Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Gebäude KZ Buchenwald

(c) Sveda

An jedem 27. Januar wird im Rahmen eines nationalen Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

Der Gedenktag wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog initiiert und nimmt Bezug auf den 27. Januar 1945, an dem das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von Soldaten der Roten Armee befreit wurde. Der Gedenktag ist allen Opfergruppen des Nationalsozialismus gewidmet und soll nicht nur historische, sondern auch aktuelle politische Bezüge zur Erinnerung und Wachsamkeit im Hinblick auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit herstellen.

Viele Veranstaltungen innerhalb von drei Monaten

Lokomotivenräder

(c)Angelika Behnk

In Bremen wird nun zum 21. Mal ein Programm vorgestellt, das diesem Gedenken verpflichtet ist und es in seiner Bandbreite mit Leben füllt. Koordiniert vom Verein „Erinnern für die Zukunft e.V.“ und der Landeszentrale für politische Bildung wurde mit Hilfe von vielen Vereinen, Initiativen und Kooperationspartnern ein Veranstaltungsprogramm mit fast 50 Vorträgen, Filmvorführungen, Lesungen, Führungen und Vielem mehr zusammengestellt. Die Veranstaltungen finden im Zeitraum, von Anfang Januar bis Ende März 2017 statt.

Ein thematischer Schwerpunkt des diesjährigen Gedenkprogramms ist dem 75. Jahrestag der „Wannseekonferenz“ gewidmet. Am 20. Januar 1942 trafen sich unter Vorsitz des Chefs des Reichssicherheitshauptsamtes, Reinhard Heydrich, hochrangige Vertreter der nationalsozialistischen Reichsregierung und weiterer Behörden, um die Organisation des bereits beschlossenen Holocaust zu koordinieren. Die Wannseekonferenz war für den Holocaust zentral, wurden hier doch die Definition der Opfergruppen und die zeitlichen Abläufe der Massendeportationen und -tötungen vorangetrieben.

Zentrale Gedenkveranstaltung am 25. Januar

Opfer des Nationalsozialismus Eine Gruppe von Menschen in Bronze

Holocaust-Denkmal in Berlin (c)Irina Anziferow

Dem Jahrestag der Wannseekonferenz ist auch die zentrale Gedenkveranstaltung des Senats zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet. Sie findet in diesem Jahr am Mittwoch, 25. Januar, um 19:30 Uhr in der Oberen Rathaushalle statt. Neben einführenden Worten von Bürgermeister Dr. Carsten Sieling wird Dr. Elke Gryglewski, die stellvertretende Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz den Festvortrag unter dem Titel: „75 Jahre danach: Die Wannseekonferenz, der Holocaust und die Gegenwart“ halten. Darüber hinaus werden die Namen der Opfer der Medizinverbrechen in Bremen verlesen.

Das Bremer Veranstaltungsprogramm wird am 11. Januar durch einen Film und eine Diskussion zum Umgang mit in nationalsozialistischer Täterschaft der Familie eröffnet, zu der das Landesinstitut für Schule, die Landeszentrale für politische Bildung und das Julius-Leber-Forum einladen. Wie in den letzten Jahren konnte darüber hinaus die Trägerin des Bundesverdienstordens, Michaela Vidlakova, dafür gewonnen werden, zwischen dem 15. und dem 21. Januar als Zeitzeugin Bremer Schulen zu besuchen und Schüler_innen von der Zeit ihrer Verfolgung zu berichten.

Vielfalt bei den Veranstaltungen und den Zielgruppen

Vorderansicht des Bremer Rathauses

(c) frauenseiten, Fischer

Eine Lesung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft mit Dr. Hermann Kuhn am 17. Januar gehören genauso zum Programm wie Musikveranstaltungen, z.B. „Rock gegen Rechts“ im Bürgerhaus Obervieland zum Gedenken an den 27. Januar oder das Konzert der Microphone Mafia mit Ester Bejarano am 4. Februar, das vom Bund deutscher Pfadfinder_Innen organisiert wird

Das City 46 widmet dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus einige Filmabende. Der Leiter der ersten Wehrmachtsausstellung, Hannes Heer, hält für die Heinrich-Böll-Stiftung einen Vortrag zum Thema „Wahrheit und Lüge im deutschen Geschichtsfilm“.

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft beteiligt sich ebenfalls am Programm und wird am 13. Februar in der Stadtbibliothek Bremen eine Büste zu Ehren Janusz Korzaks enthüllen. Zu der Frage von kollektiven und familiären Tradierungen von Erinnerungen wird Dr. Christel Trouve und Henry Fried in der Bremischen Bürgerschaft einen Vortrag halten, begleitet durch ein Grußwort des Präsidenten Christian Weber.

Außenansicht eines Bunkes

(c) Angelika Behnk

Die Kulturambulanz Bremen-Ost erinnert am 26.2. in einem Vortrag von Jannik Sachweh an die Malerin Josefa Egberts und gleichzeitig an die Krankenmorde im Nationalsozialismus. Einen weiteren Höhepunkt stellt die Aufführung eines Oratoriums für Bläser, Chor und Sprecher über Anne Frank dar. Diese einzigartige Veranstaltung findet am 11. März im Denkort Bunker Valentin in Bremen-Farge statt.

Mit Hassbotschaften im Internet und rechter Propaganda beschäftigen sich die Mitarbeiter_Innen von pro aktiv gegen rechts am 28. Februar. Sie referieren zu den Möglichkeiten, sich dagegen zur Wehr zu setzen.

Insgesamt ist es gelungen, durch die Kooperation mit vielen unterschiedlichen Partnerinnen und Partnern und Institutionen ein Programm auf zu legen, das viele thematische Zugänge zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus beinhaltet und darüber hinaus über aktuelle Aspekte die Erinnerung für die Gestaltung der Gegenwart und Zukunft berücksichtigt.

  3 comments for “Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

  1. Lilo Herzog
    23. Januar 2017 at 3:43 pm

    Ich war vor über 3OJahren 1o Tage in Auschwitz. Auschwitz ist für mich der Inbe-griff des Bösen, ich habe das Forschungslabor von Mengele gesehen, er hat für seine Zwillingsforschung jüdischen Kindern bei vollem Bewußtsein den Bauch aufgeschnitten, hat für seine Versuche Menschen unsäglich gequält, er war ein Akademiker, ein Arzt, der Menschen helfen wollte, der Leiden lindern wollte, warum dieses entgleiste Verhalten, er wollte kein kleiner Vorstadtdoktor sein, sondern bei den Nazis Karriere machen. Viele andere Deutsche in den KZ haben unglaublich Menschen mißhandelt, bis in die Gaskammern.
    Ich habe damals ein Buch gelesen, und das sollten wir heute wieder lesen: Der Verlust des Mitgefühls und die Politik der Gleichgültigkeit.
    Das Mitgefühl ist die in uns eingebaute Schranke zum Unmenschlichen. Die Frage nach dem Mitgefühl des Menschen ist die Frage nach seinem Menschsein.

  2. Elfie
    24. Januar 2017 at 11:01 am

    Grauenhaft, liebe Lilo….und wir meinen, wir haben Kultur….Als kleines Zeichen der Trauer und des Gedenkens sollten wir auf einen Stolperstein in unserer Nähe eine Blüte legen….

  3. Eva
    26. Januar 2017 at 2:38 pm

    Heute habe ich eine Rose auf die Stolpersteine vor einem Haus in der Elsasser Straße
    gelegt zum stillen Gedenken. Als ich nach zwei Stunden zurückkam, war die Rose weg. Jetzt überlege ich: Hat jemand, der gegen die Erinnerungskultur ist, sie weggenommen? Oder hat sich jemand „gefreut“, sie gefunden zu haben…..

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