Der Roland und seine Brüder

Der Bremer Roland ist als Wahrzeichen unserer Stadt den Bremerinnen und Bremern wie auch Touristen bestens bekannt. Er gilt als Symbol für Rechte und Freiheiten.

Roland, Rolandfigur mit historischen Hausfassaden im Hintergrund

(c) Heiner Brünjes

Die im Jahr 1404 errichtete Statue auf dem Marktplatz vor dem Rathaus steht seit 1973 unter Denkmalschutz und wurde 2004 gemeinsam mit dem Rathaus von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Die Figur hat eine Höhe von 5,47 Metern und steht auf einem 60 Zentimeter hohen, gestuften Podest. Mit dem Baldachin erreicht das Denkmal eine Gesamthöhe von 10,21 Metern und ist damit die größte freistehende Statue des deutschen Mittelalters.

Was viele nicht wissen: Der Bremer „Marktplatz-Roland“ hat zwei jüngere Geschwister! Das Denkmal Kleiner Roland, auch Rolandbrunnen genannt, steht in der Bremer Neustadt, am Südende des Neuen Markts. Die Brunnensäule entstand 1737 nach einem Entwurf des Bildhauers Theophilus Wilhelm Frese. Sie besteht aus Obernkirchener Sandstein, auch oft Bremer Stein genannt, wegen seiner häufigen Verwendung in Bremen. Der Brunnensockel ist mit einer besonders schönen Ornamentik verziert.

 

 

Ein Kleiner mit viel Selbstbewusstsein

Roland, Steinerne Rolandfigur vor einem winterlichen Baum

(c) Heiner Brünjes

Die Neustadt im Bremer Süden entstand erst ab dem 17. Jahrhundert nach dem Ausbau der Bremer Stadtbefestigung. Die Neustädter Bürgerinnen und Bürger hatten seit 1642 lediglich ein sehr eingeschränktes Bürgerrecht. Sie stellten deshalb selbstbewusst ihren eigenen Roland auf. Die Figur wurde 1737 von der Ersten Neustädter Bürgerkompanie gestiftet und als Schmuck des öffentlichen Brunnens im Pferdegang der Osterstraße in der Alten Neustadt aufgestellt. Noch heute weist der Name Rolandstraße (Parallelverbindung zur Friedrich-Ebert-Straße) darauf hin.

Der Neustädter Roland wurde nach dem Vorbild des Rolands in der Altstadt geschaffen, aber wegen seiner bescheidenen Maße „Kleiner Roland“ genannt. „Ihr habt den Großen da stehen, wir stellen uns den Kleinen dahin. Wir sind ja nicht die große Stadt, wir sind die Kleine und das Anhängsel, aber wir sind genauso Stadt wie ihr“, sollen die Neustädter Stadtherren damals gesagt haben. Im Jahr 1899 wurde der Rolandbrunnen an das Nordende des Neuen Markts und 1965 an dessen Südende, vor die neue St.-Pauli-Kirche, versetzt. Er steht unter Denkmalschutz.

Übrigens: Die nördlichste feste Weserquerung war bis etwa 1850 die Verkehrsbeziehung: Marktplatz – Wachtstraße – Große Weserbrücke – Herrlichkeit – Brautstraße – Oster- oder Westerstraße. An beiden Enden dieser Verbindung gab es also Rolande!

Stolz und Freiheitswille am Stadtrand

Roland, Kleine Rolandstatue auf einem Sockel

(c) Heiner Brünjes

Am 8. Mai 2007 berichtete die Senatspressestelle: „Osterholz bekommt einen Roland. Der Grünbereich vor dem Ortsamt Osterholz, Osterholzer Heerstraße 100, wird der künftige Standort für eine neue Roland-Skulptur sein. Bei der Skulptur handelt es sich um die Bronzekopie des sogenannten Kleinen Roland in der Neustadt.“ … Von ihm wurde zunächst eine Kopie aus Gips hergestellt, die im Sommer 2003 anlässlich des Projektes der Städtischen Galerie im Buntentor „No Art – No City“ gegenüber dem großen Roland auf dem Bremer Marktplatz aufgestellt wurde. Die Osterholzer Bevölkerung war so begeistert von der Gipskopie des Kleinen Roland, dass diese mit Hilfe des Kulturressorts vor das Ortsamt Osterholz wanderte.

Mit freundlicher Unterstützung eines Bremer Geldinstituts konnte zu Beginn des Jahres 2007 ein dauerhafter Bronzeguss hergestellt werden, der nunmehr für die nächsten Jahrhunderte von dem Stolz und dem Freiheitswillen der Osterholzer erzählt. Übrigens: Auch anderswo gibt es Rolande, etwa in Bad Bederkesa und sogar in Brasilien. Sie gelten als Sinnbild für Stadtrechte.

Quellen: Wikipedia.de und Pressemitteilungen der Freien Hansestadt

Heiner Brünjes

  1 comment for “Der Roland und seine Brüder

  1. Herr Schmidtmann Dirk
    20. August 2018 at 7:34 am

    Ein interessanter Bericht zur Stadtgeschichte.

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