(9) Bremer Mutmacher: Mustafa Güngör

(c)SPD Bürgerschaftsfraktion

Liebe Seniorin, lieber Senior, liebe Bremerinnen und Bremer,

eine solch außergewöhnliche und für viele derart strapaziöse Ausnahmesituation gab es für viele Mitbürgerinnen und Mitbürger Zeit ihres Lebens nie. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Alle leben ein Stück weit von der Anwesenheit der Liebsten, vom Teilen, vom Miteinander – seien es Gegenstände, Lebensmittel oder wertvolle Momente. Er lebt von der Gemeinschaft und von dem Gefühl, dass neben dem „Ich“ ein übergeordnetes „Wir“ existiert. Viele, die sich vor dieser Krise gerne abgeschottet haben und meinten, dass sie eher Einzelgänger sind, merken erst jetzt, wie sehr ihnen die Alltagsbegegnungen fehlen – sei es beim wöchentlichen Einkauf, beim erholsamen Spaziergehen, oder nur beim Aus-dem-Fenster-blicken. Einige wiederum trifft diese Krise in den sensibelsten und einprägsamsten Zeiten ihres Lebens. Kinder werden geboren und weder Verwandte und Bekannte können dieses Glück mit den Eltern teilen. Wertvolle Momente gehen verloren. Auf der anderen Seite erkranken Menschen oder treten ihre möglicherweise letzte Reise an. Und das müssen sie allein – weil sie derzeit niemand begleiten kann.

Lichtblicke

Und dennoch gibt es auch in dunklen Zeiten Lichtblicke: Die Hoffnung und das Glück. Menschen begegnen sich auf anderen, bisher unbekannten Pfaden. Solidarität und Zusammenhalt bereichern die Gesellschaft und führen Menschen zusammen. Oft im Internet, in den verschiedenen sozialen Netzwerken. Manch einer entdeckt Briefe wieder für sich. Andere nehmen das Telefon in die Hand und rufen bei altbekannten Menschen an, denen man eigentlich nur jährlich am Geburtstag oder insgesamt viel zu selten sagt, wie sehr man sie schätzt. Und auch in der analogen Welt wird manch eine für selbstverständlich erachtete Banalität, die meist im Alltag kaum registriert wird, wie etwa der Gang zum Bäcker in der Nachbarschaft, plötzlich überraschend klar wahrgenommen und als relevant, für sich und für die Gesellschaft, erachtet.

Gemeinsam

Es wird sie geben, die Welt nach der Krise. Nicht das Virus wird die Zukunft bestimmen, sondern wir tun es – und das nicht morgen, sondern heute. Wir bewältigen die Krise gemeinsam, indem wir gemeinsam alleine sind – aber nicht zwingend einsam. Indem wir zuhause bleiben, keinen Körperkontakt haben und andere Menschen meiden – zumindest räumlich. Wir bestimmen während der Krise, welche Welt wir danach vorfinden wollen. Ich möchte eine Welt, in der nicht das „Ich“ im Vordergrund steht, sondern das „Wir“. Kein egoistisches Hamstern, sondern die Frage: „Was habe ich zu viel und was benötigst Du?“ Eine Zukunft also, in der Menschen sich gegenseitig unterstützen und füreinander einstehen. In der sie Unterstützung anbieten, aber auch einfordern. Bleiben Sie in Kontakt miteinander, denn wie heißt es so schön: Geteiltes Leid, ist halbes Leid. Wir werden diese Krise meistern – denn gemeinsam sind wir stark.

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Ihr

Mustafa Güngör

(SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bremischen Bürgerschaft)

„Bremer Mutmacher“ ist eine Aktion der SeniorenVertretung in der Stadtgemeinde Bremen zusammen mit Stadtportal Bremen

Bisher bei „Bremer Mutmacher“ (mit einem Klick):

(1) Frank Imhoff, 3.4.2020

(2) Dr. Andreas Bovenschulte, 5.4.2020

(3) Elena, 6.4.2020

(4) Carsten Meyer-Heder, 9.4.2020

(5) Dr. Kirsten Kappert-Gonther, 11.4.2020

(6) Christian „Stolli“ Stoll, 13.4.2020

(7) Willi Lemke,16.4.2020

(8) Melanie, 20.4.2020

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