Erkältungszeit oder „Ha-tschi!“ – „Gesundheit!“

Herr Knigge läßt grüßen!

Erkältungszeit, Tempo Tacshentücher, Verschiedene Papiertaschentucher-Packungen

(c)barckhausen

Nach zehn Jahren wird die Debatte darüber, ob der Gesundheits-Wunsch dem Niesenden gegenüber zeitgemäß ist, oder nicht, mit der Aufhebung des „Gesundheit!“s-Verbots durch die Experten für gutes Benehmen der Knigge-Gesellschaft entschieden. Hurra! Für mich gehört es sich so! Was natürlich bei einem Heuschnupfen-Leidenden mit Nies-Attacken bis zu 30mal dann für den Gesundheit-Wünschenden doch etwas ermüdend sein kann. Keine Reaktion, das quälende oder erlösende Niesen eines anderen einfach ignorierend sich abwenden, hatte etwas von „Muss das sein?“ und „Kann er/sie sich nicht beherrschen?“ Der Niesende hatte sich zu entschuldigen. Abgeschafft!

Vorbeugende Maßnahmen

Ansteckungsgefahr Händedruck, Tausch

(c) frauenseiten.bremen

Außerdem begegnen wir in dieser Jahreszeit zunehmend den „Handschlagverweigerern“, die mit einem dogmatischen „Ich gebe keine Hand mehr!“ zur Begrüßung auf den Tisch klopfen oder andere Begrüßungsgesten anwenden. So befremdlich das Gefühl ist, dass eine ausgestreckte Hand ignoriert wird und man sie unverrichteter Dinge wieder zurück ziehen muss, so sinnvoll ist diese Maßnahme aus hygienischer Sicht für beide Begrüßungs-Partner. Hauptübertragungsquelle sind nun einmal die Hände.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln kann täglich beobachtet werden, wie in die Innenflächen von rechten und linken Händen geniest und gehustet wird. Eine Verweigerung des Handschlags als Vorsichtsmassnahme gegen eine Keimübertragung reicht hier nicht aus, da eine persönliche Begrüssung der Mitreisenden in Strassenbahn und Bus weithin unüblich ist. Allerdings klammern sich Nieser und Huster ihrer Attacke an den Plastik-Haltegriffen, bedienen die Türöffner und hinterlassen für Nachfolgende einen infektiösen Hand- und Fingerabdruck. Auch das enge Beieinander in Bus und Bahn fördern eine Ansteckung. Würden wir Bakterien und Viren mit unseren Augen wahrnehmen können, wir würden zweifellos geschockt sein und wahrscheinlich zumindest vorübergehend das Haus nicht mehr verlassen, geschweige denn Menschenansammlungen suchen.

Eingeseifte Hände unter dem Wasserhahn

(c) H. Schnatmeyer

Dabei wäre mit geringem Aufwand mehr Sicherheit gegeben: Niesen in die Armbeuge, Tragen von Handschuhen, Maßnahmen zur Immunstärkung (Bewegung in der frischen Luft, Sauna, viel Vitamin C), häufiges Händewaschen mit Seife, Händedesinfektion. Das Tragen eines Mundschutzes ist zwar nützlich (zuhause, in der Familie), aber in der Öffentlichkeit eher aufsehenerregend (Sitzplatzgarantie?).

Eine Erkältung muss man durchstehen, eine Impfung dagegen gibt es nicht. Es gibt, siehe Werbung, besonders für die schwerwiegende „Männererkältung“ nur den qualvollen Ruf nach „Mama!“ und ihren Hausrezepten (heiße Hühnerbrühe, Butterwickel etc.) Mit einer durch Viren ausgelösten Grippe oder Influenza sieht das ganz anders aus. Hier ist eine Impfung möglich, gegebenenfalls sogar Pflicht. Müßig zu betonen, dass ältere Menschen mit einer verminderten Immunabwehr und mit chronischen Erkrankungen zu der besonders gefährdeten Gruppe gehöre. Die „Ständige Impfkommission „StiKo“ empfiehlt die Influenza-Impfung für alle Menschen über 60!.

Impfung, ja bitte!

Erkältungszeit, Glas mit heißer Milch und Hustenbonbons

(c) hhs

Aber bitte glauben Sie nicht, dass mit dem Jahreswechsel die Erkältungs- und Grippegefahr schon vorbei ist. Den Höhepunkt von Erkrankungen aus diesem Bereich haben wir – wie in jedem Jahr nach Aussagen der Medizinwissenschaftler – erst ab Januar und mit dem Höhepunkt im Februar noch vor uns! Und glauben Sie ja nicht, dass Sie mit dem Piks der Schutzimpfung aus dem Risiko einer Influenza heraus sind! Der Hintergrund dafür ist, dass dem in einem halbjährigen Entwicklungsverfahren im Frühjahr für die kommende Impfsaison hergestellte Impfstoff das Erregerspektrum des Vorjahres zugrunde gelegt wird. Dieses verändert sich jedoch von Jahr zu Jahr. Deshalb betrug der Schutz für die Geimpften in der Winterzeit 2016/2017 lediglich 40 % (nur 15% in der Saison davor), und für Senioren wird er sogar eher noch geringer geschätzt, stellt somit keine Vollkasko-Versicherung dar!

Ingesamt nur bis zu 25% aller Deutschen lassen sich gegen Influenza impfen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) erwartet, dass das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), mit einer 75%igen Impfbereitschaft von älteren Menschen in Deutschland sobald nicht zu erreichen ist.

Also muss man es halten, wie schon Heinz Erhardt es sah: „Leute hütet euch vor diesen, die da husten, wenn sie niesen“! Fragen Sie Ihren Arzt oder noch besser „PX“, wie der Bayer sagt, „Pleibens xsund!“

Dr. Dirk Mittermeier

  2 comments for “Erkältungszeit oder „Ha-tschi!“ – „Gesundheit!“

  1. Ellen
    7. Januar 2018 at 3:13 pm

    Wieso sollen wir uns impfen lassen, wenn der Schutz nur 40 % oder sogar nur 15 % beträgt?????? Diese Prozentzahlen gelten doch sicher auch für „Nichtgeimpfte“. Ich kenne zwei „Geimpfte“ die unmittelbar nach der Impfung heftig erkrankten….

    • Freiwillige
      10. Januar 2018 at 7:43 pm

      Hallo Ellen, 40% oder mehr ist doch besser als 0%. Bei uns älteren Menschen ist das Immunsystem zumeist geschwächt. Kommt es zu einer Influenza, kann der Verlauf bei älteren Menschen viel schwerwiegender sein, als bei den Jüngeren. Am Besten ist es eben, man bleibt gesund, meidet grosse Menschenversammlungen, wenn es denn geht. Vorbeugen ist besser! Gruss Dirk

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