Kolumne: „Old men are dangerous“

Altenbericht, Das Alter älteres Paar auf der Parkbank

(c) Elfie Siegel

Er gehört nicht gerade zu meinen literarischen Vorbildern, der irische Dramaturg  George Bernard Shaw, genannt Bernard Shaw. Von ihm stammt ein oft verwendeter und oft gehörter Spruch: Old men are dangerous: It doesn´t matter to them what is going to happen to the world“. Die gängige und häufig zu findende deutsche Übersetzung lautet:

„Nehmt Euch in Acht vor alten Männern, sie haben nichts zu verlieren!“

Wenn ich diese deutsche Übersetzung meinem Artikel voranstellen würde, hätten Sie mit Recht jetzt etwas Angst, mir weiter zu folgen und würden es vielleicht als Drohung empfinden. Aber ich kann Sie beruhigen: Das Zitat bedarf meiner Meinung nicht nur einer neuen Übersetzung und einer neuen, zeitgemäßen Interpretation. Es bedarf der dringenden Korrektur. Deshalb folgen Sie mir bitte auf meinem kleinen Exkurs.

Seniorinnen und Senioren

Der Begriff des Alters ist in den letzten Jahrzehnten einem steten Wandel ausgesetzt gewesen, frei nach dem Motto: „80 ist das neue 60“. Ist es denn in der heutigen Zeit mit den veränderten Leistungs- und Rentenregelungen noch zutreffend, bei Altersstufe „60plus“ von Seniorinnen und Senioren zu sprechen? Ignorieren wir dabei nicht, dass mittlerweile die Lebensarbeitszeit weit über diese Stufe hinweg geplant und notwendig ist? Wirkt der Begriff „Seniorin oder Senior“ für eine oder einen noch mitten im Berufsleben stehende/n Angestellte/n nicht diskriminierend? What does „old“ really mean today? Was bedeutet heute “alt”?

Alte Menschen

Das englische Wort „men“ meint durchaus nicht nur die „Männer“, sondern kann gerade auch im Englischen als generisches Maskulinum angesehen werden: „men“ gleich „Menschen“.  Bernhard hat mit Sicherheit keine Gedanken an Geschlechtergerechtigkeit verschwendet und niemals etwas von „Gendern“ gehört, oder von unseren speziell deutsche Variabilitäten wie „grosses Binnen I“, der „Gap-Variationen“ mit Schrägstrich, Unterstrich oder Sternchen, von Klammerversion und Ähnlichem. Und deshalb entsteht für mich aus dem Zitat von Bernhard ein persönlicher Hinweis an jüngere und junge Menschen als Neu-Übersetzung mit interpretatorischem Hintergrund und dem Vordergrund der Klimadebatte  bei „Fridays for future“ und den Schuldzuweisungen a la „How dare you!“:

„Achtet alte Menschen, sie haben keine Zukunft, aber ihnen ist die Zukunft nicht egal und sie tragen das Wissen der Vergangenheit in sich!“

Da ist doch vielleicht etwas dran und man sollte darüber nachdenken oder reden! Willkommen in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts! Vielen Dank für Ihr Interesse! Übrigens: Bernard Shaw galt auch als Satiriker…

Dr. Dirk Mittermeier

  1 comment for “Kolumne: „Old men are dangerous“

  1. Barbara Matuschewski sagt:

    Mir gefällt der Beitrag gut, denn er ist eine Steilvorlage für den Dialog mit den Enkeln !

    Nicht nur „alte Männer“ sind Stoff der Satire, auch „alte Omas“ waren und sind Satire – Themen, die auf verschiedene Weise zu verschiedenen Zeiten unter die Lupe genommen werden! Ernsthaft, fordernd oder eben satirisch: mal respektvoll, mal fortschrittlich befreiend, mal überzogen – als Fabel, als Glosse, als Satire.
    Heute sind es die „alten weißen Männer“ , die von FFF “ fridays for future“ kreiert und den Medien ins Rampenlicht gezogen werden und aktuell auch „die alten Omas als Umweltsau“ – es kommt auf die Lesart an, denke ich, auf die Botschaft und auf den Humor und es ist an der Zeit, den Dialog zu suchen mit der Jugend, unseren Enkeln….mit uns selbst, dann klappt es auch mit den Botschaften und dem Verstehen
    (matu)

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