Das Leben in Zeiten von Covid-19 (22): Corona-Splitter

(c)Dirk Mittermeier

Corona und die Musik

Da die Menschen aufgrund der besonderen Situation geschützt werden sollen, fragt man sich schon, was ein Leben ohne Freude soll. Auch wenn diese brutale Ausnahmesituation irgendwann vorüber sein sollte, darf die Seele nicht eingekerkert verkümmern. Aus diesem Grunde gibt der Gitarrist W. Gratiskonzerte vor diversen Altenheimen, um den Menschen, die nach einem langen arbeitsaufwendigen Familiendasein am Ende ihres eigenen Lebens in der Isolation etwas Freude an offenen Fenstern erfahren dürfen.

Corona und die Toiletten

In diesen Tagen darf der Mensch mit einer schwachen Blase entweder keine Flüssigkeit zu sich nehmen, was sehr ungesund ist, oder er muss sich sehr flink von A nach B bewegen (wenn B einen Toilettenzugang aufweist, sonst schnell wieder zurück auf A).

Corona und die Würde des Menschen

Vor einigen Jahrzehnten las ich das Buch „Der vorbestimmte Tag“ von Sumner Locke Elliott. Eine erschütternde Geschichte, die mir in den letzten Wochen immer wieder ins Gedächtnis gerufen wurde. Vielleicht sollten ALLE POLITIKER DIESER WELT einmal einen Blick in dieses Werk werfen. Danke.

Corona und der Supermarkt

Beim Betreten eines Supermarktes werde ich vom Ordner am Eingang aufgefordert, einen Einkaufswagen zu benutzen. Kein Problem, aber weshalb muss ich, als Kundin, dieses begrabbelte Gerät anfassen und erst an der Tür zum Markt eigenhändig putzen und desinfizieren? Ginge das nicht anders? Zum Beispiel bereits desinfizierte Einkaufswagen vom Ordner an die Kunden zu übergeben? In einem anderen Geschäft teilte mir die Aufsicht mit, dass leider kein Desinfektionsmaterial für die Pflicht-Einkaufskörbe vorhanden sei. Tolle Organisation! Vier junge Männer wollten an einem Ordner vorbeistürmen – ohne Einkaufswagen. Der Ordner bat diese Männer, doch wenigstens für zwei Personen EINEN Einkaufswagen zu nehmen. Was soll in Ordner allein bei solchen Kunden unternehmen?

Corona und die Mode

Auf dem Weg zum Supermarkt begegneten mir in der letzten Woche mehrere „Mannsbilder“, die doch tatsächlich mein Interesse fanden. In den vergangenen Jahren waren superkurze Haarstoppel aktuell gewesen, jedenfalls bei einem Großteil der männlichen Bevölkerung. Individualisten mit einer anderen Haarpracht hatte es immer gegeben. Und jetzt, im April 2020, sehe ich elegant gekleidete Herren mit einer fülligen Frisur, die manch einer Frau den Ausdruck „schick“ entlockt haben könnte.

Gundula Müller-Drefahl  

  2 comments for “Das Leben in Zeiten von Covid-19 (22): Corona-Splitter

  1. Monika Sattelberg sagt:

    Bevor ich Ihren Artikel kommentiere, musste ich mich erst einmal schlau machen über das Buch von Sumner Locke Elliott. Nun habe ich zumindest die kurze Beschreibung gelesen über diese Zukunftsvision und mir hat der Satz:“Niemand kann sich über die alten Leute beklagen, denn – es gibt sie nicht mehr, sie werden kurzerhand eingeschläfert“, zu denken gegeben. Es ist nicht unrealistisch, dass dieser Fall irgendwann eintreten könnte, wo auch immer auf der Welt. Das ist meine Überzeugung. Denn es gibt bereits Politiker, die Ansätze solch einer Denkweise entwickeln. Was die Corona-Krise zutage bringt, ist bemerkenswert, im Positiven wie im Negativen.

    Danke für Ihren Artikel.

  2. Monika Sattelberg sagt:

    Ergänzend möchte ich noch hinzufügen: Eine ganz tolle Idee vom Gitarristen W. Ich kannte derzeit solch Engagement nur von Pflegeheimen im Ausland, wo vor den Heimen musiziert wird. Aber auch Kinder haben sich dort etwas einfallen lassen, um den älteren und einsamen Menschen eine Freude zu machen. Sie malten z.B. mit Kreide auf dem Fussweg vor dem Haus: „Wir haben euch lieb“ , „wir denken an euch“, „wir sehen uns bald wieder“. Vielleicht gab oder gibt es das in Bremen und umzu aber auch und es liegt an mir, dass ich davon nicht gehört habe.

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