Informieren, Fragen, Beschweren

Ein Jahr „klartext-nahrungsergänzung.de“ der Verbraucherzentralen zeigt vor allem eines: Es gibt großen Informationsbedarf zu Nahrungsergänzungsmitteln, viele Beschwerden über Internetshops und falsche Versprechungen bei Mitteln gegen Gelenk- oder Muskelbeschwerden.

Nahrungsergänzungsmitteln, Logo in rot/ weiß

(c) verbraucherzentrale bremen

Weit über eine halbe Million Ratsuchende nutzten den Internetauftritt Klartext-Nahrungsergänzung der Verbraucherzentralen seit dem Onlinestart im Januar 2017. Die Verbraucheranfragen zeigen: Hauptärgernis sind die vollmundigen Werbeversprechen bei vielen Nahrungsergänzungsmitteln, insbesondere bei Produkten, die in Online-Shops oder Direktvertrieb angeboten werden. Häufig entsprechen sie nicht den Tatsachen. Zwei neue Videos der Verbraucherzentralen räumen jetzt am Beispiel von Gelenkmitteln, Sportler- und Anti-Aging-Produkten mit typischen Irrtümern über den Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln auf. Die Kurzfilme waren erstmals Mitte Januar auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin am Stand der Verbraucherzentralen zu sehen sein.

Direktvertrieb und Internethandel im Fokus

„Die Auswertung der rund 650 Fragen und Beschwerden an Klartext-Nahrungsergänzung zeigt, dass bei den Nutzern vermehrter Informationsbedarf zu Produkten aus Direktvertrieb und Internet besteht“, so Gertraud Huisinga, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bremen. Häufig werden Nahrungsergänzungen auch im Direktvertrieb, oft von Freunden, Verwandten und Bekannten, zuhause angeboten. „In dieser Situation ist es sehr schwierig, die angebotenen Produkte abzulehnen“, so Huisinga weiter. Mündliche Werbeaussagen und Empfehlungen der selbstständigen Verkäuferinnen und Verkäufer, bei denen es sich oftmals um Laien handelt, sind von den zuständigen Behörden kaum überprüfbar. Darüber hinaus sind Hinweise und Beschwerden zu Internetshops häufig. „Es gibt bereits Untersuchungen und Warnungen zu riskanten Mitteln mit gefährlichen, teils illegalen Zutaten wie Schlankheitskapseln mit Sibutramin oder zu unseriösen Vertriebswegen wie Abo-Fallen“ warnt Huisinga.

Heilende Wirkungen nicht belegt

Ein Drittel der Verbraucherinnen und Verbraucher erwartet aufgrund der Werbung und Aufmachung vieler Nahrungsergänzungsmittel, dass die Produkte krankheitslindernde oder heilende Wirkungen bieten. „Dabei sollen sie lediglich eine unzureichende Versorgung mit Nährstoffen ausgleichen. Besonders bei Mitteln gegen Gelenk- oder Muskelbeschwerden versprechen die Hersteller oft mehr als wissenschaftlich belegt ist“, erläutert Huisinga. Auch in puncto Wirkversprechen fallen Online-Shops und Direktvertreiber negativ auf. Das zeigen auch die Marktchecks der Verbraucherzentralen zu Magnesiumprodukten und zu Gelenkmitteln auf „Klartext Nahrungsergänzung“.

Werbung und Wirklichkeit – neue Videos und Informationen auf der IGW

Werbung und Wirklichkeit von Nahrungsergänzungsmitteln sind auch Thema am Stand der Verbraucherzentralen in Halle 23 a auf der Internationalen Grünen Woche IGW in Berlin vom 19.01.-28.01.2018. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, sich zu informieren, ihr Wissen am Quizrad zu testen und sich die beiden neuen Videos der Verbraucherzentralen anzuschauen. Diese zeigen in kurzweiligen Storys, was von typischen Werbeversprechen mancher Versandhändler und Internetanbieter zu halten ist und wie Alternativen zu Gelenkmitteln, Sportler- und Anti-Aging-Produkten aussehen.

Die Verbraucherzentralen fordern vom Gesetzgeber und von den Überwachungsbehörden, die Sicherheit und Kennzeichnung zu verbessern und den Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln stärker zu kontrollieren.

Download Positionspapier der Verbraucherzentralen und des vzbv zu Klartext-Nahrungsergänzung

Download Faktenblatt „Ein Jahr Internetangebot Klartext-Nahrungsergänzung“

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