Gemeinschaftliches Wohnen im Alter

kleine Häuschen im Schnoor

(c)frauenseiten.bremen. Mula

Bremen braucht bezahlbaren Wohnraum. Seit rund 20 Jahren entstehen in Deutschland immer mehr Initiativen gemeinschaftlichen Wohnens. In ihnen schließen sich Interessierte zusammen, die in sozial verlässlichen Nachbarbarschaften leben möchten.

Worum geht es dabei genau?

Es gibt diese Wohnformen mit verschiedenen Ausrichtungen: im Eigentum, in selbst organisierten Genossenschaften und zur Miete. Inzwischen denken immer mehr Menschen über diese neuen Wohnformen nach, damit sie im Alter weiterhin selbst bestimmt und sozial integriert leben können.

Seit 2 Jahren vertritt das „Forum Ältere Menschen Bremen e.V.“ in Bremen durch eine ehrenamtliche Kraft das „Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V., Bundesvereinigung“. Sie und einige Mitstreiter/-innen wenden ihre Aufmerksamkeit insbesondere den Menschen zu, die darauf angewiesen sind, zur Miete zu wohnen.

Es betrifft überwiegend Alleinstehende, die nur über geringe Einkünfte verfügen, deren Wohnungen nicht barrierefrei sind und die den Wunsch haben, gemeinsam – nicht einsam – älter zu werden.

Unter gemeinschaftlichem Wohnen versteht die Gruppe, dass jeder Mieter über eine eigene kleine – barrierefreie – Wohneinheit von ca. 50 – 60 qm verfügt und dass für alle zentral ein Gemeinschaftsraum für gemeinsame Aktivitäten existiert.

Gruppe von Menschen in einem Hof

(c) G.Münchmeyer-Elis, Durchblick

Was spricht für dieses Wohnmodell?

Es ist eine nachhaltig wirkende Antwort auf die vielen offenen Fragen des demografischen Wandels in Bremen. Es hat Präventionsfunktion, die verhindert, dass Ältere isoliert werden und in ihren Mietwohnungen vereinsamen. Gemeinsam in einer Hausgemeinschaft aktiv miteinander zu leben und sich gegenseitig zu unterstützen, macht es möglich, lange am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Die am gemeinschaftlichen Wohnen Interessierten lernen sich erst kennen und loten aus, ob und wie sie in einer Wohngemeinschaft leben wollen, bevor sie in eine Mietwohnung einziehen.

Es gibt sehr viele Beispiele in anderen Bundesländern, die diese Qualität des Zusammenlebens auszeichnet. Die sogenannten „jungen Alten“ ab 60 Jahre haben sich seit 2 Jahren im „Forum für Gemeinschaftliches Wohnen“ (Breitenweg 1, 28195 Bremen) getroffen, sich beraten lassen und sachkompetente Bürgerschaftsabgeordnete zu ihren Treffen eingeladen. Dabei wurde festgestellt, dass die Eingeladenen über diese Wohnform wenig informiert sind und die Vorteile nicht kennen. Das bestätigte sich insbesondere in den schriftlichen Antworten der Baubehörde auf den Fragenkatalog des baupolitischen Sprechers der SPD, die in 2/2015 öffentlich gemacht wurden, sowie in der Antwort des Senats auf die kleine Anfrage der CDUFraktion (Drucksache 18/03 vom 24.03.15).

Unsere Treffen mit den politischen Vertretern haben gezeigt, dass wir in der Politik mit unserem nachhaltigen Anliegen, gemeinschaftlich wohnen zu wollen, nicht wahrgenommen werden. Das wollen wir ändern, denn Alleinsein macht krank. Aber wir wollen miteinander leben, uns gegenseitig unterstützen und eine aktive Nachbarschaft pflegen, die die seelische Gesundheit fördert und Vereinsamung ausschließt. Darin sehen wir ein sinnvolles Instrument und eine Antwort auf die vielen Fragen der alternden Gesellschaft.

Frau an der Weserpromenade

(c) Durchblick

Unsere Forderungen

Wir wollen uns dafür einsetzen, dass das Wohnmodell „Gemeinschaftliches Wohnen zur Miete“ im Altenplan der neuen Bürgerschaft bzw. im neuen Koalitionsvertrag verankert wird. Und wir benötigen eine Beratungs- und Koordinierungsstelle, die es in allen anderen Bundesländern und vielen größeren Städten seit vielen Jahren gibt und die von den Landesregierungen unterstützt werden.

In vielen Bremer Stadtteilen gibt es Wohnprojektgruppen, die nichts voneinander wissen. Dagegen gibt es für Baugemeinschaften mit Eigenkapital, die gemeinschaftlich wohnen wollen, seit 08/2013 beim SUBWE eine Kontaktstelle.

Von den am gemeinschaftlichen Wohnen interessierten Mietern können allerdings nur 30% ihren Wunsch mit Eigenkapital verwirklichen! Wir fordern daher die Politik über eine Petition an die Bremische Bürgerschaft auf,

  • sich mit dem Thema „Gemeinschaftliches Wohnen“ zur Miete zu befassen und im Altenplan der neuen Bürgerschaft bzw. im neuen Koalitionsvertrag zu verankern,
  • entsprechenden Wohnraum zu schaffen und die Projektgruppen zu unterstützen sowie
  • eine öffentliche Beratungs- und Koordinierungsstelle einzurichten, wie es sie in allen Bundesländern und vielen großen Städten gibt, da diese Aufgabe nicht ehrenamtlich zu leisten ist.

Johanne Thurn

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