»City Girls – Deutschsprachige Autorinnen der 1920er Jahre«

Alexandra Tacke und Esther Hafner stellen Irmgard Keun vor. In den 1920er Jahren erobern die City Girls die Metropolen und Medien. Sie treten in einem neuen Look auf: Die Bubiköpfe, Blaustrümpfe, Working Girls und Tippmamsells sind Ausdruck eines veränderten Rollenverständnisses der Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

In der neuen Veranstaltungsreihe der Stadtbibliothek »City Girls – Deutschsprachige Autorinnen der 1920er Jahre« stellt die Bremer Literaturwissenschaftlerin Alexandra Tacke pro Veranstaltung eine Autorin der 20er Jahre vor. Beim zweiten Teil der Reihe am Dienstag, den 3. November stellt sie gemeinsam mit der Bremer Schauspielerin Esther Hafner die Autorin Irmgard Keun vor.

Gebäude der Zentralbibliothek im Ausschnitt

Zentralbibliothek (c) privat / JUA

Die City Girls tanzen, trinken, rauchen, flanieren und flirten, als gäbe es kein Morgen. Sie genießen die neue sexuelle Freiheit, zeigen Bein, kokettieren, verführen, werden nicht mehr nur begehrt, sondern begehren selbst. Weiblichkeit, Großstadt und Moderne verdichten sich zum Mythos der »Neuen Frau«. Schwungvoll bewegen sie sich im Gedränge der Großstadt. Dabei wirbeln sie nicht nur über die Tanzböden der Metropolen, sondern bringen auch die traditionellen Geschlechterrollen durch-einander. Erstmals in der Literaturgeschichte sind es Autorinnen, die den Buchmarkt erobern und Bücher produzieren, die zu Bestsellern werden. Dominiert in den Medien das glamouröse Bild der Neuen Frau, greifen viele Romane der Zeit die Diskrepanz zwischen Utopie und Alltagsrealität auf.

aufgeschlagene Bücher

(c) Elfie Siegel

Dr. Alexandra Tacke hat Neuere deutsche Literatur, Philosophie und italienische Philologie in München, Berlin und Chicago studiert. Seit Februar 2014 ist sie Gastprofessorin am germanistischen Institut der Kazimierz-Wielki Universität in Bromberg (Polen). Von 2005 bis 2012 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität (Berlin). Promoviert hat sie sich 2010 an der HU mit einer kultur- und medienwissenschaftlichen Arbeit zu der deutschen Multimediakünstlerin Rebecca Horn. Im Herbst 2015 erscheint ihre zweite Monographie Schnitzlers >Fräulein Else< und die Nackte Wahrheit. Novelle, Verfilmungen und Bearbeitungen im Böhlau-Verlag. Diverse Herausgaben von wissenschaftlichen Bänden: u. a. zu City Girls. Bubiköpfe und Blaustrümpfe in den 1920er Jahren (2011, zus. mit Julia Freitag).

Innenhof

(c) frauenseiten, A. Behnk

Irmgard Keun, 1905 in Berlin geboren, hat mit ihren beiden ersten Romanen, »Gilgi – eine von uns« und »Das kunstseidene Mädchen« (1931 und 1932) sensationelle Erfolge. 1933 beschlagnahmen die Nazis ihre Bücher. 1935 geht sie ins Exil. In der NS-Zeit unterstellte man ihr eine reine Milieudarstellung armer Leute mit antideutscher Tendenz, später sprach die Kritik abschätzig von Unterhaltungsromanen für Frauen, während sie für die feministische Literaturbewegung eine Vorreiterrolle gewann. 1940, nach der Trennung vom Schriftsteller Joseph Roth, kehrt sie mit falschen Papieren nach Deutschland zurück, wo sie unerkannt lebt. Im biederen Literaturbetrieb der Nachkriegszeit kann sie nicht mehr an die Erfolge ihrer ersten Bücher anknüpfen, bis ihre Romane Ende der siebziger Jahre von einem breiten Publikum wiederentdeckt werden. Irmgard Keun stirbt 1982.

Dienstag, 3. November, 19:00 Uhr
Zentralbibliothek, Am Wall 201 – Wall-SaalDie Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Wall-Saal der Zentralbibliothek, Am Wall 201. BesucherInnen werden gebeten, den Zugang Am Wall zu benutzen. Der Eintritt beträgt 5€ (3€ erm.).

Weiterer Termin
Dienstag 1.12., 19 Uhr: Mela Hartwig (* 1893 in Wien, † 1967 in London) – gelesen von Nadine Geyersbach

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