Das Mittwoch-Rätsel – Ausgabe 3

Unser Ratespiel durch die Bremer Geschichte geht weiter

Können Figuren und Gebäude reden? Natürlich nicht. Aber in unserer Phantasie können sie es! Thea, seit vielen Jahren Stadtführerin, macht es uns vor. Sie interviewt Bremer Sehenswürdigkeiten, und Sie können raten, wen sie getroffen hat. In dieser Folge ist sie nicht mehr am Weserufer unterwegs. Sie ist zum Marktplatz zurückgekehrt. Dort haben zwei Reiter ihre Neugierde geweckt. Mit einem hat sie sich unterhalten.

Das Gespräch

Reiter Skulptur

(c) wfb, bremen.online, Janina Thönsing

Sie stehen hier zu zweit. Haben Sie sich schon mal miteinander unterhalten?

-Wie denn? Hier muß jeder aufpassen, dass er nicht vom Sockel fällt.
-Ich wäre gern vom Sockel geholt worden und wäre stolz gewesen, wenn man aus meinem Kupfer eine Kanone gegossen hätte.
-Schweig still.
-Warum?
-Du redest, wie du´s verstehst. Hier draußen hört man das nicht gern.

Wie ich gerade höre, reden Sie doch miteinander. Allerdings in einem ruppigen Ton. Gibt es dafür Gründe?

Wir sind Ritter. Und mein jugendlicher Freund neben mir hat sich gerade einen eigenen Gedanken erlaubt. Und auch noch geäußert! So ein Betragen verstößt gegen unsere Sitten. Er wird jetzt schweigen.

Reiter Skulptur

(c) wfb, bremen.online, Janina Thönsing

Sie sind hier 1901 aufgestellt worden. Im letzten Krieg wurden Sie allerdings vom Sockel geholt, weil Sie aus Kupfer sind. Das Kupfer sollte eingeschmolzen werden, um daraus Kanonen zu gießen. Doch Sie sind nur aus Kupferblech. Das war Ihre Rettung. Sie blieben heil und wurden in einem Bunker eingelagert.

Genau so war es. Auch unsere Freunde, die vor dem Eingangstor auf der anderen Seite des Hauses standen, wurden vom Sockel geholt. Und die waren aus wertvollerem Material und wurden tatsächlich eingeschmolzen. Und die sind nun weg.

Wissen Sie, wem Sie es zu verdanken haben, dass Sie hier stehen?

Natürlich. Das Palaver haben wir beide noch gut im Ohr. Es gab einen Spender, der Bremen eine Freude machen wollte. Der kaufte uns beide auf der Weltausstellung in Paris. Das war 1901. Dann diskutierten Leute, die damals in Bremen den Ton angaben, wo wir stehen sollten. Das dauerte.
Schließlich wurden wir neben diesem Eingang auf unsere Sockel gestellt. Und die Bremer freuten sich über uns. Sogar Kaiser Wilhelm hat bei einer Fahrt durch Bremen sein Auge auf uns geworfen! Doch dann kam der Krieg, und wir mußten verschwinden.
Raten Sie mal, wie lange es gedauert hat, bis man uns hier wieder auf den Treppeneingang gesetzt hat? Ich meine, wieviel Zeit es nach dem Krieg gedauert hat?

Zwei Reiter Reiterskulpturen

(c) wfb, bremen.online, Janina Thönsing

Das weiß ich. Sie sind 2003 zurückgekommen. Nach fast 50 Jahren. Aus dem Bunker wurden Sie allerdings schon 1959 geholt. Doch Sie wurden ausquartiert. Krieger oder Herolde, wie man Sie meistens nennt, wollte man nicht wieder vor dem Haus am Marktplatz haben. Erika Thies hat das 2009 im „Weser-Kurier“ beschrieben.

Und sie hat auch berichtet, was ich Ihnen jetzt erzähle: Es war nämlich die Tochter des edlen Spenders, die dafür gesorgt hat, dass wir aus dem Bunker befreit wurden. Sie hat 1958 einen Brief an Bürgermeister Kaisen geschickt, in dem sie ihn fragte, ob es uns noch gibt und ob Bremen nicht wieder Platz für uns hat. Aber wo? Darüber wurde ausgiebig palavert.
Und wie Sie schon bemerkten, sollte es der Platz hier vor dem alten ehrwürdigen Haus auf keinen Fall wieder sein. So transportierte man uns 1959 in den Park der Egestorff-Stiftung in Tenever. Zu alten Leuten.
Der Platz war auch nett, aber langweilig. Hier ist es viel interessanter. Jetzt werden wir wieder täglich fotografiert. Ein Besucher meinte neulich sogar, dass ich dem Spender ähnlich sehe. Mein junger Freund neben mir gefällt besonders den Frauen, und die Kinder bewundern unsere Pferde.

Wer Sie gespendet und geschaffen hat, steht auf Ihren Sockeln.
Ich glaube, jetzt haben wir genug verraten. Ihr junger Freund hat brav geschwiegen. Er bekommt das Schlußwort.

-Ich hab hier bloß ein Amt und keine Meinung. Trotzdem sage ich: Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten. Machen Sie Schluß.

Die Frage ist:

Wo stehen am Bremer Marktplatz die beiden Herolde?
Vor dem Schütting?
Vor der Raths-Apotheke?
Vor der Ostseite des Rathauses?

Die Lösung findet man bei einem Spaziergang oder hier:
Mehr wikipedia.org

Der Stifter: John H. Harjes (1830-1914) stammte aus Bremen. Er war einer der erfolgreichsten Bankiers seiner Zeit.
Mehr www.ourstory.info
Im Schlußwort stecken zwei Zitate aus Friedrich Schillers Schauspielen „Wallensteins Tod“ und „Wilhelm Tell“.

Viel Spaß beim Suchen und Finden wünscht

Helga Schnatmeyer

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