Umzug in eine Senioreneinrichtung – Teil4

Der lange Weg der Entscheidung – Zwei Dinge möchte ich noch erwähnen:

Rückmeldungen

Papier, Stift und Kerzenhalter

(c) Seniorenlotse, Elfie Siegel

Nachdem ich ca. 150 Umzugsmeldungen versandt hatte, kam natürlich das Echo, denn längst nicht alle hatten vom Umzug erfahren, der ja ziemlich kurzfristig angelegt war. Tenor der Reaktionen war zu mindestens 60 Prozent: „Du im Altersheim? Schrecklich!“, „Da sind ja nur Alte“ (wohl vergessend, dass ich auch alt bin), „Du gibst Dich und Dein Leben ja völlig auf!“, „Jetzt bist Du nicht mehr frei.“ …die Liste ließe sich noch fortsetzen. Aber in den Antwortbriefen auf meine Umzugsmeldung hin bekam ich auch andere Rückmeldungen. Ein Wort stand nahezu in jedem Brief: Mut. Da hieß es: du bist mutig, das ist ein mutiger Schritt…
Wirklich? Ist es mutig rechtzeitig für sich selbst zu sorgen?

Sicherheit und Angebote

orientalischer Teppich

jetzt wird es gemütlich (c)privat, Walther

Mittlerweile hatte ich einige dieser Unkenrufer hier, in meiner neuen Wohnung. Fast alle sind stark beeindruckt. Es ist nicht nur die traumhaft gelegene und geschnittene Wohnung, sondern auch das Ambiente. Und damit ist nicht nur der Park rund um das Haus gemeint, es sind auch die vielen Angebote im Haus. Da sind Salon, Bibliothek, Cafe, Restaurant, Fitnessraum und mehr vorhanden. Es gibt auch rund um die Uhr medizinische und pflegerische Versorgung für den Fall der Fälle. Und das kulturelle Angebot im Hause reicht vom Kunstsalon über Musik und Literatur bis zu Philosophie und vielem anderen.

Eingebunden

Und die Aussage: es sind ja nur Alte dort? Die stimmt zwar rein rechnerisch vom Alter her…aber mein Fazit ist: man kann nicht früh genug diesen Schritt vollziehen. Allein der Umzug ist eine Tortur, die ich in fünf Jahren nicht mehr bewältigen möchte.
Und: da ich mich täglich einmal in eine Liste eintragen muss, damit eine soziale Kontrolle stattfindet, habe ich das Gefühl, eben nicht alleine zu sein. Gleichwohl habe aber ich meine Ruhe, wenn ich sie denn möchte. Ich lebe alle meine Aussenaktivitäten weiter und habe Besuche hier. Ich muss mich nicht um Zeitung und Post kümmern, wenn ich verreist bin und habe jederzeit die Möglichkeit, alle Mahlzeiten ohne Voranmeldung im Restaurant einzunehmen. Das funktioniert übrigens auch mit Besuchern, die ebenfalls willkommen sind.
Und ich genieße es auch, wenn ich abends später heimkomme, dass stets noch jemand im Büro ist. So manches Mal ergibt sich ein schönes Schwätzchen. Das hatte ich die vergangenen 30 Jahre nie, wenn ich heimkam.

Qualität hat ihren Preis…

Blumen in einer Vase

angekommen (c)privat, Walther

Mit diesem kleinen Bericht möchte ich allen Mut machen, doch den Schritt zu wagen. Man/frau gibt nichts von der Eigenständigkeit auf. Ganz sicher nicht.
Es herrscht meines Erachtens immer noch die Meinung vor: Altersheim ist schrecklich, da sitzen die Alten im Flur vor dem Fernseher, da ist man allein, da wird man bevormundet. Vielleicht war das ja einmal…aber ich denke, es gibt jetzt eine neue Generation „Alter“, die genau weiß, was sie will und möchte – und dem wird auch Rechnung getragen.
Eines ist mir allerdings klar: es gibt auch andere Orte. Ich lebe hier in einem besonders guten Hause – in jeder Hinsicht. Und das hat seinen Preis.

..und das Verhältnis zu den Kindern

Etwas ganz Wichtiges füge ich noch an: durch diesen Schritt befreite ich auch meine Kinder von dem Gedanken: wie kommt Ma zurecht! Nicht, dass ich schwächelte, aber irgendwann kommt das ja, und dann wissen sie mich in guten Händen. Das Miteinander in der heutigen Zeit ist zwischen den Generationen eben anders geworden. Die jungen Leute stehen mitten im Leben und arbeiten viel, wo ist da Zeit für das Kümmern um die Oldies? Das geht nicht mehr zusammen. Zudem wollte ich nie mit den Kindern zusammenleben, so gut wir uns auch verstehen. Oder vielleicht gerade deshalb.

Gisela Walther

  2 comments for “Umzug in eine Senioreneinrichtung – Teil4

  1. Kai Windhorst
    23. Mai 2017 at 9:10 am

    Hallo Frau Siegel,

    ich bin auf der Suche einer angenehmen Unterkunft für meine Mutter die geistig aktiv ist und bleiben möchte aber leicht gehandicapt ist. Ihr Bericht hat uns die Hoffnung gegeben, dass – wie Sie selbst sagen – die negative Einschätzung zum Thema „Altersheim“ (welche Ausprägung auch immer darunter zu verstehen ist) nicht immer zutreffen muss. Gerne würde ich mich mit Ihnen einmal austauschen wollen, sofern dies für Sie o.k. wäre. Bitte melden Sie sich zwecks späterer Kontaktaufnahme auf welche Art und Weise Sie es wünschen (Mail;Telefon ?)

    Viele Grüße und Dank im voraus

    Kai W.

  2. Freiwillige
    23. Mai 2017 at 9:31 am

    Hallo Herr Windhorst,
    vielen Dank für Ihre Nachricht. Die Autorin des Textes ist Frau Walther. Wir werden ihr gerne Ihre Anfrage zukommen lassen.
    Viele Grüße aus der Redaktion

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