ANNÄHERUNG AN EIN WESENTLICHES BEDÜRFNIS

Berührend

„Von dem Potential von Kunst erzählt diese Ausstellung und berührt – gleichzeitig berühren die Kunstwerke, ohne dass wir sie berühren!

(Dr. Frank Schmidt, Direktor Museen Böttcherstrasse)

 

In Zeiten von „Corona“, in der das Berührungs- und Kontaktverbot schwer wiegt und die Menschen einerseits „geschützt“, Gegenstände desinfiziert werden, Menschen vermummt, „auf Abstand sich begegnen“, ist die Ausstellung „BERÜHREND“, wie sie z.Zt. im Paula Modersohn-Becker Museum in der Böttcherstrasse zu erleben ist, ein Juwel. Ich bin begeistert von der Ausstellung !

 

Kultur und Kunst ist  ERLEBEN und Erlebnis, denn Museen sind meist Orte des Sehens, des Hörens, am wenigsten BERÜHREND in der Doppeldeutigkeit des Titels: um der Nachwelt die Objekte zu erhalten und „Bitte nicht berühren“ ist ironischerweise auch überall zu lesen.

Gerade dem 5. Sinn ( nach sehen, hören, schmecken, riechen), der Bedeutung der Berührung für die Entwicklung des Menschen, des Zusammenlebens und der Gesundheit geht diese Ausstellung verschiedenen Aspekten der „Berührung“ in der bildenden Kunst nach. Fünfundsechzig Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Videos sind unter der Ausstellungsidee zusammengeführt:

Werke vom Mittelalter bis Gegenwart, Gemälde und Skulpturen aus dem Ludwig Roselius Museum, Arbeiten von Bernhard Hoetger, Paula Modersohn-Becker, Leihgaben auch aus Privatbesitz sind zu sehen unter Themenschwerpunkten und Bildstrecken: Erkenntnis, Liebe (Liebesakt, der Kuss, Intimität und liebevolle archaische Hinwendung einer Mutter zum Kind), Beschützen und Fürsorge, Schutz und Wertschätzung, Verletzungen und Grenzüberschrei-tungen, verbotene, ungewollte,  berührungslose und zärtliche Berührungen, erdrückende Nähe und Gegenwehr „komm mir nicht zu nahe“ (Fotos in der U – Bahn Tokio, von Michael Wolf).

Tanzende Paare auf einzelnen Stelen begegnen dem Betrachter  konzeptionell mit dem Gefühl von Isolation und Entfremdung im obersten Saal des Museums und erinnern an die Gegenwart. Die finnische Künstlerin Elina Brotherus ironisiert und „man wird in Corona-Zeiten unwillkürlich an den vorgeschriebenen Abstand von 1,50 Meter erinnert. Nähe und Abstand – gerade der Standardtanz bedingt die Berührung des Partners und Abstand, Berührung und Vereinzelung halten sich in dieser raumgreifenden Arbeit spannungsvoll die Waage“ (S. 70, Magazin).

 

Anstelle eines „klassischen“ Katalogs ist ein begleitendes „Magazin“ erhältlich (12,80 €) mit Essays, Interviews und Beiträgen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Vertretern verschiedener Berufsgruppen und Künstlern.

 

Die Ausstellung ist in der Böttcherstrasse 6 -10, 28196 Bremen

vom 19.09. 2020 – 24-01. 2021

dienstags bis sonntags von 11 – 18 Uhr zu sehen

Tel. 0421 – 33882 -22

www.museen-boettcherstrasse.de

 

Barbara Matuschewski

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