Bericht vom 10. Bremer Palliativkongress

Gender Care Gap Gemälde mit St. Agnes bei einem Kranken (Ausschnitt)

(c) von Bohemian Master of the year 1482 [Public domain], via Wikimedia Commons

Anfang März fand in Bremen unter dem Motto „Alles hat seine Zeit“ der 10. Bremer Palliativkongress statt. Ein wichtiges Thema im Rahmen zahlreicher Vorträge zur Palliativmedizin war auch deren zukünftige Entwicklung in Bremen. Die Bremer Seniorenvertretung setzt sich schon lange dafür ein, dass neben den vorhandenen stationären und ambulanten palliativme-dizinischen Einrichtungen möglichst an allen Krankenhäusern Palliativmediziner/-innen und entsprechend ausgebildete Hilfskräfte eingesetzt werden, damit sterbenskranke Menschen jederzeit qualifiziert versorgt und ihre Angehörigen beraten werden können.

Die moderne Medizin ist in der Lage, dem Leben vieler Menschen mehr Tage zu geben. Es gilt jedoch, den Tagen auch mehr Leben zu geben. Besonders zum Ende des Lebens können die Tage für die Betroffenen oft zu einer unerträglichen Qual werden. Hier ist der Ansatz der Palliativmedizin, die sich in den letzten 20 Jahren stetig fortentwickelt hat. Beim Kongressauftakt in der Glocke wurde gar darüber diskutiert, ob jetzt ein Facharzt für Palliativmedizin, mit dem entsprechend langen Ausbildungsweg, oder eine spezielle Qualifikation im hausärztlichen Bereich den besseren Weg für die Zukunft des Fachgebiets „Palliativmedizin“ darstellt.

Betreuung ohne ökonomischen Zwänge

Zwei Hände halten eine andere Hand

frauenseiten. © robers

In einem bemerkenswerten Festvortrag sprach Prof. Dr. Giovanni Maio aus Freiburg (Lehrstuhl für Medizinethik) zu dem Thema „Eingetaktete Zwischenmenschlichkeit, wie das Effizienzdiktat das palliative Denken auf den Kopf stellt“. Er zeigte deutlich den Widerspruch auf, der zwischen einerseits den in unserem Gesundheitssystem geltenden ökonomischen Zwängen für die Leistungen der Pflege- und Heilberufe, der technokratischen politischen Steuerung, der Bürokratisierungsspirale und den umfangreichen Dokumentations-anforderungen und anderseits einer Sorge-Rationalität besteht, die bei der Begegnung mit den Patienten von Arzt und Pflege Behutsamkeit, Achtsamkeit und Zurückhaltung fordert. Einer Grundhaltung, die sich vergütungstechnischen (Zeit-) Vorgaben weitgehend entzieht, will sie nicht in „Schubladen“-Denken und -Handeln verfallen. Ein Vortrag, der all denen Mut machen sollte, die im ärztlichen oder im pflegerischen Bereich tätig sind, auch den hier häufig anzutreffenden ehrenamtlich Tätigen.

Der letzte der Bremer Kongressreihe

Begonnen hatte alles mit dem 1. Bremer Kongress für Palliativmedizin im Jahre 1998. Der diesjährige 10. Bremer Kongress mit dem Titel „Alles hat seine Zeit“ wird in dieser Form der letzte sein und wird seine Fortsetzung finden in dem Kongress der „Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin“ (DGP) im September 2018 mit dem Titel „Auf breiten Wegen“. Der Standort Bremen wird auch weiterhin besondere Berücksichtigung im Kongressplan finden.

Wie ist nun die aktuelle Lage in Bremen? Mit Stand vom 31.12.2016 verzeichnet die Statistik der Ärztekammer Bremen 77 tätige Ärztinnen/Ärzte mit einer Zusatz-Qualifikation auf dem Gebiet der Palliativmedizin. Davon sind 43 im stationären Bereich und 28 ambulant tätig. Neben dem „Leuchtturmprojekt“ einer Palliativstation mit 12 Betten im „Krankenhaus Links der Weser“ bestehen zwei Palliativdienste für eine „spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ (SAPV).

Dr. Dirk Mittermeier

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