MDH: Die Rätsel der bunten Eier

4 Eier mit lachenden Gesichtern

© bremen.online, KBN

Frische Eier gehören zu den am besten gekennzeichneten Lebensmitteln überhaupt. Der Stempel auf dem Ei klärt über die Herkunft bis hin zum Bundesland auf und sagt auch, ob die Eier aus Käfig-, Boden-, Freiland oder -Bio-Haltung stammen. Bei Hühnerhaltern, die sich dem Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V. angeschlossen haben, lässt sich das Ei sogar bis zum tatsächlichen Hühnerhof zurückverfolgen. Mit ein bisschen Rechnerei erfährt man auch das Legedatum. Vom Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) 28 Tage zurückrechnen – und man weiß, wann das Ei gelegt wurde.

Mehrere rote Fragezeichen

(c) A. Robers

Bunte Eier – viele Fragezeichen

Bei den gefärbten Eiern, die gerade „Hauptsaison“ haben, gibt es diese Informationen nicht. Die Verpackungen verkündigen lediglich, dass es sich um gefärbte Eier handelt, die mindestens bis zum genannten Datum haltbar sind. „Werden die Eier lose angeboten, erfährt man nicht einmal das. Doch auf das MHD von Eiern, die bunt verpackt sind, sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher besser nicht verlassen“, empfiehlt Regina Aschmann von der Verbraucherzentrale Bremen.
Lange Haltbarkeit Gekochte Eier sind länger haltbar als rohe, zudem werden sie häufig nach dem Einfärben mit Schellack überzogen. Dieser Lack schützt die Schale zusätzlich und lässt die Eier glänzen. Sie können mehrere Wochen lang gegessen werden. Doch sobald sie lose verkauft werden, fehlt die Angabe des MHDs. Welcher Händler behält da den Überblick? Zudem gibt es für den Handel keine Vorschrift, Eier gekühlt aufzubewahren, obwohl dies die Haltbarkeit verbessern würde.

Junge Frau mit zweifelndem Blick

https://de.fotolia.com/id/105202131; fotolia; (c) K.- P. Adler

Unappetitliches…

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) untersucht regelmäßig gefärbte Eier. In den letzten Jahren, auch 2016, waren immer wieder Eier bei Ablauf des MHDs verdorben. Das LAVES beschreibt sie als „hefig-gärig oder teilweise als faulig im Geruch“. Mehr als ein Fünftel der Eier hatte 2016 Risse und Löcher in der Schale, was das Eindringen von gesundheitsschädlichen Keimen fördert. „Wer die Eier nicht nur zur Dekoration verwenden, sondern sie auch verzehren möchte, sollte dies deutlich vor Ablauf des MHDs tun“, rät Aschmann. Auch in diesem Jahr laufen wieder entsprechende Untersuchungen, Ergebnisse gibt es bislang nicht.

Tierschutz? Wohl kaum!

Anders als bei frischen Eiern gibt es bei den bunten keine Informationen über die Hühnerhaltung. Es ist aber davon auszugehen, dass der größte Teil aus sog. „ausgestalteter Käfighaltung“ stammt. Solche Eier müssten im Handel, wenn sie „ohne Farbe“ verkauft würden, mit einer 3 gekennzeichnet werden. Doch sie sind in den Geschäften gar nicht zu finden. Der Grund dafür ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sie nicht haben wollen. „Wer hier auf Tierschutz achtet, sollte auch bei den gefärbten Eiern konsequent sein“, sagt Aschmann „Bunte Bio-Eier kommen nicht aus Käfigen – aber am schönsten sind natürlich selbst gefärbte Bio- oder Freilandeier“ findet die Verbraucherschützerin.

Logo in rot/ weiß

(c) verbraucherzentrale bremen

Bessere Kennzeichnung erforderlich

„Die Diskrepanz zwischen der Kennzeichnung von frischen und gefärbten Eiern ist frappierend“, kritisiert Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. „Der Gesetzgeber sollte bei bunten Eiern ebenfalls die Kennzeichnung der Haltungsform vorschreiben. Zudem müsste bei auch bei losen, gefärbten Eiern die Angabe des MHDs obligatorisch sein. Die Untersuchungen von verpackten Eiern durch die niedersächsische Lebensmittelüberwachung zeigen jedoch, dass das von den Produzenten angegebene Datum zum Teil nicht der tatsächlichen Haltbarkeit entspricht. Hier ist eine realistischere Kennzeichnung erforderlich“, fordert Oelmann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.