Jahre des Verdrängens

Inkognito, Frau zieht Kragen über das Gesicht, schwarz weiß

(c) privat ; Robers

Von Jahren des Verdrängens sprach vor ein paar Tagen eine Moderatorin im Fernsehen als sie über Frauen berichtete, die von Männern bedrängt wurden. Jedenfalls will ich es mal in dieser Form gemäßigt ausdrücken.

Ja, es wurde verdrängt

Wir, das heißt meine Generation – und leider auch die folgenden, trauten sich nicht, damit an die Öffentlichkeit zu gehen – es war „Schande“ für die wir uns auch noch schuldig fühlten.

Im Zuge der jetzt laufenden Diskussion habe ich einmal eine Umfrage in meinem privaten Freundinnenkreis gehalten. Erschütternd ist das Ergebnis: fast alle hatten solche Erlebnisse, ja solche Schmach, hinter sich.
Und man – in diesem Falle aber besser „Frau“ – wurde auch noch mit dem Erlebten alleine gelassen, denn – wie gesagt – es war ja eine Schande.

Ich bewundere die Frauen und danke ihnen, dass sie sich jetzt mit dem Erlebten an die Öffentlichkeit trauen. Denn wenn dieses Thema jetzt ver- und bearbeitet wird, dann ändert sich hoffentlich auch viel in unserer Gesellschaft.

Wie würden wohl die Männer reagieren, wenn wir Frauen uns trauen würden, sie an (un)– passenden Stellen zu berühren? Ich danke den mutigen Frauen und wünsche, dass sich endlich wirklich etwas ändert in unserer Gesellschaft.

Gisela E. Walther

  3 comments for “Jahre des Verdrängens

  1. Ingrid
    8. Februar 2018 at 8:46 pm

    Ich bin Jahrgang 1954. Solche Erlebnisse hatte ich nicht. Soweit ich von meinen Freundinnen weiß, hatten die auch keine Vorfälle in denen sie bedrängt wurden. Im Moment, habe ich das Gefühl, werden die Männer zu Monstern verteufelt.
    Einer unserer Lehrer ( Mädchengymnasium) schütze sich vor Verleumdungen indem er niemals mit nur einer Schülerin alleine in der Klasse blieb. „Will ich denn, dass sie plötzlich rausrennt, sich die Bluse vom Leib reißt, und behauptet ich wäre das gewesen,“ so seine Aussage damals.
    Ist schon ein schwieriger Fall, wenn Frauen nach zwanzig, dreißig Jahren mit solchen Behauptungen an die Öffentlichkeit gehen. Wie will man da die Wahrheit ermitteln.
    Ingrid

    • Emma
      19. Februar 2018 at 10:56 am

      Geht mir ähnlich: Obwohl ich mir sehr gut vorstellen kann, dass in der Unterhaltungs-Filmbranche das tatsächlich so krass war. Da gab es genügend Geschichten, Gerüchte…Ich frage mich, wieso kann ich diese Vorkommnisse nicht bestätigen? Ich bin Jahrgang 1946, war sicher hübsch, teilweise sicher schüchtern, vielleicht weil meine Mutter streng war. – Klar, pfiffen ‚mann‘ hinter mir her. Dumme Sprüche, Zurufe, das ignorierte ich. Bei manchen Jungs/ jungen Männern war man dann ‚ unten durch‘, manchmal fand man mich langweilig.. ich fand trotzdem gute Freunde. Evtl. prägt solche Haltung? Viel später meinte ein ( sehr) netter Mann, ich hätte meine ‚ Reize‘ gut versteckt. Das war mir nie bewusst, aber ich mochte auch nie auffallen. Ich möchte das wertfrei sehen, aber heute, , da der Umgang mit Mode und viel blanker Haut sehr selbstverständlich ist, wundert es mich andererseits, dass Frauen einerseits darauf bestehen, sich so zu kleiden, wie sie es möchten ( ihr gutes Recht), aber nicht akzeptieren können, dass Männer sich davon “ angesprochen“ fühlen.
      Der Denkprozess, dass Frauen eigenständig, unabhängig und nicht auf das Aussehen reduziert werden wollen, ist eh nicht abgeschlossen. Allerdings tragen jene Frauen, die all die berühmten, wohlhabenden Männer aus Sport, Film ,Wirtschaft oder Politik für meist nur kurze Zeit ehelichen, nicht wirklich zur Emanzipation bei.

  2. Elfie
    10. Februar 2018 at 2:50 pm

    Also, Gisela ich hatte auch solche Erlebnisse. Es war immer schwierig, die Kerle in ihre Schranken zu weisen. Einem „Kollegen“ (Marke „seriöser Familienvater“) habe ich mit einem beherzten Griff direkt aufs Gesicht und damit auf seine Brille von mir weggeschoben. Einen Chef (Marke „alter Knacker“) habe ich einfach stehen lassen als er mir ein Treffen vorgeschlagen hatte. Es war aber ein Balanceakt, weil ich meine Arbeit behalten wollte…Und ich musste mir auch noch Mühe geben, die männliche Eitelkeit nicht zu verletzen…

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