Damals war`s

Die Zeit rast. Und es liegt gewiss nicht nur an unserem Alter, dass wir so empfinden. Immer schneller werden neue Entdeckungen gemacht, immer öfter alte „Weisheiten“ wiederlegt, immer häufiger neue Regeln erfunden und alte über den Haufen geworfen. Zeit, sich zu erinnern und vielleicht aus heutiger Sicht neu zu bewerten, wie es damals war. (Ein Special von Juli 2015)

damals …

Anerkennungsurkunde

Anerkennung für Arbeitseinsatz Beim Durchsuchen alter Unterlagen fiel mir dieses Anerkennungsschreiben von Bürgermeister Wilhelm Kaisen in die Hand. Es wurde damals ausgegeben für unseren Arbeitseinsatz: Schutt entfernen und Steine klopfen in der Pfalzburger Strasse beim Spitzbunker und drei Wochen lang Schützengräben verfüllen in der Parkallee und im Bürgerpark. Mit Schaufeln auf der Schulter mussten wir…

Wie wir damals lebten

Laib Brot mit Brotmesser

Magermilch und Brot Ende der vierziger Jahre. Mit der silberfarbigen Milchkanne ging ich los. Der Auftrag lautete: „Einen Liter Milch und einen halben Liter Magermilch“. Beides wurde gemixt. Die „Fettarme“ war noch unbekannt. Und Diät spielte damals keine Rolle. Nur dass die Magere etwas billiger war. Mutter rechnete mit dem Pfennig. Ein Brot war ein…

Gedanken und Erinnerungen an den 9.November 1938

Nasses Kopfsteinpflaster

Am 9. November 1938 zogen Trupps der SA durch den Stadtteil Bremen-Hastedt. In dem jüdischen Kaufhaus Alexander an der Hastedter Heerstraße wurden die Schaufensterscheiben eingeschlagen, aus der Auslage und dem Laden wurden Teppiche und Wäsche gestohlen. Die Kapelle auf dem jüdischen Friedhof in der Deichbruchstraße steckten SA-Leute in Brand, ohne dass die Feuerwehr aus der…

Wie wir damals lebten: Schwarze Pädagogik

Klassenfoto

Ein Sommerkleid gegen einen Tornister Ich sehe noch die Straße voller roter Fahnen, wohl 1944 zu „Führers Geburtstag“. Aber jetzt – im Herbst 1945 – ist es damit vorbei. Ich bin sechs Jahre alt und gehe zur Schule, jeden Morgen im Dunkeln eine Stunde Fußweg. Das Klassenzimmer ist  ein Provisorium. Die Bänke sind sehr hoch.…

Onkel-Ehe

Wohnen Senioren, Hand in Hand

Ein kurzer humorvoller Rückblick in Form eines Gedichtes auf eine Form der Lebensbewältigung, die nach dem Krieg nicht unüblich war. Onkel-Ehe Nach 1945 oh wehe, wehe, gab es diese „Onkelehe“. Hatte eine Witwe Rente, sich doch nach einem Manne sehnte. Ging das Paar zum Traualtar, futsch die schöne Rente war. Also zog man so zusammen,…

Wat is dat denn…? Nr. 12 – der Rührfix

Rührfix, Küchenutensil mit Kurbel

Wenn ich an meine geliebte Oma und an meine Großtante denke, erinnere ich mich an manches alte Küchenutensil. In diesem Fall kommt mir der „Original Rührfix“, der Mixen ohne Strom ermöglichte, in den Sinn. Das Gerät war ein kleiner Handmixer, der sich als Aufsatz auf einem großen Becher aus Glas oder Kunststoff befand. Wollten wir…

Wat is dat denn…? Nr. 11 – Risibisi

Ein Teller mit Risibisi

„Risibisi“- das hört sich schon vom Klang her sehr exotisch an. In den fünfziger und sechziger Jahren kam noch überwiegend „deutsche Hausmannskost“ auf den Tisch. Speisen und Rezepte aus dem Ausland waren damals noch eine Rarität. So sorgten die italienischen Gerichte Risibisi, wie auch Spaghetti oder Makkaroni, für ein wenig Abwechslung auf dem Speiseplan. Ein…

Wat is dat denn…? Nr. 10 – Von den DOS-en

MS DOS Schwarzer Bildschirm mit unverständlicher Schrift

Wenn man um das Jahr 1990 herum von den DOS-en sprach, dachte man keinesfalls an eine Blechbüchse zur Konservierung von Lebensmitteln. Vielmehr wurden damit liebevoll-scherzhaft Rechner bezeichnet, die mit dem Computer-Betriebssystem MS DOS – kurz für Microsoft Disk Operating System – liefen. MS DOS die Kinderschuhe des PC MS DOS war ab etwa 1981 fast…

Wat is dat denn…? Nr. 9 – Sambawagen und Zigarren

Historisches Bild mit Sambawagen und einer Menschenmenge, die vor dem Rathaus für eine neue Bahn Spalier steht.

Wenn man früher von den „Sambawagen“ sprach, wurde dabei keinesfalls an Partys gedacht: Im Jahr 1953 wurden die ersten Großraumwagen bei der BSAG eingesetzt. Tausende Bremerinnen und Bremer kamen an einem grauen Tag auf den Marktplatz, als Bürgermeister Wilhelm Kaisen die ersten fünf modernen Großraumwagen auf der Straßenbahnlinie 2 freigab. Im Jahr 1954 folgten dann…

Wat is dat denn…? Nr. 8 – Die Flotte Lotte

Flotte Lotte die italienische Version: Passa Tutto

Die Flotte Lotte verbinde ich mit Herbst, Äpfeln, den Duft nach Zimt und fruchtigem Mus. Im Garten meiner Großeltern, die im Wolfskuhlen-Quartier (Kattenturm) lebten, standen viele schöne Apfelbäume. Ein Teil des Obstes wurde nach der Ernte zu leckerem Mus verarbeitet. Dabei wurden die Äpfel geschält, entkernt und anschließend weich gekocht. Dann kam die Flotte Lotte…