Mehr Durchblick beim Einkauf von Fleisch

Verbraucherzentralen fordern staatliches Label statt freiwilligen Labeldschungel.

Einkauf von Fleisch, rohes Mett auf einem Brett

(c)barckhausen

Tierschutz steht hoch im Kurs. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher wollen, dass Tiere gut leben, bevor sie geschlachtet werden. Der Handel reagiert darauf mit neuen Marken und Labeln. Einen anderen Ansatz verfolgt aktuell der Discounter Lidl mit seinem vierstufigen „Haltungskompass“.

Es handelt sich um ein vierstufiges Label, so wie wir es vom Stempel auf den Eiern kennen. „Leider ist die Nummerierung genau andersherum. Während bei den Eiern 0 der Ökostandard ist, ist es beim Putenfleisch die 4. Das führt bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern sicherlich zu Verwirrung,“ sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. Bei Stufe 3 „Außenklima“ haben Tiere Zugang ins Freie, Genfutter ist tabu. Stufe 2 „Stallhaltung plus“ bedeutet etwas mehr Platz und Stroh zur Beschäftigung. Stufe 1 „Stallhaltung“ bedeutet gesetzlicher Mindeststandard.

Teller mit Entenfleich und Reis

(c) frauenseiten, Robers

„Eine Kennzeichnung der Tierhaltung ist ein guter Ansatz. Doch mit jedem zusätzlich eingeführten Siegel wird es immer schwieriger, den Label-Dschungel zu durchschauen“, ergänzt Oelmann. „Um Verbrauchern Orientierung und Verlässlichkeit beim Einkauf zu geben, brauchen wir schnell ein einheitliches, mehrstufiges staatliches Tierwohllabel mit hohen Tierschutzstandards.“

Bundesweite Stichprobe

Logo in rot/ weiß

(c) verbraucherzentrale bremen

Die Verbraucherzentralen haben aktuell in zehn Bundesländern und insgesamt 13 Filialen stichprobenartig nachgeschaut, welche Kennzeichnungen beim Frischfleischangebot von Lidl zu finden sind. In den Kühltheken haben sie hauptsächlich Fleisch gefunden, das lediglich den gesetzlichen Mindeststandard einhielt. Mit dem geringfügig höheren Tierschutzstandard der Stufe 2 „Stallhaltung plus“ war überwiegend frisches ungewürztes Geflügelfleisch zu finden, das von Betrieben der Brancheninitiative Tierwohl stammt. Diese Betriebe bieten ihren Tieren beispielsweise zehn Prozent mehr Platz. Allerdings gab es bei dieser Kennzeichnung widersprüchliche Angaben. Auf gut der Hälfte der Geflügelpackungen mit dieser Kennzeichnung stand, dass das Fleisch möglicherweise nicht aus Betrieben der Initiative Tierwohl stammt. „Lidl muss hier zwingend nachbessern“, so Oelmann.

Das Angebot an Frischfleisch mit höherem Tierschutzstandard, wie Zugang der Tiere zu Außenklimabereichen, ist sehr überschaubar. Hier fanden die Verbraucherzentralen in der Erhebung nur ganze Hähnchen – und das nicht einmal in jeder Filiale. Das Siegel der Stufe 4 „Bio“ fand sich im Prinzip nur auf wenigen Packungen mit Hackfleisch und Gulasch.
Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner sollte das seit Langem angekündigte staatliche Tierwohllabel zügig auf den Weg zu bringen. Nur ein einheitliches staatliches Siegel, das hohe Standards für Tierschutz und Tiergesundheit garantiert, schafft Transparenz und Verlässlichkeit für Verbraucherinnen und Verbraucher.

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