(13) Bremer Mutmacherin: Lencke Wischhusen

(c)oro photography Oliver Rösler

Liebe Bremer Seniorin und lieber Bremer Senior,

wenn Sie mir vor vier Wochen gesagt hätten, eine Viruserkrankung legt unser ganzes System lahm, verbietet Reisen, mahnt zum Schlange stehen im Supermarkt und verhindert Treffen mit den Liebsten, ich hätte es nie für möglich gehalten. Doch, so schnell kann es gehen! Innerhalb weniger Stunden stand die Welt still.

Kernwerte

Wir Menschen waren wie kleine Hamster im Rad, sind nur gerannt. Es musste immer größer, schneller, besser und weiter sein. Selten war das Erreichte gut genug. Die Kernwerte unseres Zusammenlebens – der familiäre Zusammenhalt, Liebe, Toleranz, Respekt, Mitgefühl und Verantwortung füreinander – verschwanden. Wir vergaßen das Leben nach dem kategorischen Imperativ. Statussymbole, Neid und Missgunst wurden immer dominanter, im Mittelpunkt allein das Ich, der EGO-Mensch. Für mich persönlich ist es das größte Glück, Zeit mit meiner Familie verbringen zu dürfen. Bis heute bin ich Kind geblieben, wenn ich bei meinen Eltern sein darf. Meine Mutter und meinen Vater fest in die Arme schließen zu können, das ist Zuhause. Das nicht mehr tun zu dürfen, bereitet mir wirklich Schmerz. Ich vermisse die Umarmungen.

Chancen

Es liegt an uns, diese unwirkliche Zeit zu gestalten und die ihr innewohnenden Chancen zu begreifen. Wir müssen uns zwar in körperlicher Distanz üben, aber wir Menschen kennen viele Wege, uns dennoch nah zu sein. Ich versichere Ihnen, es ist möglich und macht Spaß! Ein Videoanruf bei meiner Familie zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Jedes Foto meiner Eltern auf dem Bauernhof gibt mir das Gefühl, bei ihnen zu sein. Mit den Kolleginnen und Kollegen einen Kaffee trinken, gemeinsam Lachen und Geschichten erzählen geht auch vor dem Bildschirm und ist ein tägliches Highlight. Plötzlich bekommt es eine viel tiefere Bedeutung, eine Runde spazieren zu gehen und dabei die Weiten der Wümmewiesen zu genießen. Auch ein kleines Fotobuch zu Ostern bei der Familie vor die Tür zu legen, schafft Glücksmomente.

WIR

Diese Zeit muss keine Zeit des Alleinseins werden. WIR alle sind aufgefordert, auf uns als Gemeinschaft zu achten. WIR sind füreinander da, WIR helfen einander, WIR hören einander zu und WIR sprechen uns gegenseitig Mut zu. Familie und Freunde wissen wir wieder wertzuschätzen – so haben WIR gemeinsam die große Chance, diese unwirkliche Zeit mit einem WIR-Gefühl zu füllen. Ich darf in ein paar Wochen mein Baby zur Welt bringen. Es wird sicherlich einer der schönsten Momente meines Lebens sein, der zweit schönste Moment ist dann der, wenn ich die kleine Maus auch in die Arme der Großeltern legen darf!

Bald!

Liebe Seniorinnen und Senioren, die Zeit wird kommen, wenn auch Sie wieder ihre Familien und Freunde in die Arme schließen können. Dann bestimmt noch inniger und herzlicher als je zuvor.  Ich wünsche mir, dass dieser innige Moment in unseren Herzen festgehalten wird und als das wirklich Wichtige im Leben ewig verwahrt bleibt – gerade dann, wenn die Welt Ihre Türen wieder öffnet und uns der Alltag einholen will. Achten Sie auf sich und Ihre Familien, bleiben Sie fröhlich und genießen Sie jeden einzelnen Moment.

Herzlichst Ihre

Lencke Wischhusen, FDP MBB

„Bremer Mutmacher“ ist eine Aktion der SeniorenVertretung in der Stadtgemeinde Bremen zusammen mit Stadtportal Bremen

Bisher bei „Bremer Mutmacher“ (mit einem Klick):

(1) Frank Imhoff, 3.4.2020

(2) Dr. Andreas Bovenschulte, 5.4.2020

(3) Elena, 6.4.2020

(4) Carsten Meyer-Heder, 9.4.2020

(5) Dr. Kirsten Kappert-Gonther, 11.4.2020

(6) Christian „Stolli“ Stoll, 13.4.2020

(7) Willi Lemke, 18.4.2020

(8) Melanie, 20.4.2020

(9) Mustafa Güngör, 22.4.2020

(10) Thomas Röwekamp, 24.4.2020

(11) Elisabeth, 26.4.2020

(12) Dr. Henning Scherf, 28.4.2020

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