Im Alter wird man alt, sonst nichts?

Bücherstapel

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Ist man weise, wenn man siebzig, achtzig, neunzig oder gar hundert Jahre alt ist? Redaktionsmitglied Thea hat jetzt die erste Stufe in diesem letzten Lebensabschnitt erreicht. Doch weise findet sie sich und ihre Freunde nicht. Sie hat gerade Krach mit ihren Nachbarn angefangen, ihre Freundin hat sich in eine herrische alte Schachtel verwandelt, und ihr Bruder entwickelt Schrullen, die sie schon früher bei alten Männern beobachtet hat.

Im Alter wird man alt, sonst nichts (soll Bernhard Shaw gesagt haben). Doch wo steckt denn die Altersweisheit? Vermutlich in Büchern. Und darum hat Thea ihren Bücherschrank durchgesehen und natürlich auch etwas entdeckt. Es sind Zufallsfunde. Ihr Auswahlkriterium: Die Autorinnen und Autoren haben ein langes Leben hinter sich.

Paul Baltes (1939-2006), Altersforscher, stellt fest:

„Ich sehe das hohe Alter als das letzte Abenteuer des Lebens. Dieses Abenteuer mit Würde durchstehen zu können wird eine der größten individuellen und gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sein.“

 

Wolf Jobst Siedler (1926 – 2013), Verleger, ist milde gestimmt:

Ich habe Erfahrungen gemacht, die auch nicht zu verachten sind. Man ist gelassener geworden mit den Jahren, fast möchte man es Milde des Alters nennen. Dinge, die einen früher aufgeregt hätten, sieht man jetzt mit Gleichgültigkeit, oder, wenn es sich so ergibt, mit Heiterkeit….

Aus „Wider den Strich gedacht. “Siedler Verlag.


Richard von Weizsäcker (1920 – 2015), Politiker, hat eine Bitte an die Jugend:

Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie miteinander zu leben, nicht gegeneinander.

Zitat aus seiner Rede, die er am 8. Mai 1985 gehalten hat.


Gesine Schwan (geb. 1943), zweimal Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, über den Sinn des Lebens:

Der Sinn des Lebens beruht auf Gemeinsamkeit und Gegenseitigkeit, er ist notwendig subjektiv, aber deswegen kein individualistisches Projekt…

Aus: “Woraus wir leben. Das Persönliche und das Politische. Ein Gespräch mit Christian Geyer“. Piper-Verlag.

 

Altersweisheit, Mehrere Bücher

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Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002 ), Publizistin, hat 1995 zwölf Thesen gegen die Maßlosigkeit aufgestellt. In These 3 und 4 heißt es u.a.:

Wenn jeder sich nur auf seine Leistung konzentriert und auf seinen Lustgewinn und die Verantwortung für das Gemeinwohl dem Staat überläßt, dann geht die Gemeinschaft vor die Hunde…. Die Überbetonung von Leistung, Geldverdienen und Karriere…führt dazu, dass alles Geistige, Humane, Künstlertische an den Rand gedrängt wird.

Aus: „Zivilisiert den Kapitalismus. Grenzen der Freiheit.“ Deutsche Verlagsanstalt.


Helmut Kohl (geb. 1930-2017), Politiker, verteidigt die Macht:

Wir haben in Deutschland die seltsame Angewohnheit, Macht zu diffamieren. Macht an sich ist ja nichts Gutes und nichts Schlechtes. Die Frage ist, wie man Macht gebraucht….Macht ist notwendig. Wer Macht denunziert und der Macht entflieht, der kann nichts gestalten. Das gilt übrigens nicht nur für die Politik, das gilt für viele Bereiche des Lebens.

Aus: Helmut Schmidt. Jahrhundertwende. Siedler Verlag.


Helmut Schmidt (1918 – 2015), Politiker, über Freundschaft:

Der Wesenskern einer Freundschaft beruht auf der Zuverlässigkeit des Freundes, auch darin, dass man sich darauf verlassen kann, dass er das sagt, was er wirklich denkt. Das ist gar nicht so häufig im Leben wie in der Politik.

Aus: Helmut Schmidt „Jahrhundertwende“. Siedler-Verlag


Schimon Peres (1923 – 2016), Israels Staatsoberhaupt, über Zukunft:
Das Gespräch mit Helmut Schmidt fand 1997 statt.

Sie sind 79 Jahre jung, ich bin 74 Jahre jung. Also sind wir beide jung. Ich weiß nicht, was geschehen wird. Aber ich weiß, was ich zu tun habe. Ich muß alle Zeit, die ich habe… dem Frieden widmen. Über die Zukunft sollte man nicht nur Vermutungen anstellen, man muß sie gestalten.

Aus: Helmut Schmidt „Jahrhundertwende“. Siedler-Verlag. Das Gespräch mit Helmut Schmidt fand 1997 statt.


J.W von Goethe (1749-1832), Dichter. Er darf nicht fehlen und bekommt das letzte Wort:

Alles Gescheite ist schon gedacht worden; man muß nur versuchen, es noch einmal zu denken.

Aus: „Wilhelm Meisters Wanderjahre“

Wer mehr zum Thema findet, kann diese Sammlung gerne auffüllen. Im Kästchen „Kommentar“ gibt es jede Menge Platz dafür.

Thea

  4 comments for “Im Alter wird man alt, sonst nichts?

  1. Dorothee
    25. Juni 2017 at 6:44 pm

    Liebe Frau Thea, Helmut Kohl ist tot. Haben Sie das noch gar nicht bemerkt?
    Ihre aufmerksame Leserin Dorothee

    • 26. Juni 2017 at 10:57 am

      Liebe Dorothee, vielen Dank für deinen sehr richtigen Hinweis. Wir lieben aufmerksame Leserinnen.
      Gemerkt hat Thea das wohl schon, aber reagiert hat sie erst jetzt und schnell nachgebessert. Wir werden halt im Alter auch langsamer und der Herr Kohl wird es uns hoffentlich nicht übel nehmen.

      Herzliche Grüße

  2. Eine Achtundsiebzigjährige
    26. Juni 2017 at 10:04 am

    Hallo Thea, ich meine etwas gelassener geworden zu sein, was Fehler angeht, sowohl die meiner Mitmenschen (hoffe ich doch) als auch meine eigenen.

    • Dorothee
      18. Juli 2017 at 10:55 am

      Gelassen möchte ich gar nicht sein. Wenn ich so richtig „in Fahrt bin“, merke ich, dass ich lebe. Für meine Umgebung ist das allerdings manchmal anstrengend.
      Dorothee

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