Der Fußgänger – eine aussterbende Spezies?

Füsse auf dem Trottoir

(c)Dirk Mittermeier

Visionen einer sich wandelnden Mobilität

Der Fußgänger an sich im öffentlichen Verkehrsraum tritt äußerlich individuell differenziert in Erscheinung: Als Slow-Go, Support-Go (mit Rollator), Fast-Go/-Run, Big-Size (190cm und mehr) = „Biggies“, Small-Size (Kinder) = „Smallies“. Er unterscheidet sich auch im äußerlichen Erscheinungsbild und kommt in bunten Kleiderfarben daher oder ist überwiegend dunkel gekleidet oder irgendwo dazwischen. Er ist zugleich der schwächste aller Teilnehmer am Mobilitätsgeschehen auf unseren Strassen.

Frau mit Rollator

(c)frauenseiten ; Robers

Elektro

Im Bereich der anderen Teilnehmer wandelt sich das Fortbewegungsangebot zur Zeit drastisch. Alles geht auf „Elektro“, die Autos werden ebenso in naher Zukunft geräuschlos elektrisch durch unsere Strassen gleiten, wie auch Fahrräder und die diversen anderen modernen Fortbewegungshilfen wie Segways, Elektroroller… Bisher ist mir nicht bekannt geworden, ob es Versuche mit elektrisch betriebenen Rollatoren gibt, die den den älteren Benutzern ein vergleichbares Geschwindigkeitspotenzial und damit eine aktive Sicherheit verschaffen.

Jetzt

Sicher ist jedoch, dass die Fußgänger aufrüsten müssen, um sich den Gefahren auf unseren Bürgersteigen zukünftig zu stellen und ihren Platz auf den öffentlichen Wegen zu behaupten. Dieses Gebot gilt im übrigen auch heute schon, da Radfahrer gerne die Fußwege benutzen, um den Hintern zu schonen, wenn sie durch eine Strasse mit Kopfsteinpflaster fahren müssen. Auch heute besteht für Fußgänger die Regel, dass eine grüne Fußgängerampel nicht vor heranrauschenden Autos und Radfahrern schützt, die sich nach Ampellogik längst im roten Bereich befinden müssten. Von den Gefahren, die von selbstfahrenden Autos und den gegebenenfalls dabei eintretenden Softwarefehlern oder Programmausfällen ausgehen, ganz zu schweigen.

Drohne mit Kamera

(c)Dirk Mittermeier

öffentlicher Luftraum

Auch was den bodennahen Luftraum angeht ist unter Umständen zukünftig Vorsicht geboten: Die Bedrohnung des öffentlichen Luftraums mit Last- bzw. Lieferdrohnen, die Pakete verteilen, muss von Seiten der Fußgänger mit Ausweichreaktionen begegnet werden (entsprechende Gymnastikkurse, besonders für ältere Menschen, gehören in das Angebot jeder Volkshochschule!). Auch wenn es die Regel werden sollte, dass die Kleinfluggeräte eine Mindesthöhe von 300cm einhalten müssen, werden ja auch ebenerdige Firmen oder Geschäfte angeflogen. Interessant wird es, wenn mit deutscher Gründlichkeit hierfür „Verkehrsregeln“ geschaffen werden müssen und wie und durch wen dann mögliche Regelverstöße kontrolliert, verfolgt und mit Strafe belegt werden.

Teller mit Ente, Pilzen und Reis

(c) frauenseiten, A. Robers

Motorgeräusch und Tofu

Wie Sie sehen gibt es hier sehr viel „Spielraum“ für Spekulationen und Horrorszenarien. Damit man zukünftig als Fußgänger, der sich in Bezug auf die Überquerung einer Strasse bisher auch auf sein Gehör verlassen hat (Achtung! Aufgabe für die Hörgeräte-Industrie!), nicht geräuschlos abgeräumt wird, hat die Elektroautoindustrie im Motorraum Lautsprecher installiert, die beliebige Motorgeräusche abspielt. So könnte zum Beispiel ein E-smart-Fahrer sich den Sound eines Ferrari einbauen lassen. Verrückt! Das ist so, wie das Tofu-Angebot auf der Speisekarte des Vegan-Restaurants, das mit künstlichen Aromen nach Ente, Wildschwein oder Hummer schmeckt. Die Welt ändert sich, nur alles, was möglich ist, wird meine Generation nicht mehr erleben (müssen).

Dr. Dirk Mittermeier

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