Demenz – es muß nicht das Ende sein

Beobachtungen vom Demenzkongress in Hannover.

Demenzpatienten Die Buchstaben " Demenz " in einer Hand

(c) fotolia; JSB31

Nach vielen Jahrzehnten der Arbeit ist die Freude nach Erreichen des Rentenalters groß. Es gibt viele Pläne – endlich wird man die Zeit haben, seine Träume zu verwirklichen. Reisen steht ganz oben auf der Agenda und ganz wichtig ist auch … ja, was war denn da noch? Plötzlich kann man sich gar nicht mehr erinnern. So oder ähnlich beginnen die Symptome einer Krankheit, die inzwischen eine Volkskrankheit ist: Demenz.

Zur Zeit gibt es etwa 1,6 Millionen registrierte erkrankte Menschen, bis 2050 werden es wohl 3 Millionen sein. Inzwischen geht man von einer jährlichen Steigerungsrate von 40.000 neuen Patienten aus. Demenz ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht heilbar, und auch nur wenige Medikamente zeigen temporär eine positive Wirkung. So lautet die Einschätzung von Prof. Elmar Gräßel von der Universität Erlangen/Nürnberg zum Thema Demenz.

Gruppentherapie für Demenzpatienten

Zwei Hände halten eine andere Hand

frauenseiten. © robers

Bisher heißt die Wirksamkeit von Medikamenten bei Demenz: Aufhalten, dass es nicht schlechter wird! Bislang gilt dies nur für bestenfalls 6 Monate und das auch nur für 25 Prozent der Betroffenen. Prof. Gräßel setzt vielmehr auf die nicht medikamentöse Gruppentherapie. Hier werden alltagstaugliche Fähigkeiten aus dem Langzeitgedächtnis für leichte und mittelschwere Erkrankte wieder aktiviert.

Etwa 70 Prozent der schweren Demenzpatienten werden in häuslicher Umgebung und zum großen Teil auch von Angehörigen gepflegt. Eine schwierige Aufgabe, die oftmals schwer belastet. Undankbarkeit des Patienten, fehlende Anerkennung und der Verlust von sozialen Kontakten sind die Folge. Dazu kommen mit der Zeit ein herabgesetztes Immunsystem und psychische Probleme. Pflegende Angehörige haben um 35 Prozent mehr Depressionen und um ein 63 Prozent höheres Sterberisiko als der Rest der Bevölkerung, ausgelöst durch hohen mentalen und emotionalen Stress. Doch Abhilfe ist nur möglich durch die Wiederaufnahme von sozialen Kontakten und regelmäßigen Auszeiten.

Pflege kann nur gut funktionieren, wenn es der Pflegekraft gut geht

mann schiebt einen Rollstuhl

(c) frauenseiten, Devrim Sahiner

Neben der Pflege zu Haus und der gut ausgestatteten Infrastruktur der Pflegeheime im kommunalen Bereich haben sich auch private Netzwerke mit der Zielrichtung für leichte und mittelschwere Demenzkranke gebildet. Frau Petra Scholz von der Bremer Heimstiftung stellte mit viel Herzblut und Leidenschaft die Initiative ,,Aktiv mit Demenz“ vor. Auf Anregung der Bremer Heimstiftung haben sich die Träger Sparkasse Bremen, Sparer-Dank und Bremer Heimstiftung zusammengeschlossen. Unter dem Motto „Lebensfreude ist unvergesslich“ setzt sich die Initiative beispielhaft für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen ein. Mit mehreren Netzwerkpartnern zusammen werden die unterschiedlichsten Möglichkeiten für Demenzkranke angeboten. Der bunte Reigen geht zum Beispiel von Yoga, Qigong über Tanzen, Malen bis hin zu Radtouren mit Angehörigen.

Eine Besonderheit stellte Frau Scholz mit dem Begriff Kulturbegleiter/in vor. Hier geht es um Demenzkranke, die nicht mehr allein aus dem Haus gehen. Mit einer Begleitung gemeinsam an einer Veranstaltung teilzunehmen, bringt Abwechslung und Lebensfreude zurück. Es zeigte sich dabei ganz deutlich, dass mit der Demenz noch nicht „alles vorbei ist“. Wichtig für den Patienten ist das „Dabeisein“. Auch mit eingeschränkten kognitiven Eigenschaften ist die emotionale Basis noch vorhanden; denn das Herz wird nicht dement.

Wolfgang Helfst

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