Was hatten wir für eine schöne Kindheit

Waschzuber, Waschbrett und Wäsche

(c) frauenseiten, Urban

Die meisten Mütter waren zu Hause und den ganzen Tag mit Haus und Garten und den Kindern beschäftigt. Wir badeten als Kleinkinder in der Küche in der Zinkwanne und später als wir größer waren in der Badewanne. Ein Badeofen erwärmte das Wasser. Samstag war Badetag und einer nach dem anderen kam in das gleiche Wasser. Zwischendurch lief ein bisschen warmes Wasser dazu.

Unsere Kinderwagen waren tiefer gelegte Modelle mit viel Chrom aus Korbgeflecht. Wir spielten alle zusammen draußen, und die Mütter saßen dabei und strickten und unterhielten sich. Abends, wenn wir im Bett waren, baute unser Vater uns Drachen. Am besten und stabilsten waren die Sechseck- Drachen. Auf einer Wiese traf sich alles um sie fliegen zu lassen.

Mitte der 50 er Jahre hielt der Fernseher Einzug

Wir sahen Serien wie Rin Tin Tin, Fury, Lassie und die Cartwrights auf ihrer Ponderosa Ranch. An Sonn- und Feiertagen wurde das „Schapptüch“ (gute Zeug) getragen. Wir Mädels liefen dann mit weißen Kniestrümpfen und Lackschuhen und einem besonders schönen Kleid. Da durfte man sich natürlich nicht dreckig machen. So ging es auf den Sonntagsspaziergang. Dort schoben wir unseren Puppenwagen. Unser ganzer Stolz war unsere Babypuppe von Schildkröt. Sie hatte noch aufgemalte Haare.

Blaues Milchkännchen

(c) frauenseiten, Gniesmer

Als wir älter waren, war unser Spielplatz die Straße. Es gab kaum Autos, so dass es nicht gefährlich war. Dort rollerten wir oder fuhren mit unserem Fahrrad, soweit wir eins besaßen. Mit der Milchkanne bewaffnet gingen wir zum Milchmann. Das war der Tante Emma Laden um die Ecke. Manchmal mussten wir auch Sahne kaufen, für den Sonntagskuchen. Da haben wir unterwegs schon mal den Finger rein gesteckt und probiert. Auf den Weihnachtsmann warteten wir Kinder der Straße alle zusammen, auf unseren Schlitten, während die Eltern drinnen den Baum mit viel Silberlametta, echten Kerzen und Wunderkerzen und silbernen Kugeln und Tannenzapfen schmückten. Die Bescherung stand im Vordergrund und danach gab es traditionell Kartoffelsalat und Würstchen.

Eines Tages war es dann soweit und wir durften zur Schule gehen.

Alter Schulranzen

(c) Barckhausen

Mit unseren Lederranzen mit Tafel und Griffel zogen wir los. Auf dem Schulhof mussten wir antreten. Das heißt, wir mussten uns in Zweierreihen aufstellen und wurden von der Lehrerin abgeholt. Wehe, wenn einer sein Pausenbrot wegwarf. Das war strengstens verboten. Manche Jungen bekamen sogar noch Stockhiebe, wenn sie ihre Aufgaben nicht gemacht hatten. Der Nachhauseweg von der Schule war besonders schön. Da wurde geredet und sich verabredet, und man freute sich auf das Mittagessen, das auf dem Tisch stand. Als wir nach der vierten Klasse auf weiterführende Schulen gingen, bekamen wir neue Freunde und unser Umfeld erweiterte sich. Wir gingen in Turnvereine, zum Ballett oder in Schwimmvereine. Nun lernten wir auch mit dem Linienbus zu fahren.

Anfang der Sechziger Jahre kam der Petticoat auf. Den mussten wir Mädchen natürlich haben und trugen ihn mit Stolz. Wir bekamen Taschengeld und wer gerne las, kaufte sich Schneider Bücher. Wir Mädchen lasen Hanni und Nanni und viele andere Bücher von Enid Blyton und die Jungs Karl May. Nachdem wir dem Gummitwist- Alter entwachsen waren, war ein Plattenspieler das Objekt unserer Begierde. Die Beatles, Rolling Stones, und die Hollies waren unsere Favoriten. Über die Leinwand im Kino flimmerte „Helga“, ein Film den man gesehen haben musste. Artig gingen wir zur Tanzstunde und die Röcke wurden immer kürzer. Nun war Twiggi unser Vorbild. So ging unsere Kindheit in die Jugendzeit über. Es gab den ersten Kuss, die Pille, und man ging in die Lehre oder ins Studium.

Schön war die Zeit!!!!!

Gertrud von Hacht

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