Geschichte zum Weihnachtsfest, Teil 2

 von Elisabeth Kriechel

Der Brief

Alle machten mir am Tisch Platz und ich gab mein Bestes, schilderte kurz unsere Lage, unseren Hunger, das bevorstehende Weihnachtsfest und endete mit einer herzlichen Bitte, uns ein Paket zu schicken. Freien Platz um meine Worte schmückte ich mit gemalten Tannenzweigen, Kerzen, das Blättchen, Altpapier, blickte wirklich herzerwärmend alle an. Nun noch feinsäuberlich die Adresse und dann unseren Absender und bei allernächster Gelegenheit brachte meine Mutter diesen Brief zur Post.

(c)Elisabeth Kriechel

Das Paket

Es war Ende November und ab jetzt erhellte jeden Tag die Hoffnung auf ein Paket unser wirklich sehr karges Leben. Man kann sich die Freude heute kaum vorstellen, als dann eine Woche vor Heiligabend wirklich etwas ankam. Kein Paket, nein, ein kleiner Sack aus dicht gewebtem festem Material, graugrün, so circa fünf Kilo schwer. Die Adresse und der Absender wieder auf einem weißen dichtem Stück Stoff geschrieben und aufgenäht, beim Absender ein Satz, übersetzt: „Frohe Weihnachten, mehr haben wir nicht, sind Kleinbauern, selber arm“. Da lag das Geschenk nun auf dem Tisch und keiner wusste so recht, was nun darinnen sei. Mutter ging es an, öffnete eine Naht und, alle schauten mit großen Augen zu, es rollten kleine grüne Bohnen auf den Tisch. Verwirrung, was war denn das? So etwas kannten unsere Frauen nicht wirklich.

Die Bohnen

Die älteste Tochter von Frau Behnke, fast 18 Jahre alt, kam als Erste auf eine Idee. Sie wollte ihren englischen Freund fragen, gleich heute Abend traf sie ihn, ein paar Bohnen sollten sie begleiten. Und wie wir nun auf den nächsten Morgen warteten. Eva kam in dieser Nacht nicht früh nach Hause. Der nächste Morgen dann brachte uns alle zum Staunen. Es waren schlicht grüne Kaffeebohnen, das konnte ihr Freund mit Sicherheit sagen, wir müßten nun sehen, wie wir die rösteten und danach eine Kaffeemühle auftreiben, um sie zu mahlen. Das ergab nun ein Sinnen in alle Richtungen. Weihnachten und eine Tasse guten Bohnenkaffee, wie leuchteten die Augen der Frauen.

Wir Kinder konnten das gar nicht verstehen, hatten die Zeiten nicht in unserer Erinnerung, wo so etwas erlebt worden war.

Den 1. Teil finden Sie unter dem Datum 4. Dezember hier

Teil 3 erscheint am 16. Dezember

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