Vierte Bremer Armutskonferenz am 5. Februar 2020

Aquarellzeichnung, eine Gruppe Menschen hält sich an den Händen

(c) frauenseiten, Gniesmer

Blick auf die Migranten in den Quartieren

„Die Spaltung der Stadt Bremen“, so hieß das Referat von René Böhme (Universität Bremen), in dem er seinen Blick auf Ungleichheiten in den Stadtteilen, auf dortige  Armut, Einkommen, Sozialleistungen, Bildung, Gesundheit und  politische Teilhabe richtete. Aber, wie verhält es sich mit dem Migrationsstatus in den Stadtteilen? Welche grossen und tiefen Spaltungen gibt es? In welchen Stadtteilen herrscht besonders viel Armut? Wie viele Migranten/Migrantinnen sind von Armut betroffen und auf Sozialleistungen angewiesen?

 

Stadtteile   Bevölk.(2013-2018)   Migranten(2013-2018)  Migr.Qu(2013-2018) Einkommen

Stadt Bremen    548.547- 569.352     162.319 -212.562          29,6% – 37,3%

Oberneuland        12.867 –  13.458        2.294 – 3.162            17,8% – 234%         75.025

Horn-Lehe            15.444 –  26.419        5.848 – 7.893            37,8% – 29,8%        54.600

Schwhausen.       38.185 –  39.161         6.349 – 8.443           16,6% –  21,5%        53.100

Gröpelingen          35.565  – 37.597     15.631 – 20.945          43,9% – 55,7%          17.611

Osterholz              27.420 –  37.754      17.661 – 20.419         64,4% – 54,0 %         24.500

Vahr                      26.667 –  27.168      12.223 – 14.475         45,8% – 53,2%          22.400

 

Sozialleistungen 2013                      Sozialleistungen 2018                     

                     Bevölkerung   Migr.    <15 J.  >50 J.      Bevölkerung  Migr.   <15 J.  >55 J.

 

Stadt Bremen   51.501     20.885  11.232  13.309       78.468      35.240     23.204    8.538

Oberneuland           219         56        28        69                458          229         141         51

Horn-Lehe            1.227       236      185      242            1.236          363          315       166

Schwachhausen   1.026       242      157      304            1.446          630         353        157

Gröpelingen         5.881     3.730   1.546    1.513         11.278        5.543      3.264    1.050

Osterhoz              4.485     2.258   1.276    1.156           6.666        2.803      2.099       690

Vahr                     3.400     1.438      808    1.008           5.039        2.077      1.551       566

 

Armut ist vor allem ein Problem von Migranten, aber sie leiden ebenso unter Arbeitslosigkeit, geringen Renten, sind Alleinerziehende und – ihre Kinder leiden mit.

(Quellen:Statistische Landesamt Bremen 31.12.2013, 31.12.2018, Bundesagentur für Arbeit 31.12. 2018)

Grohn – Grohner Düne

Im zweiten Teil der Konferenz hatten Teilnehmer*innen in Gruppen 17 Quartiere Bremens besucht.  Eine Gruppe war in Grohn, Themen dort waren die Verminderung von Armutsfolgen für Kinder und die Förderung der Gesundheit. Grohn und die Grohner Düne sind ein Ortsteil des Stadtteils Vegesack. Seit 2005 ist der gesamte Ortsteil Grohn Projektgebiet der Sozialen Stadtentwicklungsprogramme „Wohnen in Nachbarschaften“ (WIN). Grohn hat insgesamt 6.274 Einwohner, davon leben ca. 2.000 im Gebäudekomplex Grohner Düne. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Grohn beträgt 54,9%, im Alter unter 18 Jahren sind 78,6%. Die Baublockebene Grohner Düne ist in den letzten Jahren Einwanderungsort für Zuwanderer aus den arabischsprechenden Ländern, Afrika und Kosova geworden. Große Düne 86,9%, kleine Düne 95,4%. Der Anteil der unter 18jährigen beträgt auf der großen Düne 92,3%, auf der kleinen Düne 99%. Die Bedarfsgemeinschaften auf der Grohner Düne umfassen ca. 65% (SGBII). Die Leistungsberechtigten (SGBII) unter 15 Jahren erreichen dort  82-88%. (Quelle: Angaben von Quartiersmanager-Tabellen Kleinraum-baublok-5752. Vegesack 2018)

Förderung

Nach einem kleinen Rundgang mit dem Quartiersmanager Christian Ganske und einigen Gesprächen mit Bewohner*innen und Akteur*innen des Quartiers wurde über die Situation vor Ort, über neue Herausforderungen, Bedürfnisse und Perspektiven diskutiert. Es gibt Unterstützung durch verschiedene auf Integration und nachbarschaftliche Zusammenarbeit ausgerichtete Förderprogramme, z.B. für Gesundheitsfachkräfte an Bremer Grundschulen. Insgesamt setzen 12 Grundschulen in Bremen und Bremerhaven   seit Beginn des Schuljahres 2018/2019 sieben „Fachkräfte für Prävention und Gesundheitsförderung“ ein. Es handelt sich zunächst um ein 3jähriges Modellprojekt, gefördert von der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz und den gesetzlichen Krankenkassen im Land Bremen. Dazu gehören auch Projekte für die Unterrichtsgestaltung, für Elternarbeit und für die individuelle Beratung von Eltern und Schülerinnen. Das WIN-Projekt befasst sich in Grohn mit der Verbesserung der Lebensqualität von Kindern und deren Familien, mit der Vermeidung von Gewalt, mit gesunder Ernährung, mit der Interkulturrealität, mit Sprachentwicklung, mit der Orientierung im staatlichen System und mit Bildungsfragen. Die Grohner Düne bietet auch die Möglichkeiten für Bewohner*innen: Eine Bewohnerin, die vor fünf Jahren  von Syrien nach Deutschland gekommen ist und inzwischen Deutsch gelernt   und Arbeit gefunden hat, erzählte, dass die Bewohner*innen auf der Grohner Düne zufrieden sind   und friedlich miteinander leben. Sie wünschen sich aber bei Gesprächen mit Deutschen mehr „Augenhöhe“. Vorurteile seien zurückgegangen und auch die Kriminalität habe in zwei Jahren um 80% abgenommen.

Zeynep Sümer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.