Im Krieg zerstörtes Tafelservice der Schaffermahlzeit gefunden

Zusammengesetzte Teile eines blau/weißen Tellers

Tellerteil des bis 1940 verwendeten Services von Haus Seefahrt (c) Staatsarchiv Bremen

Im vergangenen Jahr kamen bei Baggerarbeiten im Bereich der Landwehrstraße in Utbremen mit dem Aushub zahlreiche Scherben zutage, die einem aufmerksamen Anwohner auffielen. Es handelte sich um Porzellan und Steingut mit auffälligem Muster. Nach einem Anruf beim Staatsarchiv Bremen konnten die Scherben vom Leiter des Staatsarchivs, Prof. Dr. Konrad Elmshäuser, als wahrscheinlich zum Tafelservice der Schaffermahlzeit des Hauses Seefahrt gehörig zugeordnet werden. Recherchen der vom Staatsarchiv ebenfalls eingeschalteten Landesarchäologie ergaben nach Analyse der Geodaten Gewissheit: Der Bagger hatte das 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stiftungsgebäudes des Hauses Seefahrt, den von 1874-76 errichteten Seefahrtshof an der Lützower Straße, angeschnitten.

Keine intakten Teile gefunden

Teile von Tellern, Vorlegplatten sowie Kisten und Beschlägen waren ans Tageslicht gekommen. Sie gehören offenbar zu dem Service, das für die Tischgedecke der Schaffermahlzeit, die bis 1940 im Seefahrtshof stattfand, benutzt wurde. Komplette Serviceteile konnten dabei leider nicht mehr geborgen werden. Doch lässt sich mit Hilfe der Scherben nun wenigstens ein Eindruck von dem Originalservice gewinnen, das bislang als im Krieg komplett verloren galt. Seine Reste werden vom Staatsarchiv nun dem Haus Seefahrt in Grohn als Alteigentümer übergeben.

Gott segne Bremens Handel

Das alte Service war übrigens ein Bremer Produkt: Es wurde laut Fabrikstempel in der Steingutfabrik Witteborg in Bremen-Farge hergestellt. Das blaue Muster zeigt im Zentrum das noch heute erhaltene Portal des alten Hauses Seefahrt von 1665 mit seiner Inschrift „Aus Freigebigkeit von Kaufleuten und Schiffern“, umrahmt von dem Motto: GOTT SEGNE BREMENS HANDEL UND SCHIFFAHRT. Jahresdaten weisen zudem auf die Herstellungszeit der Serviceteile hin.

Das Geschirr für das seit 1952 bei der Schaffermahlzeit im Rathaus benutzte traditionelle Tischgedeck wurde nach dem Krieg neu angefertigt.

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