Wussten Sie schon, dass …

Gewalt in der Pflege, Alte Frau sitzt alleine vor einem Fenster

(c) fotolia; De Visu

… es in Großbritannien seit 2018 im Ressort der Ministerin für Sport und Zivilgesellschaft auch den Bereich „lonliness“ („Einsamkeit“) gibt?

Grossbritannien

Ausgangspunkt für die Platzierung des Themas in einem Regierungsressort war ein Bericht der Jo Cox Commission on Loneliness“ (benannt zur Erinnerung an die im Juni 2016 ermordete Joanne Cox, Mitglied der Labour Partei), die 2017 einen Bericht zum Kampf gegen die Einsamkeit im Vereinigten Königreich veröffentlichte. Der Abschlussbericht dieser Kommission vom Ende 2017  enthielt drei Empfehlungen:

  1. nationale Führung in diesem Thema mit der Verankerung im Bereich eines ministerialen Ressorts,
  2. die Messung von Einsamkeit und Entwicklung eines nationalen Indikators sowie
  3. einen jährlichen Bericht zum Status und eine Finanzierung von unspezifizierten Initiativen im Königreich.

Als Reaktion auf diese Empfehlungen wurde unter Premierministerin Theresa May im Jahr 2018 das Ressort des Ministeriums für Sport und Zivilgesellschaft unter Miriam Davies um den Punkt `Einsamkeit´ erweitert. Unter Premierminister Boris Johnson ist das Ressort unter „Zivilgesellschaft und Einsamkeit“ neu aufgeteilt worden. Es gibt neben dieser Initiative sicherlich wenige Handlungsfelder, die man in letzter Zeit bei den Briten zur Nachahmung abgucken konnte und das der Ministerin für diesen Teil ihrer Aufgaben zur Verfügung stehende Budget war eher gering. Aber die dort verorteten Probleme bestehen, auch bei uns! Das Thema betrifft alle Altergruppen, jung und alt und alle sozialen Gruppierungen.

Deutschland

Die so genannte Einsamkeitsquote bei 45- bis 84-jährigen Deutschen stieg laut Bundesregierung in den sechs Jahren von 2011 bis 2017 um 15 Prozent. Im Jahr 2017 fühlten sich 9,2 Prozent der Menschen der Altersgruppe der 45- bis 84-Jährigen einsam, heißt es in einem Papier der Bundesregierung unter Berufung auf das Deutsche Zentrum für Altersfragen. Einsamkeit beeinflusst das Auftreten und den Verlauf chronischer Krankheiten ungünstig. So zeigten sich Zusammenhänge für Bluthochdruck und andere wichtige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen sowie psychische Erkrankungen und Demenz, somit besteht eine besondere Gefährdung für ältere Menschen.

Einsamkeit auch bei älteren Menschen

Einsamkeit ist kein Altersphänomen, die Älteren haben jedoch am meisten Probleme mit Einsamkeit. Ab 86, wenn körperliche Gebrechen und der Tod von Wegbegleitern oft Realität sind, klagt jeder Fünfte darüber. Eine Strategie zur Bekämpfung der Einsamkeit verlangt deshalb der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann. Dazu gehörten innovative Wohn- und Mobilitätskonzepte sowie die Förderung von Gesundheits-kompetenz. Die Bundesregierung verweist unter anderem auf das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus, für das bis 2020 jährlich 17,5 Millionen Euro bereitstünden. Insgesamt gebe es in Deutschland rund 540 Mehrgenerationenhäuser, von denen rund 250 gezielte Angebote für einsame Menschen aus allen Altersgruppen machten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördere im Rahmen der „Integrierten ländlichen Entwicklung“ etwa Gemeinschaftseinrichtungen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte bereits Anfang Mai  dieses Jahres einen Regierungsbeauftragten gefordert, der sich um das Problem anhaltender Einsamkeit in der Gesellschaft kümmert. Nach Angaben der FDP gehen auch Japan, Dänemark und Australien gezielt gegen Einsamkeit vor.

Bremen

Auf der regionalen Ebene Bremens sind dazu keine Erkenntnisse bekannt. Bekannt ist jedoch, siehe oben, dass es sich um ein Phänomen mit zunehmender Tendenz handelt, in Großbritannien, in Deutschland, sicher auch in Bremen. Eine überschaubare Kommune, in der an vielen Stellen unterstützt oder auf privater Initiative viel getan wird für die älteren Menschen, die sich in den vorhandenen regionalen sozialen Kontakten bewegen. Aber dann: Gibt man im Internet die Stichworte „Einsamkeit“ und „Bremen“ ein, dann folgt an erster Stelle der Hinweis auf unseren „SeniorenLotsen Bremen, Bremer Senior*innen schreiben für Bremer Senior*innen…“ Wie können wir dem Thema und den bei uns Hilfe suchenden älteren Menschen gerecht werden? Wir müssen das Thema weiter verfolgen! Im Anschluss können Sie sich ein „Erklär-Video“ ansehen aus der preisgekrönten  Reihe „Dinge erklärt – Kurzgesagt“ , das sich mit dem Thema befasst.

Dr. Dirk Mittermeier

Quelle: Social Media, YouTube, „Dinge erklärt – Kurz gesagt“, Erklär-Videos

  2 comments for “Wussten Sie schon, dass …

  1. Herr Schmidtmann Dirk sagt:

    Danke, mal wieder ein interessanter Artikel zu einem wichtigen Thema. In diesem Zusammenhang möchte ich für Bremen auf das Projekt ‚Aufsuchende Altenarbeit Hausbesuche‘ (AAH) hinweisen. Dieses Projekt der Senatorin für Soziales gibt es seit über 10 Jahren in unserer Stadt. Es soll die soziale Teilhabe Älterer Menschen sicher und ein Abgleiten in Isolation und Einsamkeit entgegen wirken. Bei diesem bundesweitem Leuchtturm-Projekt ist die Bremer Seniorenvertretung mit Frau K. Fricke von beginn an im wissenschaftlichen Projekt-Beirat vertreten. Das AAH-Projekt gibt es mittlerweile in sechs Gebieten in unserer Stadt und es wird kontinuierlich weiter entwickelt. Der wichtige Kampf für soziale Teilhabe und gegen die Einsamkeit wird somit in Bremen seit über 10 Jahren bereits von der Senatorin Stahmann geführt.
    Weiter möchte ich in diesem Zusammenhang auch auf die Vereine und Kirchen Gemeinden in unserer Stadt hinweisen auch sie sind ein sehr wichtiger Teil zur Lösung dieser gesellschaftlichen Aufgabe.

  2. Ellen sagt:

    Obwohl es schon im Artikel erwähnt ist, möchte ich noch mal hervorheben: Soziale Kontakte sind eine wichtige Komponente vor allem gegen Demenz. Das ständige Alleinsein lässt alle Fähigkeiten zum Miteinander verkümmern.

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