Nachkriegskinder – meine Fuffziger

Siedlungshaus mit Müttern und Kindern

Bundesarchiv, Bild 183-45455-0001 / CC-BY-SA 3.0 CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia Commons

In den fünfziger Jahren geboren, können wir uns natürlich nicht unbedingt an unsere frühe Kindheit erinnern. Es war die Nachkriegszeit, und wir haben von Krieg und Zerstörung zum Glück nichts mitbekommen. Wir fühlten uns sicher und geborgen und hörten später gerne die Geschichten unserer Eltern über unsere Kinderzeit, wenn der Vater morgens mit dem Rad das Haus verließ und pünktlich um siebzehn Uhr Feierabend hatte.

Wir hatten inzwischen in der Sandkiste gespielt und unsere Mütter saßen strickend und klönend daneben. Abends wurden wir in der Zinkbadewanne gebadet und erst später hatten wir einen Badeofen.

Ereignisse der Fünfziger

Zwei Mädchen hinter einem Babywagen der 50ger Jahre

Bundesarchiv, Bild 183-57543-0004 / CC-BY-SA 3.0 CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia Commons

Im Juli 1954, dem Jahr in dem ich geboren wurde, gab es ein riesiges Ereignis, das Wunder von Bern! Die deutsche Fußballnationalelf gewann die Weltmeisterschaft 3:2 gegen Ungarn. Das bewegte mich in meinem Körbchen, einem echten Wäschekorb, wie man mir erzählte, wenig. Ausgefahren wurde ich in einem Kinderwagen, der heute als tiefergelegt eingestuft würde. Er war aus Korbgeflecht mit einem festen Verdeck. Autos gab es derzeit wenige, und auch wir besaßen keines. Deshalb war es auch egal, ob der Kinderwagen zusammen zu klappen ging, oder nicht.

Unseren ersten Fernseher bekamen wir, als ich schon in die Schule ging, also erst in den sechziger Jahren. Für viele Familien war er noch in unerreichbarer Ferne, aber in den Fuffzigern standen im Mai 1956, laut Recherche, schon 140.000 Geräte in den Haushalten. Er kostete damals etwa 700 DM. Am ersten Oktober 1956 begann die ARD mit der täglichen Sendung der Tagesschau.

Fortbewegungsmittel

Meine Geschwister, auch inzwischen geboren, lagen nun in dem „Tiefergelegten“ und ich bekam, nach meinem Holzroller, ein Dreirad und dann ein kleines Fahrrad mit Stützrädern. Wir radelten zum Kaufmann und manchmal gab es eine Wundertüte oder für einen Groschen Lakrtitz aus den großen Bonbongläsern.

Einschulung und Teenageralter

1960 wurde ich eingeschult. Mit einer Schultüte bewaffnet, einem Lederränzel, einer Schiefertafel und Griffel ging es los. Waren wir in unserer Kindheit artig und wohlerzogen, warfen nie Papier auf die Straße und räumten immer den Platz im Bus für ältere Menschen, so wurden wir zu Jugendlichen in einer Zeit des Umbruchs. Wir hörten Musik wie zum Beispiel die Beatles und Jimy Hendrixs, und trugen bunte Hippie-Mode, die unsere Eltern entsetzte. Nun fingen wir auch noch an mit ihnen zu diskutieren, über unsere Musik, den Krieg in Vietnam oder sogar die Antibabypille. Wir wurden zu Revolutionären, aber nur im Kleinen.

So habe ich die Fuffziger und Sechziger erlebt und bin trotz der Bedenken der Eltern als anständiger Mensch durch das Leben gekommen. Manchmal muss ich schmunzeln über unsere Kinder- und Jugendzeit.

Gertrud von Hacht

 

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