Die 50er Jahre…ein ganz persönlicher Rückblick

Dörfliche Bahnstation schwarz/weiß

(c) frauenseiten, A. Eilers

Wenn ich mit 81 Jahren auf „meine“ 50er Jahre zurückblicke, dann wird mir eigentlich erst jetzt so ganz umfassend klar, wie bewegt diese Jahre waren. Bislang waren sie halt einfach ein Teil meines Lebens. Aber es ist so, dass kaum ein anderes Jahrzehnt so bewegt und angefüllt mit Veränderungen war.

1950? Da besuchte ich als Fahrschülerin – morgens um 5 Uhr von zu Hause los zur nächsten Bahnstation – die Oberschule in Bremen. Es fuhr nur dieser eine frühe Zug, der sogenannte „Arbeiterzug“, denn die Masse der Mitfahrenden setzten sich meist aus Arbeitern zusammen, die vom Land in die Stadt zur Arbeit fuhren. Deren Arbeitszeit begann um sieben Uhr. Meine Schule erst um acht Uhr. Wohin solange? Am Bremer Bahnhof hatte die Innere Mission in einem kleinen Häuschen eine offene Tür. Dort wartete ich – manchmal gab es auch etwas zu essen – bis ich dann zu Fuß gen Schule ging; gute drei Kilometer und mit inzwischen hungrigem Magen.

Nach Bremen!

Junge Leute auf einer Wiese

(c)priv. Walther

Und wenn die Bremer Klassenkameradinnen mittags schnell daheim waren, saß ich wieder bei der Inneren Mission und wartete auf den Arbeiterzug am Nachmittag. Immerhin fuhr dann schon ein Bus, damit ich die sieben Kilometer vom Bahnhof in den Wohnort nicht auch noch laufen musste. Es ging – irgendwie. Inzwischen hatten wir aber als Familie eine Wohnung in Bremen bekommen; das vereinfachte Vieles. Und – ganz wichtig – ich konnte nachmittags etwas zusammen mit meinen Freundinnen unternehmen. Und das nutzten wir weidlich aus; die Schule litt leider darunter. Ein Wunder, dass der Abschluss bestens gelang.

Frau betrachtet Seidenstrumpf

Erik Liljeroth, Nordiska museet [CC BY 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0)], via Wikimedia Commons

Ach ja: die ersten „Nylons“. Mein Bruder war für ein Jahr in Amerika und schickte Pakete. Träume wurden wahr: bunte Kleider, zarte Unterwäsche und: die ersten Nylons! Vor Stolz platzte ich schier.

Und dann bekam ich einen Platz in einer Fachschule und legte den Abschluss ab. Stellensuche? Mit langen Zöpfen? Ja, auch das ging, auch wenn ich nicht gleich bei der ersten Firma angenommen wurde. Aufregend der erste Arbeitstag: mein Chef war aber enttäuscht, dass ich inzwischen kurze Haare und Dauerwellen hatte. Er meinte: „Ich habe Sie doch auch der langen Haare wegen eingestellt.“ Das war Mitte der 50er Jahre eben selten.

Vom Teeny zum Twen

Junge Leute sonnen sich unter Decken

(c)priv. Walther

Und….ganz mutig geworden – wechselte ich nach nur einem Jahr die Stelle. Bekam stolze 100 Mark mehr. Viel Geld! Konnte endlich daheim etwas zum Haushalt beitragen.

Inzwischen war das Jahrzehnt sechs Jahre alt. Wir waren ein netter Kreis. Es wurde viel gefeiert. Meist privat, jeder brachte etwas mit. Und wie schön waren die Tanzereien bei Kutscher Behrens in Lilienthal. Den erreichten wir per Zug. Ein Stück Holz oder Torf zum Heizen musste mitgebracht werden. Aber dann schlich sich in den festen Freundeskreis ein Außenstehender. Und? Richtig! Es wurde geheiratet, das erste Baby kam etwas später. Und als kleine, glückliche Familie beendeten wir das Jahrzehnt. Nicht zu fassen, was alles in ein Jahrzehnt hineinpasst.

Und: es waren unbeschwerte, glückliche Jahre!

Gisela E. Walther

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