Altersarmut ist weiblich

Laptop und Schnuller

(c) barckhausen

“ Altersarmut trifft vor allem Frauen, und das wird sich nicht ändern, wenn nicht mehr für Vereinbarkeit von Beruf und Familie und für Erwerbschancen von Frauen getan wird und das Rentensystem gründlich frauenfreundlicher gestaltet wird“, erklärte Andrea Quick, Referentin für Arbeit und Wirtschaft bei der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) anlässlich des „Equal Pension Day“ am vierten August, der auf den Rentenunterschied zwischen Männern und Frauen aufmerksam machte.

Nach einer im Frühjahr veröffentlichten Studie der Hans-Böckler-Stiftung bekommen Frauen 57 Prozent weniger Altersbezüge als Männer. „Dass Frauen viel öfter in Teilzeit, im Minijob und ohnehin in den schlechter bezahlten Branchen arbeiten, ist hier ebenso Ursache wie die häufigeren Erwerbsunterbrechungen von Frauen wegen Familie oder Pflege“, so Andrea Quick zu den Gründen für die hohe Lücke, „und neueste Zahlen weisen gerade für Bremen eine ungute Entwicklung auf: Zwar steigen die Beschäftigtenzahlen, aber vor allem im Teilzeit- und Minijob-Bereich, nicht bei den Vollzeitstellen.“

Altersarmut, Miniatur-Hausfrau fegt Reiskörner zusammen

(c) priv. Christel Schütte

Altersversorgung von Frauen in Deutschland um 57 Prozent geringer

Die ZGF-Referentin bezieht sich damit auch auf die am 02.08.2016 veröffentlichte Studie der Arbeitnehmerkammer zum Einzelhandel als eine der größten Branchen im Land Bremen. Hier ist in den vergangenen neun Jahren zwar ein deutlicher Anstieg der Stellen zu verzeichnen, doch ist gerade bei Frauen die Zahl der Vollzeitstellen zurückgegangen, fast drei Viertel arbeiten in Teilzeit oder im Minijob und wegen der niedrigen Löhne können nur wenige von diesem Einkommen leben. Heute ist der Job im Einzelhandel für Frauen viel seltener ein „Dazuverdienst“ als früher, häufig müssen sie sich und ihre Kinder davon ernähren. „Die Zahlen belegen einmal mehr, dass für viele Frauen in Bremen Altersarmut vorprogrammiert ist“, resümiert Andrea Quick. „Gerade für Frauen, die weite Strecken ihres Erwerbslebens noch vor sich haben, müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass sie ausreichend eigenständige Rentenansprüche aufbauen können. Dazu gehören ausreichende und flexible Kinderbetreuungsangebote, die Anerkennung von Erziehungszeiten durch den Rentenversicherungsträger und familienfreundlichere Arbeitszeiten, damit Frauen nicht immer wieder auf Branchen zurückgeworfen werden, in denen sie zwar flexibel arbeiten können, aber wenig verdienen und niemals eine auskömmliche Rente erwerben werden.“

Der „Equal Pension Day“
Der Aktionstag „Equal Pension Day“ macht auf den Rentenunterschied zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Erstmals ins Leben gerufen hat ihn 2014 der Verband berufstätiger Mütter e.V. (VBM). Während die Altersversorgung von Frauen in Deutschland 57 Prozent weniger beträgt als die der Männer, fokussiert der jährlich im Frühjahr stattfindende „Equal Pay Day“ die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen, die bundesweit aktuell bei 21 Prozent liegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.