Grübelei über ein ausleihbares Werkzeug

Bei meinen Wegen durch die Bremer Innenstadt mit offenem Blick: Es begegnen mir manchmal Dinge, die mich gedanklich derart in Anspruch nehmen, dass ich, im Sinne „gedankenverloren“, der ursprünglichen Absicht meines Weges, im wörtlichen Sinne „verloren“ gehe.

Werbeschild

(c)Dirk Mittermeier

Vor ein paar Tagen stolperte ich über ein auf dem Gehweg aufgestelltes Werbeschild vor einem Geschäft, das diverse motorbetriebene und elektrische Leihgeräte anbietet. Auf diesem Schild wurde dort unter anderem ein sogenannter „Hochentaster“ angeboten. Damit war mir für meinen weiteren Weg durch die Stadt eine schwere gedankliche Aufgabe mitgegeben. Ich hatte allerdings nicht die geringste Vorstellung davon, was das für ein Gerät sein sollte, was man dort und zu welchem Zweck Tasten sollte und was für ein Ding, zum Teufel, ein „Hochen“ ist.

Dank sei dem schlauen Internet, das ich natürlich auch schon an Ort und Stelle auf meinem Smartphone hätte befragen können. Es klärte sich zuhause am Computer alles auf. Es handelt sich um eine kleine Kettensäge, die, an einem langen Stiel befestigt, auch hohe Baumäste absägen kann: Kein „Hochen-Taster“ sondern ein „Hoch-Ent-Aster“ also. Im Hintergrund hörte ich das Getrappel der Pferde der Rasse „Blumento“, die sich in dem schönen deutschen Wort Blumentopferde verstecken.

Fazit: Ich bin schlauer als vorher, amüsiere mich über die Kapriolen, die unsere Sprache manchmal möglich macht und kann jetzt Gärtnern mit der Kenntnis über ein mir ab sofort geläufiges Spezialgerät imponieren. Allerdings haben mich meine Grübeleien beim Gang durch die Bremer Stadt auch die Orientierung verlieren lassen: Ich stand letztlich vor einem Gebäude, dessen Besuch erst für den nächsten Tag vorgesehen war und musste mich sputen, den korrekten Ort meiner Besprechung rechtzeitig zu erreichen.

Dr. Dirk Mittermeier