Der ZOB – immer noch eine endlose Geschichte

Der ZOB Straßenbild mit Bussen

Straßenbild an den Haltestellen (c) J.Schwolow

Die Baugrube vor dem Hauptbahnhof bereitet bisher nur Schwierigkeiten. Viele Bremer Bürger/-innen haben Kritik an der Platz- und Baugestaltung geübt, lange hat das verkaufte Investorgrundstück nach dem Verkauf (Juni 2011) vor sich hin geschlafen, dann ging es endlich los mit dem Buddeln (2015). Aber vor kurzem ruhte wieder der Bau wegen hinderlicher Bodenbewegungen, die einen Teil der Straßenbahnhaltestellen still legten, die Hochstraße in Schräglage brachten und die Gemüter erneut in Wallung versetzten. Kostensteigerungen liegen bereits an, wohl nicht nur für den Investor, sondern auch für die Stadt. Wer weiß, was für sie vom Verkaufspreis letztlich noch übrig bleibt?!

Der ZOB Straßenbild mit Bussen und Fahrrädern

Straßenbild an den Haltestellen (c) J.Schwolow

Zentrale Lage hätte sich angeboten

Das alles hätte sich vermeiden lassen, wenn man die Stimmen der Kritiker ernst genommen hätte. Auch die Bremer Seniorenvertretung hatte sich gegen das Bauvorhaben ausgesprochen, weniger aus architektonischer Sicht, mehr wegen der funktionalen Nutzung des Platzes. Schon 2002 hatte sie nach Auflösung des Standorts des Zentralen-Omnibus-Bahnhofs vor dem Überseemuseum und Hauptbahnhof eine vergebliche Petition bei der Bremischen Bürgerschaft gegen die Auflösung des ehemaligen Verkehrsknotenpunkts und die Verteilung der Busse auf drei unterschiedliche Standorte (Bahnhofsvorplatz, Breitenweg, Hugo-Schauinsland-Platz) eingebracht. Diese Standorte sind weder kundenfreundlich noch barrierefrei, die Lagehinweise zur Orientierung der Reisenden sind dürftig, die Wege vom Bahnhof bis dorthin lang und beschwerlich, besonders bei Bremer Schmuddelwetter. Die Wartemöglichkeiten sind immer noch trotz einiger Verbesserungen wenig ansprechend, und die Barrierefreiheit ist sehr eingeschränkt.

Parkplatz mit Lastwagen

Areal hinter dem UNIVEG-Gebäude, ehemals Fruchthof. Quelle: Senioren-Vertretung, Durchblick. © J. Schwolow

Alternative bis heute nicht gefunden

Der dicht vorbeifließende Verkehr am Breitenweg und der Fahrradweg, der durch die Warteflächen führt, bergen Gefahren. Die Entscheidung, das Investorgrundstück trotz vieler Gegenstimmen zu privatisieren und zu verkaufen, kostete Bremen einen idealen ZOB-Standort. An den jetzigen Notlösungen hat sich in all den Jahren nur wenig geändert, insgesamt gesehen eigentlich mehr verschlechtert, und das nicht zuletzt durch die Freigabe des Fernbusverkehrs seit 2013, die lange vorher angekündigt wurde. Die Reaktionen des Verkehrssenators fielen bisher zurückhaltend aus. Es haben zwar seitdem zum Thema ZOB etliche Sitzungen von Verkehrsausschüssen getagt, Umfragen stattgefunden, Gutachten wurden erstellt und Alternativen gesucht. Unter letzteren waren auch solche, die mit der Forderung nach einem zentral gelegenen Busbahnhof überhaupt nichts zu tun hatten (Bahnhof Mahndorf/Flughafen). Jetzt soll die Bau-Deputation wohl den Vorschlag der Seniorenvertretung favorisieren, nämlich den neuen ZOB auf das Gelände hinter dem ehemaligen Fruchthof zu legen, weil dort das letzte Areal ist, das den Ansprüchen an eine verkehrsangemessene, kundenfreundliche, alters- und behindertenorientierte Infrastruktur eines ZOBs genügen könnte.

Blick auf den hauptbahnhof aus der Vogelperspektive

Foto: Gert Feller

Gutachten, Sitzungen und unzufriedene Reisende

Aber was geschieht? Erst einmal soll ein weiteres Gutachten angefertigt und im Herbst 2016 der Planungsauftrag erteilt werden. Das alles sieht nach weiteren langzeitlichen Verzögerungen aus. Auf jeden Fall wächst der Fernbusverkehr, ebenso die Unzufriedenheit der Reisenden, und Bremen liegt als Oberzentrum mit seinem ZOBAngebot hinter vergleichbaren Städten weit zurück. Wen wundert es? Der ZOB ist nicht die einzige Baustelle in unserer Stadt, über die seit Jahren herumgeredet wird, ohne dass Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden. Ob die Verkehrsbehörde wohl bald mal in die Puschen kommt?

Joachim Schwolow

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