Begegnungen (2) Ritxart

Verkaufsstand mit Textilien

(c)Dirk Mittermeier

Auf Mallorca ist an jedem Wochentag an bis zu 10 Orten Markttag. Dort werden Gemüse, Textilien, Gebrauchtes und Selbstgemachtes, aber an manchen Orten auch Tiere zum Kauf angeboten. Die Märkte werden von Touristen, aber auch von Einheimischen besucht. Besonders interessant sind die Märkte in den kleineren Ortschaften im Landesinneren am Rande der Touristenpfade. Dienstags ist Markttag in Porreres. Ich besuche die kleine Ortschaft  (5000 Einwohner).

Die Pfarrkirche von Porreres

Kircheneingang mit Palmen

(c)Dirk Mittermeier

Die gotische Pfarrkirche „Nostra Senyora de la Consolació“ aus dem 17. Jahrhundert ist die zweitgrößte Kirche der Insel, nach der Kathedrale „La Seu“ in Palma. Sie kann  dienstagvormittags besucht werden. Ein Seiteneingang ist geöffnet, ein Sperrseil hängt davor, ein Schild zeigt die Besichtigungszeit dienstags ab 11:00Uhr, aus der offenen Tür sind Orgelklänge zu hören. Es ist 11:35 Uhr. Die Nachbarin sagt, wir sollen in einer Viertelstunde wiederkommen. Dann treffen wir Ritxart, 78 Jahre alt. Ritxart ist Schotte, er spielt die Orgel. Seit drei Jahren macht er Führungen durch das Gotteshaus, läutet an Silvester die Glocken, begleitet die örtliche Gruppe der „Castellers“ (Menschenpyramiden) zu den Wettkämpfen in Katalanien. „Die meisten der Gruppen reisen mit dem Bus an, wir müssen immer das Schiff benutzen. Letzte Woche war ich mit der Gruppe in Barcelona.“

Begegnung mit Ritxart, zwei Männer unterhalten sich

(c)Dirk Mittermeier

Ritxart

In seinem früheren Leben war Ritxart Professor, hat zuletzt in Palma Vorlesungen gehalten. Er lebt seit 12 Jahren in Porreres. Vor dem Umsiedeln hat er nach festen Kriterien mögliche Wohnorte auf Mallorca zusammengestellt und Porreres im Ausschlussverfahren gewählt. Wir sitzen bei Bier, Tapas und Kaffee zum schnacken. Er spricht perfekt katalanisch und amüsiert sich darüber, dass der kastilisch sprechende Restaurantchef ihn schwer versteht. Ritxart erzählt uns von dem Haus, das er gekauft und für sich umgebaut hat. Wir müssen das unbedingt ansehen, sagt er.

Um fünf Ecken ist er zuhause, zu jedem Haus auf dem Weg dahin, weiß er eine Geschichte zu erzählen. Er zeigt auf die Spuren der Vergangenheit an den Fassaden, die noch erkennbaren Rundbögen, hinter denen früher die Pferde untergebracht waren. Steinerne Ösen an den Fassaden haben überlebt. Sein Haus, eine Villa „Kunterbunt“, aber alles hat seine funktionelle Bedeutung. Ein selbst ausgedachtes Lüftungssystem für die heißen Monate, ein bunt gekachelter „swimmingpool“, 2m mal 3m, im dritten Stock, überall Bücher, eine Bibliothek mit über 6.000 Büchern, zwei Bildschirmarbeitsplätze, miteinander verbunden, ein Klavier, ein Keyboard eine Pedalorgel, eine Dunkelkammer für Farb- und Schwarz-Weiss-Projekte. Oben eine Terrasse mit einem Blick auf den Ort. Ritxart zeigt uns auf seinem PC seine Aufnahmen von verschiedenen mallorquinischen Tänzen und Musikgruppen. Sein Haus birgt Projekte und Aufgaben für die nächsten 25 Jahre, er wird in Bewegung bleiben. Zum Abschluss verspricht er, mir eine CD mit mallorquinischer Volksmusik zu bespielen. Ein guter Grund, ihn und Porreres noch einmal zu besuchen.

Dr. Dirk Mittermeier

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