Harte Arbeit – mit den Enkeln auf dem Bauernhof

Kühe auf dem Bauernhof

(c) Rose Urban

Einen Urlaub auf dem Bauernhof im Allgäu verbrachte unsere Autorin mit den Enkelkindern und entdeckte dabei auch für sich eine ganz neue Welt.

Sanfte Hügel, Seen, grüne Wiesen. Duft nach Gras und Gülle, morgens 6 Uhr die Glocken und der Hahn. Sonst eine Stille, die weh tut, Schlaf wie in Abrahams Schoß. Es fühlte sich an wie in einer anderen Welt, eine heile Welt. Frische Eier jeden Tag, besonders die gute Bio-Milch von gesunden Kühen.

Das neue, unbekannte Erlebnis war der Kuhstall. Mit dem Rad dorthin oder von den Enkeln gefahren – mit dem Go-Kart. Natürlich mit rasender Geschwindigkeit getreten, damit ich mich fürchte! Die Bäuerin kam mit dem Rad. Die Kühe brüllten, denn es war 17 Uhr.

Kuh mit herausgestreckter Zunge

(c) Rose Urban

Die Kinder machten mit mir einen Kuhhandel: ich füttere die Großen, sie die Kleinen. (Zu mir gesprochen: die 6 trächtigen bekommen Heu, die anderen 80 bekommen Silage)

Die „Schwangeren“ schauten mich an, als wenn sie mich bäten: „bitte, füttere uns!“. Das Heu lag als Haufen schon im Stall. Erst das letzte Futter, nicht geschmeckt, wegefegt. Dann mit der Forke das Heu. Die Kühe schauten mit den Köpfen durchs Gitter und fraßen in Sekunden eine Lage weg. Es war Schwerstarbeit, alle Sechs schnell und gleichzeitig zu bedienen. Gierig schmatzten sie schnell, nahmen auch gern mal was weg vom Nachbarn. Dann wurde mit dem Kopf gestoßen.

Kühe Beim Fressen im Stall

(c) Rose Urban

Die anderen Kühe lagen oder standen vor der Milchküche mit vollen Eutern und kauten wieder. Geradezu gelangweilt lagen einige auf dem Zementboden und ließen sich von den Kindern bitten, aufzustehen. Die Stimme der Bäuerin half dabei, die kannte alle.

In die Melkküche passten 12 Kühe, das bedeutete für mich 12 Mal Futter vor das Gitter zu schmeißen, bevor sie kamen.

Wenn alle ausgemolken waren und in einer Reihe im Stall standen, die Köpfe aus dem Gitter und das satte Geräusch des Fressens, war ich stolz auf dieses Bild in dem 40 Meter langen Stall. Nach der ersten Fütterung kam der Bauer mit dem Trecker reingefahren und über ein Fließband schubste der Wagen nochmal Futter aus für die Nacht. Die Kinder fütterten die Kälber mit einem Eimer Kraftfutter. Das war nicht so anstrengend.

Frau verteilt Heu mit Heugabel

(c) Rose Urban

Der größte Spaß für die Kleinen war auf dem Trecker mitzufahren, um neues Futter zu holen. Manchmal durfte auch einer steuern, wenn der Bauer es erlaubte.

Meine Oberarme taten mir weh. Ich stank nach Heu und Kuhmist, ich schwitzte. Ich sprach sogar mit den Kühen, sie hießen alle Luise. Ich bildete mir ein, sie kennen mich schon und warteten auf mich. Ich hatte Freude an der Arbeit, kaputt konnte ich tief schlafen. Aber eine Bäuerin würde ich nie werden. Ich kann wieder in meine andere Welt gehen. Natürlich hatte ich dunkle Kleidung an, die ich später dann in einem geschlossenen Beutel nach Hause brachte. Trotzdem hat es im Koffer nach Stall gerochen.

Frau fütter Kühe mit Heugabel

(c) Rose Urban

Ich musste so alt werden, um das Leben auf dem Bauernhof kennen zu lernen und zu wissen, welch harte Arbeit hinter dem steht, was wir täglich auf dem Tisch haben. Die Milch kommt nicht aus dem Tetrapack.

Am einzigen Regentag habe ich mit den Enkeln Memory gespielt. Es waren „Karten mit Kuhbildern“, ich verlor und war eine „dumme Kuh“.

Rose Urban

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