, zusammengestellt von Hr. Bruno Steinmann, wurde das Angebot im vergangenen Jahr bereits ca.6.000 Mal angenommen. Das spricht für sich! Wenn ihr Interesse geweckt worden ist: unter Tel. 0421/790257 können sie sich das Programm zuschicken lassen und auch anmelden. Ein guter Rat: die Termine sind sehr gefragt, also greifen sie dann schnell zum Telefon!

  4. Elfie Siegel sagt:

    Danke, Bettina Stiller, für die zusätzliche Information!!!

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