Die Maschinen können immer mehr

WhatsApp, Bildschirm eines Android-Smartphones

(c) barckhausen

Ist unsere Demokratie am Ende?

„Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt“. Das ist der Titel von Yvonne Hofstetters Buch. Und sie fragt:  Bedeutet die künstliche Intelligenz wirklich das Ende der Demokratie? Zu diesem Thema hat die die Böll-Stiftung in Bremen im „raum im hof“ im Viertel eingeladen. Ein Vortrag von Yvonne Hofstetter wurde für einen kleinen Zuhörerkreis eingespielt.

Viele wissen nichts

Das digitale System wird unsere Zukunft gestalten. Es sammelt unsere Daten und führt sie zusammen. Das ist Vielen nicht klar. Eine erschreckend hohe Anzahl von Leuten reagiert gleichgültig oder weiß nichts. 56 Prozent der Deutschen können nicht erklären, was Digitalisierung ist. Und den Begriff „Industrie 4.0“ haben über 80 Prozent noch nicht gehört.

So sieht es aus

Das Smartphone enthält Sensoren, die unser Verhalten messen. Sie haben sozusagen „Ohren“, die „hören“ was wir nicht hören. Sie wissen, was uns interessiert, was wir einkaufen, welche Sendungen wir hören, welche Freunde wir haben, wie unsere Kreditfähigkeit aussieht. Es ist der soziale TÜV. Die Maschinen beurteilen und verurteilen uns. Sie profilen den Menschen. Charaktereigenschaften können festgestellt werden. Die Ergebnisse können kursieren zum Beispiel beim Arbeitgeber oder der Krankenkasse. Und: Es gibt Fernsehgeräte mit Kamera. Das Gerät „sieht“, was wir tun; es sendet dies auch.

Die Folgen

Die Maschinen können immer mehr als die Maschinen früherer Jahrhunderte. Yvonne Hofstetter befürchtet: Es wächst ein Universum intelligenter Maschinen heran. Unser Leben und unsere Ressourcen werden wir teilen müssen mit der künstlichen Intelligenz. Dies alles geschieht im Interesse der Wirtschaft. Sie nennt dazu ein Beispiel: In den USA müssen Menschen 15 Prozent mehr für die Krankenversicherung zahlen, wenn kein Account über sie existiert.

Daten haben Vorurteile

Das alles geschieht in einem gesetzlosen Raum. Es gibt keine Gesetzgebung. Haben wir das je demokratisch legitimiert?  Wir machen das alles mit. Viele Menschen sagen sogar: Meine Messdaten interessieren doch niemanden. Yvonne Hofstetter  warnt: Daten haben immer Vorurteile.  Und: Der Mensch wird reduziert auf das Messbare. Unser Individualismus lässt uns zu diesem Problem keine gemeinsame Sprache finden. Es findet in unserer Gesellschaft kein Dialog statt.

Unser Menschenbild sollte uns wichtig sein

Wir Europäer sollten eine eigene digitale Struktur aufbauen auf der Grundlage unserer Ethik. Eine Ethik die bestimmt ist durch ein Menschenbild, das durch 250 Jahre Philosophie geprägt ist. Und die wiederum ihren Ausdruck findet in unserem Grundgesetz. Dazu hat das Bundesverfassungsgericht 1983 festgelegt, dass personenbezogene Daten nur auf gesetzlicher Grundlage erhoben, gespeichert, verwendet und weitergegeben werden dürfen. Aber es wird nicht ausreichend beachtet.

Elfie Siegel

  2 comments for “Die Maschinen können immer mehr

  1. Karo sagt:

    Liebe Frau Siegel, Ihre Zusammenfassung des momentanen Zustands hat mir sehr sehr gut gefallen.Sie ist informativ und dennoch unaufgeregt und klar. Danke! Eine gute Hilfe für meine Meinungsbildung.
    Herzliche Grüße von Karo

  2. Bettina sagt:

    Danke, liebe Elfie, für diese, auf das Wesentliche hinweisende – und den daraus für uns resultierenden notwendigen Umgang damit – gelungene Darstellung dieses Themas!

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