Quartiersbesuch: Neue Vahr Südost

Stadtplanausschnitt

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Stadtteilbesuch im Rahmen der 4. Bremer Armutskonferenz

Der Bremer Ortsteil Vahr teilt sich in Vahr-Nord, Vahr-Südwest, Vahr-Südost und Gartenstadt Vahr. Im Rahmen der 4. Bremer Armutskonferenz wurden in Gruppen 17 verschiedene Quartiere Bremens besucht. Ich besuchte die Neue Vahr-Südost an der Berliner Freiheit und hier das Hanna-Harder-Haus. Im Ortsteil Vahr gab es  nach dem Krieg  eines der größten Bauvorhaben in Europa, es entstanden hier fast 10.000 Mietwohnungen dazu 769 Eigenheime in ca. 5 km Entfernung zum Stadtzentrum. Bauherr war überwiegend die GEWOBA.

Statistische Daten

Im Blickpunkt unseres Besuches standen die alten und älteren Menschen in diesem Quartier. Der Bevölkerungsstand an Menschen ab 65 Jahren beträgt aktuell 6203 Menschen, davon 2408 männlich und 3725 weiblich. Insgesamt wohnen hier 27.168 Menschen, davon 12.928 männlich und 14.240 weiblich. Cirka 50 % der Bewohner*innen in der Neuen Vahr haben einen Migrationshintergrund, bei den unter 18-jährigen beträgt deren Anteil ca. 76 %. Etwa 22 % der Gesamtbevölkerung sind Aussiedler aus den ehemaligen Staaten der UdSSR. Die Haushalte mit Personen über 65 Jahren teilen sich in1-Personen-Haushalte für 2915 Menschen (765 Männer und 2150 Frauen), 2-Personen-Haushalte für 2689 Menschen (1381 Männer und 1308 Frauen) und 3-Personen-Haushalte für 357 Menschen (183 Männer und 174 Frauen). Hier leben 905 Empfänger*innen von Grundsicherung im Alter, bei Erwerbsminderung nach SGB XII (320 männlich, 585 weiblich). Überdurchschnittlich viele Bewohner*innen sind von Arbeitslosigkeit und Einkommensarmut betroffen, es besteht eine damit verbundene soziale Isolation.

(c)Dirk Mittermeier

Die Angebote für alte Menschen

Aber dem wird gerade in diesem Quartier mit ehrenamtlicher Arbeit viel entgegen gesetzt. Eine Vielzahl von Helfer*innen stehen ehrenamtlich zur Verfügung für regelmäßige Unterstützung und Hilfeleistungen. Das Quartier mit dem Vorteil, dass viele Menschen hier auf engstem Raum wohnen, ist bestens vernetzt: Ein Arbeitskreis „Senior*innen in der Vahr“ mit dem Netzwerk Gesundheit tagt circa alle sechs Wochen. Eine Stadtteilkonferenz tagt viermal im Jahr. Es gibt gute, gewachsene Strukturen für Kooperationen, die Unterstützung durch die GEWOBA und das Bestreben, die Angebote weiterzuentwickeln. Spezielle Angebote für Senior*innen: Das Dienstleistungszentrum Begriff berät zu allen altersrelevanten Fragen vermittelt Nachbarschaftshelfer*innen. Ein Pflegestützpunkt berät rund um das Thema Pflege. Es gibt verschiedene ambulante Pflegedienste, auch fremdsprachlich, stationäre Pflege Heinrich-Albertz-Haus (AWO) und St. Laurentius (Caritas), den „Treffpunkt Waschhaus „(Vahrer Löwen, ca. 13.000 Besucherinnen pro Jahr), den Nachbarschaftstreff „Vahrer See „(AMeB, ca. 12.000 Besucherinnen pro Jahr) als Orte des Miteinander, der Begegnung und der Kommunikation. Es besteht eine Angehörigen-Gruppe demenzkranker Menschen, die „Vahrer Löwen“ leisten Aufsuchende Altenarbeit.

Das Hanna-Harder-Haus

Es besteht ein stationärer Mittagstisch im Familienquartierszentrum (FQZ) und im Hanna-Harder-Haus, um nur einige der Aktivitäten zu nennen, die uns vorgestellt wurden. Seit August 2019 gibt es einmal wöchentlich eine „Seniorentafel“ (eine Kooperation von Bremer Tafel, AMeB, GEWOBA und Gemeinsam in Bremen) im Nachbarschaftstreff Vahrer See für Bewohner*innen aus der Vahr. Dort sind zurzeit circa 120 Kund*innen angemeldet, von denen jede Woche 80-100 kommen. Circa 35 ehrenamtliche Helfer*innen sind hier in vierzehntägigen Rhythmus ehrenamtlich im Einsatz. Wir konnten mit den Mitarbeiter*innen sprechen und uns das vielfältige Angebot an Lebensmitteln bestaunen, die normalerweise in die Abfalltonne gelangt wären.

Was hat sich verändert?

Wie bewerten die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen die Veränderungen in ihrem Quartier? Trotz der vielen helfenden Hände und der breiten Angebotspalette sind die Aussagen nicht ermutigend.

  • Die Zahl der Seniorinnen mit finanzieller Not ist gestiegen und scheint auch weiter einzusteigen,
  • der Bedarf an kostengünstigen Unterstützungsangeboten steigt weiter,
  • die Begegnungsstätten sind unterfinanziert die Leitungskräfte arbeiten ehrenamtlich, bzw. haben 8,5 Wochenstunden, der Bedarf liegt aber bei circa 20 Wochenstunden, um alle Anforderungen erfüllen zu können

Herzlichen Dank für diesen Einblick in ein besonderes Bremer Quartier!

Dr. Dirk Mittermeier

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