Das Mittwoch-Rätsel – Ausgabe 5

Bronzefigur eines Mannes mit Hut und Zigarre

(c) hhs

Bremer Geschichte – ins Gespräch gebracht. Wo steht das Denkmal dieses Mannes?

Rund um den Bremer Roland kann man die Geschichte der Stadt am schnellsten kennen lernen. Dazu muss man sich nur einmal um sich selbst drehen. Wer mehr sehen will, spaziert auch noch durch die Böttcherstrasse und geht zum Schnoor. Amüsanter ist es, den Rundgang mit rätselhaften Spuren zu versehen. Thea, seit zehn Jahren Stadtführerin, hat wieder eine neue gelegt. Diesmal redet sie in ihrer Phantasie mit einem Mann, der am 18. April 1835 in Bremen geboren wurde und nach seinem Tod ein besonders anrührendes Denkmal erhielt. Dieses Denkmal soll gefunden werden.

Ihr Interview:

Herr Keberle ich möchte gern ein Interview mit Ihnen machen.

„Wat wullt Du?“

Ich möchte Sie interviewen.

„Kenn ik nich. Wes ik nich.“

Ich möchte Ihnen ein paar Fragen stellen.

„Ik snak platt. Du ok?“

Nein, ich spreche kein Plattdeutsch. Aber ich kann es gut verstehen. Und Sie verstehen auch Hochdeutsch. Darum mache ich Ihnen einen Vorschlag: Ich stelle meine Fragen auf Hochdeutsch, so dass Sie nur mit Ja oder Nein antworten müssen. So können uns alle Leute folgen, die nur Hochdeutsch sprechen und verstehen.

(Lacht) „Da hast Di aber wat utklamüstert. Wat schall dat?“

Heini Holtenbeen, Kopf einer Statue mit Hut

(c) hhs

Spaaß mooken.

„Na, denn man to.“

Sie heißen Jürgen Heinrich Keberle. Ein ungewöhnlicher Nachname in Bremen. Ich habe herausgefunden, dass Ihr Vater aus Böhmen stammte. Er hat als Schuhmacher in Bremen gearbeitet.

Nickt.
„Jo“

Nach der Schule kamen Sie bei einem Tabakküpermeister in die Lehre. In den Artikeln über Sie steht, dass Sie in der Zeit einen schweren Unfall hatten. Danach konnten Sie Ihr eines Bein nicht mehr bewegen und mussten Ihre Lehre abbrechen.

Seufzt
„Jo“

Sie haben dann als Dienstmann gearbeitet und viele Jahre im Schnoorviertel gelebt. Jeder kannte Sie unter dem Namen Heini Holtenbeen – Heini Holzbein. Als 1864 die Neue Börse am Rand des Marktplatzes eingeweiht wurde, waren Sie auch dabei.

Schmunzelt und zieht an seiner Zigarre.
„Jo“

Dort haben Sie dann immer mittags gestanden und darauf gewartet, dass die Herren, die in die Börse gingen, vorher ihre Zigarren ausdrückten, damit Sie die Stummel weiter rauchen konnten.

Zwinkert lustig mit den Augen
„Jo!“

Doch ins Herz geschlossen haben die Bremer Sie, weil Ihnen immer wieder neue Schnäcke einfielen, wenn Sie als Dienstmann Besorgungen machten. Eine Geschichte gefällt mir besonders gut: Als 1910 der Halleysche Komet erwartet wurde, hatten viele Menschen tausend Ängste. Viele fürchteten sich vor dem Weltuntergang. Sie haben aber immer wieder alle getröstet und gesagt: „Wenn die Welt untergeht, fahr ich nach Hannover. Da habe ich Verwandte“.

„Jo. Wenn de Welt unnergeiht, fohr ik no Hannover, do hev ik Verwandte.“

Sie sind 1909 gestorben. Doch die Bremer haben Sie nicht vergessen. Es gibt einen Verein mit ihrem Namen, ein Haus wurde nach Ihnen benannt, und man hat Ihnen ein Denkmal gesetzt.

Schwenkt fröhlich seine Melone
„Jo, Jo“

Heini Holtenbeen Statue, Hand mit Zigarre

(c) bremen.online GmbH / MDR

Wissen Sie, dass das Denkmal für Sie genau vor einer rauchfreien Zone steht? Sie haben es gut, an Ihrem Platz können Sie ganz in Ruhe Ihre Zigarre rauchen.

Zieht die Nase kraus
„Nee?“

In Bremen darf in Restaurants nicht mehr geraucht werden!

„Nee? Ken smöken in Huus? Schanne wert! Schanne wert!“

Das ist eine Schande? Das ist unser Problem! Doch jetzt beenden wir das Gespräch lieber. Herr Keberle, ich danke Ihnen.

„Heste mi nich ne Brasil mitbrocht? Nich? Schäm di wat!“

Thea hat keine Brasil-Zigarre mitgebracht und schämt sich.

Den Leser fragt sie:
Wo steht das Denkmal für Heini Holtenbeen?

  • Am Ende der Böttcherstraße?
  • Im Schnoor, an der Straße Wüste Stätte / Ecke Hinter der Holzpforte?

Die Lösung findet man auch diesmal bei einem Spaziergang vom Bremer Marktplatz aus. Sein Wissen vermehren kann man aber auch, wenn man in das „Große Bremer Lexikon“ von Herbert Schwarzwälder guckt. Wer gern im Internet unterwegs ist, kann das neue Bremer Online-Archiv Kunst im öffentlichen Raum Bremen besuchen und die Texte vergleichen.

Wer hat am besten recherchiert? Thea und Heini sagen: „Wir!“

Thea

Helga Schnatmeyer

  3 comments for “Das Mittwoch-Rätsel – Ausgabe 5

  1. Ellen
    26. Juli 2017 at 9:34 am

    Thea, dieses charmante Interview hat mich schmunzeln lassen….

  2. Dorothee
    1. August 2017 at 6:01 pm

    Solch ein Kompliment mag ich zu gerne. Danke!

  3. Sophie
    17. August 2017 at 3:49 pm

    Tolles Interview.

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