Von Bäumen und Kantinen

Vor fast eineinhalb Jahren wurden vor meiner Haustür in Woltmershausen zwei Bäume gepflanzt. Als wir im Jahr 2018 so lange Trockenperioden hatten, sahen sie schon bald jämmerlich aus. Das mochte ich nicht sehen und habe abends die Gießkanne in die Hand genommen. Da ich im zweiten Obergeschoss wohne, kam ich jedes Mal ins Schwitzen und habe innerlich geschimpft.

ein Lindenbaum …

Noch mehr Mühe hat mir jedoch ein kleiner Baum vor den Türen meiner ehemaligen Firma in der Neustadt gemacht (und macht es wohl auch in diesem Sommer): Dort wurde etwa 1998 eine Linde auf der Haltestelleninsel gesetzt. Während alle anderen neuen Bäume ringsum gut gediehen, kränkelte dieser und war eines trockenen Sommers kurz vor seinem Ende. Ich habe dann während der Pausen die Gießkanne in die Hand genommen und ihm etwas Wasser gegeben. Fortan habe ich mich über jeden verregneten Sommer gefreut. Denn zwischen der Firma und der Haltestelle liegt ein unübersichtlicher, viel befahrener Bereich, und es heißt gut aufpassen. Jahr für Jahr ging es der kleinen Linde etwas besser. Aber nach wie vor färbten sich ihre Blätter im August gelb und verwelkten – warum, ich weiß es nicht. Vielleicht bekommt der Pflanze das Streusalz nicht, das im Winter vor Glätte schützen soll.

Treue

Nachdem ich nicht mehr arbeite, hat sich kaum noch jemand um das Haltestellengrün gekümmert. Ich konnte es einfach nicht lassen, habe mehrfach die Woche die Gießkanne eingepackt und bin mittags mit Bus und Bahn in die Neustadt gefahren, um dem Baum etwas Wasser zu geben. Bei der Gelegenheit habe ich anschließend die Kantine besucht und dort viele Kolleginnen und Kollegen getroffen. So kam es, dass die Linde zu geselligen Mittagsrunden beigetragen hat. Mal sehen, was der Sommer 2019 so bringt.

Heiner Brünjes

  2 comments for “Von Bäumen und Kantinen

  1. Ellen sagt:

    Super, Heiner!
    Neulich habe ich eine Reportage gesehen, dass noch heute im Erdreich in ungefähr 30 cm Tiefe alles trocken ist. Nur die ersten 30 cm sind ausreichend feucht. Es wird sich erst in diesem Sommer herausstellen, welche Bäume den heißen Sommer überlebt haben.

    • Bettina sagt:

      Bei mir vor der Tür sind gerade vier Mehlbeerenbäume gefällt worden – waren einfach alt und krank. Wir warten auf die Nachpflanzung im Herbst. Ganz bestimmt werden wir die neuen Bäume , wie Du Holger, beim Wachsen unterstützen!

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