Neues Wohnen mit Barrierefreiheit

Wohnen mit Barrierefreiheit, Backsteingebäude an einem Kanal

(c) J. Behrens

Am 6.Juni 2017 tagte der Arbeitskreis Bauen, Wohnen und Verkehr der Bremer SV. Eingeladen war die Architektin Corinna Bühring, die maßgeblich in der GEWOBA Bremen in der Planungsabteilung Neubau und Stadtentwicklung mitarbeitet. Sie hielt ein sehr interessantes, informatives Referat zum Thema Neue Wohnformen für Senioren und Behinderte unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit.

Warum werden neue Wohnungen gebraucht? Wichtige Ursachen sind unter anderem der demografische Wandel mit dem Anstieg der Lebenserwartung, die Pluralisierung der Lebensstile und Familienformen und sich ändernde Vorstellungen vom persönlichen Wohnumfeld. In der Folge ist ein starker Anstieg der Ein- und Zweipersonenhaushalte zu verzeichnen. Auch die Generation 60plus wächst und stellt neue Anforderungen an das Wohnen.

Alte Bausubstanzen genügen aber selten diesen Anforderungen, zum Beispiel an Barrierefreiheit. Sie sind für ältere und behinderte Menschen häufig nicht geeignet. Sowohl bei älteren als auch jüngeren Menschen herrscht der Trend zum Wohnen möglichst in der Innenstadt oder in zentrumsnahen Quartieren vor. Hier steht nur wenig freier und insbesondere kaum barrierefreier Wohnraum zur Verfügung. Die Verknappung am Wohnungsmarkt führt insgesamt zu einer Verteuerung des Wohnens.

Typische Bremer Häuserzeile

(c) Hans Schnatmeyer

Auch gemeinschaftliches Wohnen wird unterstützt

Die Bremer GEWOBA, als Partner des Bremer Bündnisses für Wohnen, wirkt aktiv an dem politischen Ziel, pro Jahr ca.1.400 Wohnungen neu zu bauen, mit. Im Rahmen des Senatsbeschlusses zum Sofortprogramm Wohnungsbau wurde die Zielzahl Ende 2015 auf jährlich 2.000 Wohnungen heraufgesetzt. Neben knapp 85 Millionen, die die GEWOBA 2016 in die Modernisierung und Instandsetzung der Altbestände investiert, hat sie 2016 mit rund 32 Millionen weitere Neubaumaßnahmen finanziert. Dabei wird alles, was die GEWOBA baut, barrierefrei erstellt. Bei 105 der 260 neu erstellten Wohnungen in 2016 handelt es sich um geförderte Wohnungen mit einer Miete in Höhe von 6,10 bzw. 6,50 €/m². Es werden auch neue Wohnformen diskutiert und geplant, zum Beispiel solche, die gemeinschaftliches und generationsübergreifendes Wohnen zulassen.

Der „Bremer Punkt“

Im Mittelpunkt stand das GEWOBA-Projekt „Bremer Punkt“. Es handelt sich um klimafreundliche, energiesparende und komplett barrierefreie Wohnhäuser, mit eigener Energieversorgung ausgerüstet (Photovoltaik-Anlage, Luft-Wasser-Wärmepumpe). Errichtet in Hybidbauweise, die Decken aus Beton, die Außenwände in Holzrahmenbauweise, mit Fahrstühlen ausgerüstet, individuelle Ansprüche berücksichtigend, und alles bei niedrigen Nebenkosten. Sie können im Modulverfahren und deshalb relativ schnell gebaut werden. Die Gebäude sind je nach Standort in den Grundrissen flexibel gestaltbar. Die Wohnungen zwischen einem und fünf Zimmern eignen sich für Singles und Alleinerziehende, für Paare und größere Familien oder für Bremer Punkt Wohngemeinschaften. Es kann jeder für sich und doch gemeinschaftlich wohnen.

Mehrfamilienhaus in Kastenform

Bremer Punkt (Foto: Gewoba Bremen)

Die Gewoba hat bereits 2015 mit der Realisierung dieses Projekts begonnen, und zwar mit geförderten Wohnungen in der August-Hinrich-Straße und Friedrich-Wagenfeld-Straße in der Bremer Neustadt. Dieses Angebot mit Wohnungen zwischen 44 und 58 qm richtet sich an Singles und kleinere Haushalte. Ein weiterer „Bremer Punkt“ mit einer neuen Form gemeinschaftlichen Wohnens entstand in der Hinrich-Fehrs-Straße, ebenfalls in der Bremer Neustadt. Hier existieren 8 geförderte Wohnungen für eine Gruppe, die eine Hausgemeinschaft bildet. Die Wünsche für individuelles Wohnen werden in diesem Modell mit Angeboten für gemeinschaftliches Wohnen verbunden. Zwei Wohnungen wurden in Zusammenarbeit mit dem Martinsclub für Menschen mit Beeinträchtigungen bereit gestellt. Weitere Bremer Punkte sind in den Ortsteilen Kattenturm, Schwachhausen und der Gartenstadt-Vahr geplant www.gewoba.de/leistungen/neubau-stadtentwicklung/bremer-punkt/).

Blick in den Süden

Die Referentin ging auch auf außerbremische Projekte modernen Wohnens ein, zum Beispiel auf das OLGA-Projekt der Stadt Nürnberg. OLGA ist die Abkürzung für das Motto: „Oldies leben gemeinsam aktiv“. Auch dieses Projekt hat gemeinschaftliches Wohnen umgesetzt, aber in einem umgebauten Wohnhaus. Man setzt auf die eigenständige Verwaltung des Hauses durch die Bewohnerinnen/Bewohner und auf Selbstorganisation und gegenseitige, nachbarschaftliche Hilfe und hofft, das Leben im Alter interessant und abwechslungsreich zu gestalten und vielfältige Kontakte im Stadtteil aufrechterhalten zu können (weitere Infos: www.wohnprojekt-olga.de).

Wie die Bremer Seniorenvertretung sieht auch die GEWOBA in einem angemessenen, würdigen Wohnen im Alter eine architektonische Herausforderung für Bauträger und Kommunen.

Gerd Feller

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