Begegnungen…

am 12. Oktober 2018 auf Mallorca

Heute ist spanischer Nationalfeiertag, „dia de la Hispanidad.“ Am 12. Oktober 1492 erreichten die drei Karavellen unter Führung des spanischen Nationalhelden Christoph Kolumbus vermeintlich die indische Küste, meldeten „Land in Sicht!“ und entdeckten die neue Welt. Für die Touristen auf Mallorca ein Freitag wie jeder andere, Restaurants und Supermärkte sind geöffnet. Es ist geflaggt, doch die Nationalflaggen wehen auf halbmast.

Die Chaos-Nacht von Mallorca

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ging ein verheerendes Unwetter auf der Baleareninsel nieder, ausgetrocknete Flussläufe wurden zu reissenden Strömen, überfluteten Häuser, Strassen wurden zu tödlichen Fallen, das Wasser, teilweise 230-270l pro Quadratmeter riss alles mit, was sich ihm in den Weg stellte. Schlamm und Geröll, Autos und Bäume. Die Tage danach mit Windstille und strahlendem Sonnenschein täuschten darüber hinweg, was sich abgespielt hatte: Das Unwetter forderte bisher 12 Todesopfer, ein fünfjähriger Junge gilt noch immer als vermisst. Die Menschen sind geschockt.

Manacor

Es ist eine kleine Bar in Manacor, fast als solche nicht erkennbar, in der ich Tomeo und Miguel treffe, zwei alte Malloquiner. Es sind überwiegend ältere Männer, die hier draußen und drinnen stehen und sitzen und über die Ereignisse debattieren. Tomeo und Miguel erinnern sich an das grosse Unwetter von 1989, das damals besonders Manacor heimsuchte. Nein, ein Foto wollen sie nicht von sich machen lassen. Ich soll berichten, dass hier alles wieder seinen geregelten Gang geht, damit die Touristen nicht verschreckt werden. Sie äussern sich stolz über Rafael Nadal, den Tennisspieler, den Mallorquiner aus Manacor, der viele soziale Projekte auf der Insel und besonders hier in Manacor unterstützt. Gestern im Fernsehen war er zu sehen mit Gummistiefeln bei den Aufräumarbeiten in Sant Llorec des Cardassar, dem Zentrum der Verwüstung. Er ist einer von ihnen!

Im Radio wird berichtet über die Welle der Hilfsbereitschaft nach der Chaos-Nacht, auch Touristen haben Hilfe geleistet. Tomeo und Miguel sagen, dass so etwas ja nur alle 100 Jahre passiert, dann seien sie ja beim nächsten Mal nicht mehr dabei!

Dr. Dirk Mittermeier

  1 comment for “Begegnungen…

  1. Herr Schmidtmann Dirk
    13. Oktober 2018 at 1:28 pm

    Danke, für den authentischen Vorort-Bericht.

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