Wir sind alt – wir bewegen was

Senioren, Das Alter älteres Paar auf der Parkbank

(c) Elfie Siegel

Sind eigentlich Senioren immer und in erster Linie eine Belastung für unsere Gesellschaft? Sind alte Menschen immer zurückgewandt, krank und hilfsbedürftig? Und empfinden sie sich vielleicht schon selber so? Diese Altersbilder stammen aus dem letzten Jahrhundert.

Es gab mal Zeiten, in denen das Alter mit Weisheit und Würde gleichgesetzt wurde und in manchen Ländern ist das auch heute noch so. Die schnelle Entwicklung der wirtschaftlichen, technischen und medialen Welt setzt aber heute – und eben in den industriellen Ländern ganz besonders – den Akzent auf Geschwindigkeit, Effizienz, Mobilität, und Leistung. Das alles sind keine Eigenschaften, mit denen alte Menschen speziell punkten können.

So alt fühle ich mich ja nun noch nicht!

Senior mit Rollator an einem See

(c) Elfie Siegel

Alter wird so zum negativen Begriff, zum Symbol für Langsamkeit und Nutzlosigkeit, Umständlichkeit – eben defizitär. Alte sind ein notwendiges Übel, das möglicht unbemerkt irgendwo noch existiert und der schnellen Welt bitte aus dem Wege gehen und nicht zu sehr zur Last fallen soll. Jemanden „alt“ zu nennen ist diskriminierend, man versucht im Sprachgebrauch diesen Terminus zu umgehen. Die Alten werden „Ältere“ genannt, Best-Ager und Silver Generation – auf englisch klingt es schon viel weniger alt.

Alte Menschen im Netz sind „Silversurfer“ und selbst der Name „Senioren“ ist schon ein Begriff, gegen den man sich allgemein wehrt. Eine Erfahrung, die wir hier in der Redaktion immer wieder machen, wenn wir Menschen zwischen 60 und 70 ansprechen, sich an der Arbeit für das Portal zu beteiligen. „Schreiben für den Seniorenlotsen? Also so alt fühle ich mich ja nun noch nicht!“. Werbefachleute geben den Tipp, Menschen über 60 bloß nicht als Senioren anzusprechen, wenn man Ihnen etwas verkaufen möchte.

Wir graben selber an unserem Ruf

Fußabdrücke im Schnee

(c) Robers

Wenn alle Welt – uns eingeschlossen – so tut, als gäbe es uns nicht, was für eine Wertschätzung ist das eigentlich? Das Bild vom Alter und von alten Menschen schaffen nicht nur die anderen, wir selber sind dafür mitverantwortlich. Wenn wir uns unserer eigenen Eigenschaften und Merkmale schämen, wenn wir es als diskriminierend empfinden, so bezeichnet zu werden, wie wir sind – alt – dann graben wir selber an unserem Ruf. Dann stecken wir unsere ganze Kraft in das Vertuschen von Falten, Einschränkungen und Behinderungen. Dann kämpfen wir den albernen Kampf, auf Deubel komm raus unsere Körper mit denen der jüngerer Leute zu vergleichen und selbst in den Fitnesstudios mit ihnen in Konkurrenz zu gehen. Oder wir begeben uns wirklich gleich ins Altersheim und warten auf das Ende.

Werden wir uns unserer Stärken wieder bewusst

Biene auf einer fliederfarbenen Blüte

(c) frauenseiten, C.Schütte

Seien wir also wieder stolz auf das, was wir können und wissen. Nicht nur das schnelle, vergängliche Wissen zählt. Geben wir uns Mühe, mitzuhalten aber gehen wir nicht in Konkurrenz oder vertuschen angebliche „Defizite“ vor anderen. Dafür sind die unterschiedlichen Generationen nämlich auch da, dass sie sich gegenseitig mit ihren Vorzügen bereichern, sich austauschen und anregen.

Wir wollen uns doch gar nicht raushalten und zurückziehen. Zeigen wir, wer wir sind! Zeigen wir es offen und öffentlich! Sein wir stolz auf das, was wir können! Zeigen wir, dass uns die kommenden Generationen nicht egal ist und die Zeit nach uns nicht uninteressant. Übernehmen wir Verantwortung nicht nur für vergangene Zeiten sondern auch für die Zukunft. Wir sind alt und wir können…! Wir können weitergeben, wir können einspringen, wir können raten, wir können helfen, ja sogar zahlen…wir haben Zeit, wir haben Geduld, wir haben Erfahrung, wir haben Wissen, wir haben Geld.

Senioren, Junger und alter Mann sitzen zusammen

(c) fotolia; Photographee.eu

Ein neuer Schwerpunkt

Alte Menschen tragen einen Schatz an Kompetenzen mit sich, den junge Menschen nutzen könnten, da sie selber noch gar nicht in der Lage sind, einen solchen zu besitzen. Dieser Schatz ist Gold wert. Senioren tragen heute schon oft die Doppelte Last an Betreuungsaufwand. Sie übernehmen viel Betreuungsfunktion bei den Enkelkindern und haben oft gleichzeitig für ihre hochbetagten Eltern zu sorgen. Senioren engagieren sich in vielen unterschiedlichen Bereichen unserer Gesellschaft auch im Umweltschutz und in der Sorge um die Bedingungen unter denen die zukünftigen Generationen leben müssen.

In unserem kommenden Schwerpunkt wollen wir all das Positive herauskehren, das die Alten fähig sind, dieser Gesellschaft zu geben. Im privaten wie auch im öffentlichen Leben. Wir zeigen, wie nützlich und unersetzlich wir sind. Freuen Sie sich ab morgen auf unsere gesammelten Texte und Videos zum Thema „Wir sind alt – wir bewegen was“.

Redaktion Seniorenlotse

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