Schlechtes Wetter? – Sommer in der Stadt

Vor ein paar Tagen hörte ich die Bemerkung: „Der Sommer fand auch in diesem Jahr in Bremen wieder an einem Donnerstag Nachmittag statt“.

Übelste Verleumdung!

schlechtes Wetter ,Pflaster des Bremer Marktplates im Regen

(c) Elfie Siegel

Wie schnell Fakten in Vergessenheit geraten, wird auch hier deutlich. Fakt ist doch: Wir hatten von Mitte Mai bis Anfang Juni herrlichstes Wetter in Bremen, erinnern Sie sich? Die Grillkohle war kaum verglüht, da wurde erneut gebrutzelt, was das Zeug hielt. Der Getränkehandel war überlastet und die Eisdielen hatten Hochkonjunktur und gegen den ungeschriebenen Bekleidungskodex in der Öffentlichkeit wurde nachhaltig verstossen, also: Sommer in der Stadt!

Außerdem: Die Bremerin/der Bremer an sich benötigt nicht die konstante sonnige Wetterlage zum Glücklichsein. Kaum zeigen sich für kurze Zeit die Sonnenstrahlen, da orientiert sich alles nach draußen, auf dem Platz an der Sonne. Und wehe der Gastronomie, die auf der sog. „schlechten Seite“ der Strasse ansässig ist, also im Schatten. In südlichen Gefilden sind in den Sportarenen die Schattenplätze teurer, als die Sonnenplätze, ist ja klar! Bei uns dagegen werden immer größere Teile der Bürgersteige für Gastronomieplätze auf der dem Süden zugewandten Straßenseite abgezwackt, und zwar innerhalb von Minuten, sobald der Lorenz vom Himmel brüllt.

Wir „Nordlichter“ sind eben anders gestrickt

Wenn es im Norden der Republik regnet, wird gesagt: „Wurde aber auch Zeit, ist ja alles so trocken. Die Pflanzen (alternativ: die Bauern, alternativ die Brunnen) brauchen Wasser!“ In Bayern sagen die Einheimischen bei Regenwetter: (Teilübersetzung aus dem bayrischen Dialekt!) „Wir waschen heute unsere Berge für die Touristen, host mi?“

Aber hier im Norden sind wir doch das rauhe Wetter gewöhnt, sind sturmerprobt: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung!“, sagt man hier. Und kommt bestens damit klar, zum Glück.

Apropos Glück: Wissen Sie eigentlich, wo in Deutschland die Menschen am glücklichsten sind? Seit Jahren wird das „Glücklichsein“ von Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen (Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) ermittelt. Im Auftrag der Deutschen Post veröffentlicht er den jährlichen „Glücksatlas Deutschland“. Seit Jahren wohnen die glücklichsten Menschen im Norden, angeführt von Schleswig-Holstein und der Region Niedersachsen-Nordsee, in der auch Bremen aufgegangen ist. Also, wenn es im Sommer bei uns regnet, nicht vergessen: Glücklichsein ist wissenschaftlich hinterlegt!

Dr. Dirk Mittermeier

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