Buchbesprechung: Das lustige Leben der Hundertjährigen

(c)Elfie Siegel

Der Journalist Klaus Brinkbäumer und die Journalistin Samiha Shafy haben  Hundertjährige in der ganzen Welt über ihr Leben interviewt. Sie haben ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: „Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben“. Der Inhalt hält nicht was der Titel verspricht. Das hohe Alter scheint keineswegs lustig, ungebremst und glücklich zu sein….

Viele fühlen sich allein

Die zitierten Aussagen der Hochaltrigen widersprechen  der frohen Botschaft im Titel. Sie fühlen sich eher niedergedrückt. Der Partner oder die Partnerin sind verstorben. Freunde leben auch nicht mehr. Einer sagt: „Es werden weniger und weniger Menschen und mehr und mehr Beerdigungen.“ Der gleiche Alte sagt: „Ich bin ängstlicher, trauriger, depressiver als früher.“ Und eine alte amerikanische Lady klagt: „Es ist traurig nicht mehr mit Menschen meines Alters reden zu können“.  Bei über Hundertjährigen ist es gar nicht selten, dass sie den Tod ihrer auch schon alten Kinder erleben müssen.

Wie gesund sind die Langlebigen?

Der Altersforscher Christian Rott vom Institut für Gerontologie in Heidelberg wird von den Verfassern zitiert: „Die meisten Über-Hundertjährigen sind gesundheitlich so eingeschränkt, dass man sich wundert, dass sie überhaupt noch am Leben sind“.  Er führt weiter aus: Nur ein Drittel kann selbständig laufen, und das auch nur sehr langsam. Zwei Drittel haben eine Pflegestufe. Nur die Hälfte schafft den Gang zur Toilette ohne Hilfe. Und nur jeder Zehnte der Uralten kann alleine duschen. Aber: Die Alten seien relativ zufrieden mit ihrem Leben. Das hänge wohl damit zusammen, dass das „Gehirn …meist viel besser erhalten (bleibt) als Muskeln und Knochen“. Die Hälfte der Teilnehmer einer zweiten Studie sei geistig vollkommen fit. Das seien zehn Prozent mehr als bei der ersten Befragung.

Forscher suchen das Lebensgen

Unter anderem an der Boston University werden die Gene der Superalten untersucht. Welche Komponenten sind wichtig für ein langes gesundes Leben?  Die Forscher versuchen, die „Langlebigkeitsgene“ zu identifizieren. In einem nächsten Schritt wollen sie die Prozesse  untersuchen, die durch die Gene ausgelöst werden. Dann könnten Wirkstoffe entwickelt werden, „… die den gleichen Effekt haben“. Das würde bedeuten, dass wir irgendwann Medikamente schlucken können, auch wenn wir nicht die richtigen Gene haben. Und wir könnten mehr als einhundert Jahre alt werden. Wollen wir das?

Was ist wichtig für ein gutes Leben?

Die meisten Frauen bedauern, dass sie keine gute Schulbildung bekommen und keinen Beruf lernen durften. Eine Hundertjährige: „Wenn ich nochmals jung wäre und das Geld hätte, würde ich viel lernen.“ Eine ostdeutsche Buchhändlerin, die noch mit 96 Jahren ihren eigenen Buchladen betreibt, wird mit ihrer „Weisheit des Alters“ zitiert: „Versuchen Sie zufrieden zu sein. Nutzen Sie Ihre Chancen, aber seien Sie niemals zu ehrgeizig. Ehrgeiz macht krank. Und pflegen Sie Freundschaften. Freundschaft ist eine gemeinsame Erinnerung.“ Ein 107jähjriger New Yorker: „Ich bin gut zu den Menschen, ich trage ihnen nichts nach…“ Und immer wieder sagen die Alten, dass Kontakte, Freundlichkeit zu den Mitmenschen und eine Aufgabe  wichtig seien.

Klaus Brinkbäumer, Samiha Shafy: Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben, Die Weisheit der Hundertjährigen, Eine Weltreise, Frankfurt a.M. 2. Auflage September 2019, 446 Seiten, 22 Euro

Elfie Siegel

  2 comments for “Buchbesprechung: Das lustige Leben der Hundertjährigen

  1. Elfie Siegel
    25. November 2019 at 9:55 am

    Hierzu passt auch die Titelgeschichte des zurzeit aktuellen Spiegels: „Sterben? Ohne mich! Forscher können erstmals das Altern aufhalten – und sogar umkehren“……

  2. Elfie Siegel
    25. November 2019 at 10:37 am

    Und noch ein Hinweis:
    Bis zum 21. Dezember gibt es eine Porträt-Ausstellung über hundertjährige Bremerinnen und Bremer im Kapitel 8, Informationszentrum der Bremischen Evangelischen Kirche, Domsheide 8 (Montag bis Freitag 11 bis 17 Uhr, Sonnabend 11 bis 14 Uhr). Die Idee dazu hatte Angela Bauriedl, Veranstaltungsmanagerin der DKV-Residenz in der Contrescarpe. Der Fotograf Fritz Haase und die Zeichnerin Sibylle Haase-Knels haben die alten Menschen porträtiert. Eine sehr schöne kostenlose Broschüre zu dieser Ausstellung mit dem Titel „100 Lebensjahre“ hat Henning Scherf gesponsert.

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