Das Mittwoch-Rätsel Ausgabe 9

Betonsockel mit den Füßen einer Skulptur

(c) hhs

Bremer Geschichte – ins Gespräch gebracht. Unser Ratespielspiel geht in die elfte Runde.

Thea, seit vielen Jahren Stadtführerin, zeigt Spuren zur Bremer Geschichte. Auch in dieser Folge macht sie einen Spaziergang an die Weser. Diesmal hat sie sich zwischen Wilhelm-Kaisen-Brücke und Stephanibrücke umgesehen und ist vor einer Skulptur stehengeblieben. Mit dem Mann hat sie sich unterhalten. Natürlich nur in ihrer Fantasie. Wo fand das Gespräch statt?

Das Gespräch

Hallo, könnten Sie bitte einmal herhören? Hallo! Bitte – ich möchte mit Ihnen reden. Sie können richtig berühmt werden, wenn Sie mir jetzt zuhören. Bitte!

Was für ein Lärm zu meinen Füßen. Sehen Sie nicht, dass ich beschäftigt bin? Schließlich muß ich meinem Namen alle Ehre machen. Nur zum Schwätzchen halten stehe ich hier nicht.

Das kann jeder, der Sie betrachtet, erkennen. Aber warum Sie Ihre Hände so vor Ihren Mund halten als wollten Sie jemanden rufen, wird nicht jeder verstehen. Können Sie mir das erklären?

Nein.

Der Rufer, Füße einer Skulptur

(c) hhs

Sie könnten es, wollen es aber nicht?

Ja.

Rede ich zu leise oder bin ich Ihnen zu alt?

Dumme Fragen.

Wenn Sie glauben, dass ich jetzt gehe, haben Sie sich getäuscht. Mal sehen, wie wir miteinander auskommen.
Das weiß ich bereits über Sie: Als der Bildhauer Gerhard Marcks Sie 1967 für Radio Bremen geschaffen hat, wollte er durch die Haltung, die Sie verkörpern, zum Ausdruck bringen, dass jeder das Recht zur freien Meinungsäußerung hat.

Sehen Sie was Sie wollen. Ich weiß nur, dass ich aus Bronze gegossen wurde und drei Meter groß bin. 40 Jahre stand ich in Bremen an der Hans-Bredow-Straße auf dem Gelände von Radio Bremen und jetzt haben sie mich hier hierher geschleppt, vor das neue Weserhaus von Radio Bremen.

Skulptur eines mannes mit vor den Mund gehaltenen Händen

(c) hhs

Hier stehen Sie besser, finde ich. Denn Sie blicken von hier auf die Weser. Und – wie früher üblich – rufen Sie zum anderen Ufer „Hol über“, damit eine Fähre kommt. Gefällt Ihnen diese Deutung?

Denken Sie, was Sie wollen. Sehen Sie, was Sie wollen. Ich bin eine Skulptur. Und zum Reden nicht geschaffen.
Kleiner Hinweis noch: Es gibt ein paar Nachgüsse von mir. Einer steht seit 1989 in Berlin. Auf dem Mittelstreifen der Straße des 17. Juni. In der Nähe vom Brandenburger Tor.
Dort habe ich eine andere Deutung bekommen. Auf meiner Tafel steht nämlich: „Ich gehe durch die Welt und rufe Friede, Friede, Friede“.
Der Satz stammt von Francesco Petrarca. Und damit Sie jetzt nicht herumrätseln, wer das nun wieder ist, sage ich Ihnen das auch noch: Petrarca war Italiener und hat von 1304-1374 gelebt.

Gerhard Marcks hat auch noch erwähnt, dass er sich den Griechen Stentor in der „Ilias“ für Ihre Gestalt zum Vorbild genommen hat. Stentor hatte eine Stimme so laut wie die Stimmen von 50 Männern zusammen. Darum hat Gerhard Marcks Sie „Der Rufer“ genannt.

Und was soll das heute alles noch? Ich bin doch komplett aus der Mode gekommen. Oder hören Sie noch jemanden rufen? Nachrichtenübermittlung durch Zuruf?! Ich bin ein Grufti!!

Aber Radio Bremen hält Ihnen die Treue. So sehr, dass Sie jetzt einen Platz unter Platanen bekommen haben und von oben herab über die Spaziergänger blicken, die unten an der Weserpromenade die Sommertage genießen. Und manchmal werden Sie sogar mit Ihrem Sockel gedreht, so dass Sie bei der Talksendung „3 nach 9“ in das Studio blicken können. Das hat mir der Pförtner erzählt.

Der Rufer, Skulptur im Gegenlich der untergehenden Sonne

(c) wfb-bremen.online, BKO

Wenn Sie das alles so freundlich sehen wollen, dann will ich noch daran erinnern, dass mein Umzug am 23. November 2007 sogar gefeiert worden ist. Und der damalige Radio-Bremen-Intendant, Prof. Dr. Heinz Glässgen, hat gesagt, dass ich, „Der Rufer“, für einen demokratisch-freiheitlichen Rundfunk stehe. An die Werte, die ich symbolisiere, vor allem die Meinungsfreiheit, könne man gar nicht oft genug erinnern.
Das passt, finde ich.

Wie schön, dass Sie nun nicht mehr so griesgrämig sind. Nun hoffe ich nur, dass Sie auch von meinen Rätselfreunden gefunden werden.


Wo steht die Bronzestatue „Der Rufer“?

Am Weserufer, Hinter der Mauer 9/7?
An der Schlachte, vor der Teerhofbrücke?

Die Lösung finden Sie bestimmt!
Viel Spaß beim Suchen wünscht Thea

Helga Schnatmeyer

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