Die Taufe

Babyschuhe und Hampelmann

(c) frauenseiten, Laudenbach

Eine Kinderwiege, eine stolze Mutter, ein nobler Vater, ein schönes Fest. Viele Gratulanten zum ersten Kind.

Zwischen Blumen, Sekt und Schnittchen möchte auch die geladene Frau Kühn ihre Glückwünsche aussprechen. Ein Blick mit leicht geneigtem Kopf in Richtung spitzenbesetzter Wiege.

Ein Seufzer: „Ach, wie süß!„
Noch mal ein Seufzer, tief, schon fast einem Schluchzer nahe:
„Aber ein kleiner Affe wäre mir im Moment viel lieber!„

Blitzschnell formierte der hohe Ton des Entsetzen, das Klappen der Münder, die angespannten Körper der Gäste eine schützende Mauer um die junge Mutter. Eisiges Schweigen dokumentierte diese unmögliche Aussage.

Frau Kühn war ausgegrenzt und in peinlicher Not.

„Aber Eleonora!„ Es dauerte etwas, bis sie über die Stimme ihres Mannes erkannte, welchen Irrtum sie in die Welt gesetzt hatte. Sie versuchte ihr Bestes.

„Bei den Affen funktioniert das Familienleben noch total. Ich wünsche es wäre bei uns genau so. Mein Enkel bekommt gerade eine neue Mutter. Der Umzug ist schon geplant. Ich brauche nicht zu helfen, daß macht dann die neue Großmutter vor Ort. Tja, wir werden wohl umdenken müssen. Ich fürchte, das gilt auch für mich.„

Ihre Erklärung beeinträchtigte das Fest nicht mehr. Die Gäste hielten sich mit routinierter Gelassenheit an die Spielregel, das Unglück Dritter nicht all zu nah an sich heran zu lassen, ließen die jungen Eltern noch einmal hochleben und feierten ohne ein weiteres Wort an Eleonora bis in den späten Abend.

Irmtraut Hansemann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.