Dritter Advent – Gedichte

Dritter Advent – Und wieder zünden wir ein Licht am Adventskranz mit dem lyrischen Kalender von Irmtraut Hansemann an. Freuen wir uns an ihren Gedichten mit den überraschenden Wendungen.

Dritter Advent Kranz mit drei brennenden Kerzen

(c) hhs

Wir öffnen die Türen 13 bis 19

 

Teuflische Sünden

Stolz liebt
falsche Werte.
Auch Habgier
und Geiz
unterliegen
einem starken Reiz.
Wollust
Und Völlerei,
diese Zwei
sind bei jedem
Fest dabei.

Packt mich
dann der Zorn
zähmt mich
die Trägheit
-Teufelei –

 

Advent

Es ist die Zeit der Märchen,
der Lichter und Kerzen,
der braunen, süßen
Lebkuchenherzen,
der Schmuddelmünder,
rot und wund.
Keine Zeit des Jahres
ist so ungesund.
Beim Tauschen bestimmter
Süßigkeiten
konnten wir Kinder trefflich
miteinander streiten.
Doch in Erwartung auf
das ganz große Fest
hielt sich jeder einen Rest.
Den konnte er dann
Weihnachten
verschenken,
ohne sich Böses
dabei zu denken.

Advent, Advent.
die Zeit, sie rennt!
Wo ist denn nur die Muße?
Such`se!

 

Süßes Verlangen

Die Zunge,
ein Teppich aus
Anis und Zimt,
Zucker in jeder Form.
Braune Schokolade,
Mandeln geröstet,
gemahlene Nüsse,
in Alkohol
ertrunkene Rosinen,
bekommt es Ihnen?
Feigen, kandierte Früchte,
Süßes,
Bis es nicht mehr schmeckt.
Dann fordert uns
Die Fastenzeit,
bis dahin bleibt
der Tisch gedeckt.

 

Reste

Weihnachten
in vielen Familien
wird am Heiligen Abend
nicht mehr gekocht,
aber ich habe es
immer gemocht,
mit all den Resten
im Kühlschrank.
Den Kräuterklößchen
Blumenkohlröschen.
Den Speckbrötchen,
frisch aus dem Ofen,
fettig und heiß.
Den süßen Törtchen,
rot oder weiß.
Mit jedem
Generationswechsel
gehen auch solche
Gewohnheiten drauf.
Catering
heißt es heute,
wie reagieren Sie darauf?

 

Im Schrank

Vorweihnachtszeit
Geheimniszeit,
wohin mit den
Geschenken?
Im Schrank,
hinter Laken und Bezügen
verstecke ich sie
mit Vergnügen
Weiß dann aber
nicht mehr,
wo sie liegen.
So suche ich schon
im Planquadrat acht.
Wohl dem, der sein
Gedächtnis noch hat.

 

Ein Fest der Liebe

Viele wissen es schon
Aber es ist an der Zeit,
das auch ich
es jetzt erwähne.
Wir Kinder versteckten
Omas Zähne.
Wir fanden sie
nicht wieder.
Das setzte Hiebe.
So endete
das Fest der Liebe.

 

Geflügeltes

Die Enten im Fluge,
elegante Formation,
das Dumme war nur,
es weihnachtete schon.
Ein Schuß – ein Treffer,
der Hund steht bereit.
In des Jägers Haus
wird der Vogel
von seinen Federn befreit.
Die Köchin in Not,
denn das Federvieh
soll für die ganze Familie reichen.
Da gilt es Äpfel, Orangen
oder Maronen einzuweichen.
Es sind die Äpfel gewählt,
der Duft hat es verraten.
Jetzt ab in die Röhre,
du Festtagsbraten.
Wie in den Jahren vorher
decken die Kinder den Tisch.
Bestecke, Teller, Platten,
auch das Leinen ganz frisch.
Dabei werden wie immer
die alten Lieder gesungen
und die Mutter spielte am Flügel,
das hat sehr schön geklungen.
Dann wird getafelt
in bester Kleidung.
Jeder findet sich wichtig
und erzählt seine Meinung.
Der Jäger sagt:
„Es hat gereicht und
war gar nicht übel, zu Weihnachten essen wir gern
Geflügel.“

Irmtraud Hansemann

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