Altersarmut hat viele Gesichter

Skulptur, Mann und Frau, mit Aufschrifft "Geldproblem"

(c)A. Behnk

Ist es so, dass man vor Weihnachten besonders sensibel wahrnimmt, wenn in der Stadt alte Menschen in Abfallbehältern nach Pfandflaschen suchen? (Was ist eigentlich aus den Halterungen geworden, die die Möglichkeit boten, Pfandflaschen am Rand von Abfallbehältern sichtbar und erreichbar abzustellen?) Fast 20% der Menschen über 65 Jahre sind als arm zu bezeichnen. Altersarmut ist kein Problem von morgen, Altersarmut ist mitten unter uns!

Aktuelle Stunde im Bundestag

Der Bundestag hat sich in einer aktuellen Stunde am 11. Dezember auf Antrag der Fraktion „Die Linke“ mit dem Thema Altersarmut in Deutschland beschäftigt. Hintergrund war dabei eine Information des Dacherbands der knapp 1000 „Tafeln“ in Deutschland, die für die Inanspruchnahme eine Zunahme von älteren Menschen und Rentnern zu verzeichnen hatten. Von den bundesweit 1,65 Millionen Menschen, die sich bei den Tafeln einfinden, wird dabei ein Anteil von über 430.000 der Altersgruppe der Rentner*innen zugeordnet, dabei sei eine Zunahme um 20% zu verzeichnen.

Altersarmut

Ob Zahlen der Teilnahme an den Tafeln repräsentativ ein Armutsbild bei älteren Menschen wiedergeben ist sicher strittig. Fakt ist aber, dass aus einer vermehrten Inanspruchnahme durch ältere Menschen grundsätzlich auf eine zunehmende Altersarmut geschlossen werden kann. Wo liegen die Ursachen? Altersarmut war und ist ein besonderes Problem von Frauen. Die Ursachen liegen in den Erwerbsbiografien. Häufig ist eine unterbrochene Berufstätigkeit, sind Tätigkeiten im Niedriglohnsektor der Hintergrund. Maßnahmen, die bereits im Erwerbsleben gegensteuern könnten wäre die Erhöhung des Mindestlohns, die Förderung von Zusatzrenten- oder betrieblichen Rentenmodellen, Regelungen bei der Berechnung zusätzlicher Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen, Tarifbindung, Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und am Ende eine funktionierende ausreichende Grundrentenregelung. Ein großer Anteil derjenigen Alten, die Zulagen zur Grundsicherung erhalten könnten, realisieren diese jedoch nicht, geschätzt sind das über 60%. Hintergrund sind Unkenntnis, Scham oder Stolz, auch die Angst davor, dass die Kinder unter Umständen finanziell in die Pflicht genommen werden. Hier ist sicher ein Umdenken und Umlenken erforderlich: Der Sozialstaat sollte hier als Partner auftreten. Der alte Mensch sollte hier ein Recht geltend machen und nicht als Bittsteller auftreten müssen. Wünschenswert wäre hier ein Kontakt auf Augenhöhe.

Grundsicherung

Ältere Menschen, bei denen die Rente nicht reicht, um die Miete, die GEZ-Gebühren, den Lebensunterhalt zu bezahlen, haben die Möglichkeit, ihre Rente zur Grundsicherung aufzustocken. Die beträgt im Durchschnitt 809€, circa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland beziehen Zuschüsse zur Grundsicherung.

Die Tafeln

Das große ehrenamtliche Engagement von circa 60.000 Helferinnen und Helfern bei den Tafeln wurde von den Sprechern aller Parteien hervorgehoben. Nicht nur die Verteilung von Lebensmitteln, auch das Gemeinschaftserlebnis, der soziale Kontakt spielte dabei eine positive Rolle. So unterstützen 47 Prozent der Tafeln ihre Kundinnen und Kunden auch mit Beratung und Weiterbildungen, entweder direkt oder durch Weitervermittlung in andere Angebote. Die Tafeln sind ein Sinnbild des Missverhältnisses zwischen Überfluss und Mangel, Reichtum und Armut in unserer Gesellschaft. Eine Rednerin im Bundestag wünschte sich, dass die Menschen zur Tafel gehen sollten, um Lebensmittel zu retten, nach dem Motto der Tafeln: „Lebensmittel retten. Menschen helfen“.

Dr. Dirk Mittermeier

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