Wie Beifall erhellen kann

Deckenlampe

(c) frauenseiten, Schütte

Neulich fand ich in einer Tageszeitung eine kleine Glosse, in der lustig geschildert wurde, was denn so ein Händeklatschen alles bewirken kann. Das erinnerte mich an ein Erlebnis der ganz besonderen Art in einem kleinen Hotel.

Das war so: Anreise zu einem 40-Jahre-Erinnerungstreffen war für den Nachmittag erbeten. Es war Juni und herrlichstes Wetter und ich bezog kurz nach Mittag mein Zimmer. Schnell die Tasche abgestellt und runter zu den anderen Teilnehmern, die bereits in munterer Zahl anwesend waren. Klar, dass nach 40 Jahren viel erzählt wird, Filme und Dias angeguckt und viele Erinnerungen ausgetauscht wurden.

Es war weit nach Mitternacht, als ich zurück in mein Zimmer kam. Tür aufschließen, eintreten, nach Lichtschalter suchen, das kennen wir alle. Und die Lichtschalter sind ja auch meist gleich neben der Tür. So modern, wie heute in manchen Hotels, dass man an Stalle eines Schlüssels eine Karte hat, die dann im Zimmer auch gleich die Elektrik in Betrieb setzt, war dieses Hotel nicht.

Klatschende Hände

(c) seniorenlotse, Barckhausen

Die Welt ertasten

Also…Schaltersuche links, rechts, wieder links, wieder rechts… nichts. Die kleine Taschenlampe, die bei mir stets im Reisegepäck ist, war ja noch gut verpackt. Was tun? Durchschlagen zum Fenster, denn ich hatte – diesmal ein Glücksfall – ein Zimmer zur Hauptstrasse gehend. Gardine aufziehen, weiter suchen nach Schaltern. Oh, ja, da gab es Leselampen über dem Bett, dort musste doch ein Schalter zu finden sein. Denkste! Da war wirklich der berühmte gute Rat teuer. Es gab keine Rezeption in diesem kleinen Hotel – die Abwicklung der geschäftlichen Seite wurde an der Theke mit erledigt – so konnte ich mir nirgendwo mehr einen Rat holen.

Also im Schummerlicht ins Bett, im Bad alles ertastend erledigen, und dann doch irgendwie schlafen, auch wenn die Gedanken immer noch bei den nicht auffindbaren Lichtschaltern waren. Der nächste Morgen brachte die Lösung. Wie selbstverständlich klärte mich die Dame an der Theke auf: Ach, Sie müssen einfach in die Hände klatschen, dann geht das Licht an!“

Ja, eben „einfach klatschen“… so einfach kann das Leben sein.
Ich weiß jetzt aber, dass ich durch Klatschen nicht nur Künstler erfreuen kann, sondern auch mich selbst, indem ich auf diese Weise ein unbekanntes Umfeld „erhellen“ kann.

Gisela E. Walther

  1 comment for “Wie Beifall erhellen kann

  1. Hedwig
    9. März 2016 at 10:05 am

    So ähnlich geht es mir heutzutage mit den Wasserhähnen in öffentlichen Toiletten. Einfach aufdrehen ist nicht mehr. Mancher Hebel muss nach links, mancher nach rechts und manche müssen nach unten bewegt werden. Manchmal muss gar nichts bewegt werden, nur die Finger müssen an eine bestimmte Stelle gehalten werden. Aber diese Stelle zu finden……

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